Relais

«Volksstellwerk» Domino 69

Eine 50-jährige Erfolgsgeschichte

Datum: 16.10.2019

 

In Lavin (GR) ging in diesem Herbst erneut ein Stellwerk vom Typ DOMINO 69 in Betrieb – rund 50 Jahre nach der ersten Inbetriebnahme. Mit Guarda, eines der ersten Do 69 überhaupt, grenzen zwei Stellwerke mit 50 Jahren Unterschied aneinander. Auch wenn über die Jahre diverse Optimierungen und zusätzliche Funktionen entwickelt wurden, sind die Grundfunktionen altbewährt und im Herzen unterscheiden sich die beiden Stellwerke nicht.

 

Im März 1969 am schwarzen Brett angekündigt, erfolgte bereits ein Jahr später die Auslieferung der Montageunterlagen für die ersten zwei Stationen in Zuoz und S-Chanf. Weitere zwei Monate später konnten auch die Montageunterlagen der Stationen Madulain, Guarda und Ardez übergeben werden. Die ersten DOMINO Stellwerkanlagen des «neuen» Typs Do 69 gingen wie angekündigt am 16. Juni 1970 in Betrieb.

 

Bis das «Volksstellwerk» auch bei den SBB zum Einsatz kam, sollte es noch einige Jahre dauern. Die erste Anlage DOMINO 69 bei den SBB wurde im Jahre 1977 mit der Station Beinwil in Betrieb genommen. 

 

Zur Technik

 

Das neue System DOMINO 69, das aus dem bewährten DOMINO 55 entstand, galt als Normbauart für alle Anlagen ohne Zwergsignal. Aufgebaut auf Basis des Sicherheitsrelais TM, übernahm man für die Grundschaltung das Prinzip des DOMINO 55. Bezüglich Innenschaltung und Konstruktion sind die Baugruppen der beiden Systeme jedoch unterschiedlich ausgelegt. Beim Do 69 kommen Relaissätze in doppelt steckbaren 19 TMN-Relaisschienen zur Anwendung und es sind nur noch zwei Funktionseinheiten vorhanden. Diese Anordnung bedingt eine grössere Anzahl an Relais, die in freier Verdrahtung eingesetzt werden müssen. Vorteile sind eine bessere Ausnutzung der Relaisfunktionen im Verhältnis zur Anzahl im Gleisfeld betriebene Komponenten. Die Verdrahtung aller Baugruppen und Relaisschienen geschieht ausschliesslich mit Einzeldrähten.

 

Das auf dem Verschlussplan basierende Do 69-Stellwerk kann flexibel konfiguriert werden, wodurch sich sehr viele Kundenwünsche erfüllen lassen. INTEGRA verstand es bereits früh, Lösungen «customized» zu projektieren.

 

Dieser innovative Ansatz zeigt sich auch in den verschiedenen Spezialausführungen, welche teilweise speziell nur für die Anforderung eines Kunden entwickelt wurden. Für die RhB entwickelte man zum Beispiel einen speziellen Relaissatz, der für die Signalisierung auf der Linie Chur–Arosa ausgelegt ist. Ein weiterer fortschrittlicher Ansatz wurde bei der BLS umgesetzt. Dabei erweiterten die Entwickler die Technologie des Do 69 mit zusätzlichen Funktionseinheiten soweit, dass auch die Sicherung von Rangierfahrstrassen möglich ist. Diese Bauform des DOMINO 69 mit Zwergsignalen hat sich allerdings nie wirklich durchsetzen können.

 

Mit der Modernisierung der Linie Kreuzlingen–Schaffhausen fand man für die damalige Mittelthurgaubahn, mit dem DOMINO C – einem DOMINO 69 in Wrap Technik – eine kostengünstige Lösung. Leider stellte sich bei Umbauten die Verdrahtung mit Wrap Technik als nachteilig heraus.

 

Erwähnenswert ist, dass diese Anlagen im Werk gefertigt und geprüft werden können und sich dadurch «fertige» Anlagen ausliefern lassen. Der Hauptvorteil dieses Vorgehens ist – wie aktuell auch im Projekt bei der Inbetriebnahme in Lavin (GR)  – dass die Projektdurchlaufzeit vor Ort erheblich verkürzt wird, weil die Stellwerkfertigung von weiteren Abhängigkeiten entkoppelt ist.

 

Herausforderungen für die Zukunft

 

Aktuell sind noch rund 220 Stellwerke vom Typ Do 69 in Betrieb. Es ist absehbar, dass ein Teil der Stellwerke dieses Typs in näherer Zeit durch neuere Generationen abgelöst werden. Dennoch fordert die RStw-Technologie Bahnen wie Industrie in den nächsten Jahren gleichermassen. Auch ohne aktuelle Anpassungen muss das Know-how zur Störungssuche und für den Unterhalt gesichert werden.