Ingenuity for life – 125 Jahre Innovationskraft

insight 2/2019

Ingenieurskunst, Unternehmertum und Innovationskraft: Siemens feiert 125-jähriges Bestehen in der Schweiz und stellt zum Jubiläum Schweizer Ikonen in den Vordergrund.

 

Wir schreiben das Jahr 1894: Thomas A. Edison wird geboren. Der letzte Schweizer Bürgerkrieg geht zu Ende. Die Spanisch-Brötli-Bahn zwischen Baden und Zürich wird eröffnet. Das Flusskraftwerk Wynau wird gebaut – und damit der Grundstein für die Aktivitäten von Siemens in der Schweiz gelegt. Mit dem Bau des Kraftwerks Wynau ist Siemens nach fast 50 Jahren Tätigkeit in Deutschland 1894 erstmals mit eigenem Personal in der Schweiz aktiv. Nach den Büroräumlichkeiten, welche für den Bau des Kraftwerks extra errichtet wurden, folgten bis zum Beginn der 1920er Jahren weitere technische Büros in der gesamten Schweiz.

 

 

Noch schneller und noch weiter

 

Heute ist die Siemens Schweiz AG einer der wichtigsten Partner der Schweizer Industrie: Von der zukunftssicheren Automatisierungstechnik, Antriebstechnik, Industriesoftware sowie Serviceleistungen profitieren unzählige Kunden von jahrelanger Expertise – wie zum Beispiel die Pilatus Aircraft Werke. Pilatus Flugzeuge punkten vor allem mit ihrer Vielseitigkeit und der Fähigkeit fast überall landen zu können und als innovativer Flugzeugbauer stehen die Wünsche der Kunden auch bei Pilatus an allererster Stelle. Aber wie kann das Kundenanliegen noch schneller zu fliegen und weiter zu kommen berücksichtigt werden, ohne dabei auf die bisherigen Vorteile zu verzichten? Eine echte Herausforderung für die Entwicklungsabteilung, aber auch die Chance radikal neu zu denken. Siemens hat Pilatus dabei unterstützt.

Teamcenter unterstützt uns, den gesamten Prozess zu managen und alle Vorgaben von Kunden und Behörden einzuhalten. Ohne dieses System wäre das gar nicht mehr möglich.
Walter Rentsch, Senior Design Engineer bei Pilatus Aircraft Ltd

Vom digitalen Zwilling zum Wunderding

 

In langjähriger Zusammenarbeit mit Siemens PLM Software entwickelte Pilatus nebst der IT-Landschaft eine vollständige Lean Management Lösung. Den Mittelpunkt der PLM-Lösung bildet die Software Teamcenter®, welches den gesamten Entwicklungsprozess von der Konstruktion bis zur Fertigung abdeckt und automatisiert steuert. Die Synergien von Teamcenter mit der integrierten 3D-CAD-Lösung NX™ garantiert die Weiterverwendung der Konstruktionsdaten über den gesamten Engineering-Prozess. War das Trainingsflugzeug PC-21 das erste vollständig mit NX und Teamcenter konstruierte Flugzeug bei Pilatus, so sollte der neue Business-Jet PC-24 das erste «virtuell entwickelte» Flugzeug werden, um Zeit und Kosten für physikalische Mockups einzusparen. Und der neu entwickelte zweistrahlige Flugzeugtyp PC-24 kann als wahres Wunderding bezeichnet werden: Es ist der erste Businessjet, der die Vorteile unterschiedlicher Jets kombiniert.

 

Also erstellten die Fachleute der Produktentwicklung einen digitalen Zwilling des Flugzeuges. Der gesamte Produktlebenszyklus – von der Entwicklung, Konstruktion und Fertigung – wurde auf der gemeinsamen Teamcenter-Plattform dargestellt und umgesetzt. Damit gelang es, die Entwicklungsdauer von der Konzeptfreigabe bis zum fliegenden Prototypen auf rund drei Jahre zu verkürzen.



Bessere Entwicklungsentscheidungen dank digitalen Prototypen

 

Die nach Flugzeugbereichen eingeteilten Entwicklungsteams arbeiten auf ihrer «Spielwiese» auch mit unfertigen Daten. Manche Umgebungen, etwa für ein Sauerstoffsystem, waren noch nicht vorhanden und mussten provisorisch erstellt werden. Daraus ergaben sich zwar doppelte Strukturen, doch diese Entwicklungsentscheidungen fielen trotzdem wesentlich fundierter aus, da das Wissen und die Erfahrungen vieler Mitarbeiter frühzeitig berücksichtigt werden konnte. Probleme wären sonst erst an den Prototypen erkannt worden. «Damit können wir einen physikalischen Prototypen nicht hundertprozentig ersetzen», sagt Walter Rentsch, Senior Design Engineer Pilatus Aircraft Ltd. «Aber zumindest gravierende Probleme in der parallelen Entwicklung ebenso wie in nachgelagerten Bereichen wie Fertigung und Wartung lassen sich wesentlich früher, eleganter und wirtschaftlicher ausräumen.» Und genau das zeichnet den digitalen Zwilling aus: Die Anwender können so flexibler und effizienter agieren, Kosten und Zeit sparen und individualisierter produzieren. Und das macht den Werkplatz Schweiz auch in Zukunft attraktiv und wettbewerbsfähig – auf weitere 125 Jahre Innovationskraft!