Rein mit der SINUMERIK in den Werkstattalltag

Wie die Firma Pfeiffer Maschinen- und Apparatebau zum Beta-Tester für Siemens wurde

Die SINUMERIK in die Werkstatt zu bringen: Für Siemens-Projektleiter Karsten Schwarz ist dieses Ziel Ende der 1990er-Jahre kein leichtes Unterfangen. Bis er in dem Auftragsfertiger Pfeiffer einen Partner findet, mit dem er die Steuerung im direkten Einsatz optimiert. Eine Partnerschaft, die nun seit über zwei Jahrzehnten firmen- und generationsübergreifend besteht – und dabei die SINUMERIK in der Werkstatt heimisch macht.

„Man kennt das ja selber“, sagt Karsten Schwarz mit einem Lächeln. „Manchmal gibt es im Berufsleben Dinge, für die es sich lohnt zu kämpfen. Für mich war und ist das ganz klar die SINUMERIK.“ 1997 verschreibt sich der Siemens-Ingenieur einem neuen Ansatz: die SINUMERIK auch in die Werkstatt zu bringen. Die Bedien- und Programmieroberflächen „ShopMill“ für das Fräsen und „ShopTurn“ für das Drehen sollen den Arbeitsalltag der Facharbeiter vereinfachen: Statt komplizierte NC-Programme für die Fertigung codieren zu müssen, versprechen sie den Anwendern eine präzise und mühelose Einstellung von Handlungsabfolgen für den gewünschten Zweck.

 

Karsten Schwarz weiß, dass er sich kein einfaches Ziel gesetzt hat. „Die meisten Werkstätten haben damals gesagt: ‚Siemens-Steuerung? Nein, die ist zu teuer, zu komplex. Das ist was für die Automobilindustrie, aber nicht für uns im Werkstattbereich‘“, erinnert er sich. Tatsächlich war die SINUMERIK bis zur Jahrtausendwende vorwiegend in großen Unternehmen im Einsatz, in der Produktion vom Auto bis zum Flugzeug.

Der Beginn einer Partnerschaft

Es scheint anfangs ein kleiner Schritt, als Karsten Schwarz spontan auf seinem Heimweg einen mehrjährigen SINUMERIK-Kunden, den Werkstattbetrieb Pfeiffer in Zirndorf, besucht. Es war ein Willkommen mit kritischem Blick, erinnert sich Karsten Schwarz heute schmunzelnd. Mit einer lebhaften Diskussion beginnt an diesem Abend im Jahr 1998 eine intensive Partnerschaft. Denn schnell merken Karsten Schwarz und Andreas Pfeiffer Senior: Sie eint das gleiche Anliegen. Zusammen wollen sie die SINUMERIK für den Einsatz in der Werkstattfertigung optimieren.

Der Kontakt mit Herrn Schwarz hat dazu geführt, dass wir eine Art Beta-Tester wurden.
Andreas Pfeiffer, Geschäftsführer von W. Andreas Pfeiffer - Maschinen- und Apparatebau

„Wir haben Anfang der 1990er-Jahre mit einer Fräsmaschine mit ShopMill angefangen“, erinnert sich Andreas Pfeiffer Junior, der 2012 den Werkstattbetrieb seines Vaters übernahm. „Und wir hatten in der ersten Zeit – wie es immer mit neuer Software ist – unsere Probleme damit. Als Karsten Schwarz vor unserer Haustür auftauchte, hat ihm mein Vater erst einmal in aller Ausführlichkeit erklärt, was alles schiefläuft“, erinnert er sich schmunzelnd. Ein Glücksfall, wie sich schnell herausstellen soll. Denn in enger Zusammenarbeit optimiert das Team die Bedienoberfläche und Programmierung der SINUMERIK, um auch den Bedürfnissen der Auftragsfertigung gerecht zu werden.

Davon zehrt die gesamte SINUMERIK-Entwicklung bis heute. Das ist einer meiner Glücksmomente in der Geschichte der SINUMERIK.
Karsten Schwarz

Die SINUMERIK kommt in den Werkstätten an

Nach einigen Jahren des Ausprobierens und Feedbackgebens entsteht die Bedienoberfläche SINUMERIK Operate, die ShopMill und ShopTurn in  derselben Oberfläche vereint und bis heute im Werkstattbereich genutzt wird. „Siemens musste erst lernen, auch Endanwender in den Entwicklungsprozess mit einzubeziehen“, erinnert sich Karsten Schwarz. „Erst als wir 2006 unser Trainingscenter ‚TAC‘, heute ‚DEX‘ (Digital Experience and Application Center), gegründet haben, hat sich das grundlegend gewandelt.“

Mit der ersten gemeinschaftlichen Optimierung der SINUMERIK-Steuerung für den Werkstattalltag haben Karsten Schwarz und Andreas Pfeiffer Junior eine wichtige Hürde genommen. Immer mehr Werkstätten erkennen die Vorteile der SINUMERIK und setzen sie in ihrem Arbeitsalltag ein. „Mit den ersten Endkundenworkshops, die wir damals noch in Zirndorf ausgerichtet haben, konnten wir viele Mittelständler für die SINUMERIK begeistern“, erzählt Karsten Schwarz.

Anfang der 2000er-Jahre zog Siemens als Marketingmaßnahme mit einem lebensgroßen Nashorn aus Pappmaschee um die Welt. Das Horn bestand aus einem Metallstück, das wir in unserer Werkstatt gefräst hatten.
Andreas Pfeiffer, Geschäftsführer von W. Andreas Pfeiffer - Maschinen- und Apparatebau

Der nächste Meilenstein: Digitalisierung

Doch weder Schwarz noch Pfeiffer Junior ruhen sich auf ihren Erfolgen aus. Heute haben die beiden längst das nächste Ziel vor Augen: die Digitalisierung aller Arbeitsprozesse innerhalb der Werkstattfertigung. Seit über elf Jahren arbeitet das Familienunternehmen Pfeiffer mit einer durchgängigen Kette von NX CAD/CAM. „Wir sprechen in letzter Zeit viel miteinander über die Werkstattverwaltung, also Machine Ressource Libraries, über Edge Computing und den Digitalen Zwilling“, erzählt Andres Pfeiffer Junior. „Ich sehe in diesen technologischen Weiterentwicklungen großes Potential.“

 

Denn vollumfängliche Vorsimulationen der Arbeitsprozesse lassen Probleme vorzeitig erkennen. „Man sollte den Fehler nicht erst dann bemerken, wenn der Fräser plötzlich zu weit nach unten fährt, weil man die Maschine falsch programmiert hat. Mit dem Digitalen Zwilling lässt sich dieses Risiko minimieren.“

 

Für Andreas Pfeiffer Junior ist eine nahtlose Prozesskette wichtig. Von der Idee bis zur Maschine sollte alles abgebildet werden. Auch deshalb setzt er seit vielen Jahren auf SINUMERIK. „Siemens bietet von CAD bis zur Bearbeitung an der Maschine Lösungen an“, sagt Pfeiffer Junior. 

 

„Die SINUMERIK als etabliertes Automatisierungssystem für die Werkstatt war vor 20 Jahren schier undenkbar“, resümiert Karsten Schwarz. „Dieses Räderwerk der großen Industrie hat die Firma Pfeiffer ganz maßgeblich mitgedreht. Also, an dieser Stelle: Danke!“