Saubere Energie vom Dach

Mit einem Solarfaltdach über dem kürzlich sanierten Parkplatz der Kronbergbahn betreibt die SAK ein Leuchtturmprojekt für die Energiezukunft Ostschweiz. Das innovative Dach faltet sich je nach Wetterlage ein oder aus. Möglich machen dies Steuerungskomponenten von Siemens.

Bei sonnigem Wetter strömen die Ausflügler gruppenweise auf den Kronberg in den Appenzeller Alpen. Ob für eine Wanderung, ein feines Essen im Bergrestaurant oder für den winterlichen Schlittelspass – der Berg hat vieles zu bieten. Wenn die Sonne scheint, ist auf dem 4000 m2 grossen Parkplatz der Kronberg-Luftseilbahn in Jakobsbad aber noch ein weiteres Highlight zu beobachten: Ein Solarfaltdach entfaltet sich vollautomatisch in 7 Metern Höhe. Es produziert elektrische Energie und spendet gleichzeitig den geparkten Autos Schatten. Wer mit dem Elektroauto anreist, nutzt die Elektrotankstellen auf dem Parkplatz. 

Infrastrukturflächen doppelt nutzen

Erfunden hat das innovative Dach die junge Bündner Firma dhp technology AG. Die Entwicklung erfolgte u.a. in Zusammenarbeit mit dem Ingenieursunternehmen sf elektro engineering AG, die Produktion erfolgt in der Schweiz. Mit Solarfaltdächern über Abwasserreinigungsanlagen hat dhp bereits viel von sich reden gemacht und wurde 2019 mit dem Watt d’Or vom Bundesamt für Energie und dem Schweizer Solarpreis ausgezeichnet. 

Dieses Faltdach setzt den Grundstein für eine neue Art von infrastrukturintegrierter Photovoltaik: Nicht nur Dächer sollen künftig mit Solarmodulen bestückt werden, sondern auch Infrastrukturflächen – ohne dass deren Gebrauch eingeschränkt wird. Mit dieser Doppelnutzung eröffnet sich ein enormes Potenzial für grosse Photovoltaikanlagen. Geeignet dafür sind grundsätzlich alle Industrieflächen. Parkflächen bieten sich aber besonders an, weil sich Photovoltaik und Elektromobilität ideal ergänzen. «Das Dach bringt die Ladeinfrastruktur gleich mit», sagt Philip Racine, Systemingenieur bei dhp. In Jakobsbad realisierte die SAK mit dem Dach auch zwei Ladestationen à 22 kW für Elektrofahrzeuge. Zusätzliche Stationen können bei Bedarf einfach ergänzt werden. 

«Wir sind sehr stolz auf das Faltdach. Die komplette Steuerung, die Visualisierung des Leitsystems, die Ansteuerung der Antriebe – alles haben wir von Grund auf massgeschneidert entworfen und mitentwickelt.»
Kadir Bahsani, Abteilungsleiter Automation & Drives bei sf elektro-engineering ag

Zuverlässiger Betrieb dank Simatic Steuerung

Bei der Steuerung verlassen sich dhp und sf engineering auf eine Simatic S7-1500 in Kombination mit Simatic WinCC. «Natürlich ist eine hohe Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit für den vollautomatisierten Betrieb Pflicht. Zudem ist die Erkennung von Schneefall, Hagel und Starkwind wichtig», erzählt Bahsani in Bezug auf die Anforderungen an die Steuerung und das Leitsystem. «Das Leitsystem sollte intuitiv bedienbar sein, auch für den Kunden. Steuerndes Eingreifen muss auch remote möglich sein und zudem wollen wir Daten aufzeichnen und auswerten.»