"Additive Manufacturing" 

Fertigung von Bahn-Komponenten per 3D-Drucker

Datum: 08.04.2019

 

Vom Drucker auf die Schiene? Was lange unvorstellbar war, wird bei der Schweizer Bundesbahn (SBB AG) ab 2019 Realität. Siemens Mobility ist stolz verkünden zu dürfen, die SBB als einen von 4 Rahmenvertragspartnern im Bereich «Additive Manufacturing» (AM) aktiv zu begleiten. Konkret wird Siemens die SBB ab sofort sowohl bei Kunststoffteilen als auch bei der Additiven Fertigung von Metallteilen >200mm unterstützen.

 

Additive Manufacturing (AM), oft auch als 3D-Druck bezeichnet, definiert die Fertigungsmöglichkeiten völlig neu und eröffnet Konstruktionsfreiheiten, die bisher undenkbar waren. Bauteile entstehen im Gegensatz zu bisherigen Fertigungsverfahren nicht mehr abtragend, sondern werden Schicht für Schicht aufgebaut, ohne dass hierfür spezielle Formen oder Werkzeuge benötigt werden. Neben der Fertigung selbst unterstützt Siemens dabei auch mit kundenspezifischen Workshops, um Bauteile zu identifizieren, bei denen die neue Technologie wirtschaftlichen Nutzen bringt.

 

Weil Design und Produktion unmittelbar miteinander verbunden sind, können Konstruktionsdaten direkt an den Drucker gesendet werden und unverzüglich in Produktion gehen. Teure Lager, die Ersatzteile vorhalten und viel Kapital binden, werden durch die Möglichkeit, Fertigungsaufträge on-demand zu produzieren massiv entlastet. Darüber hinaus eröffnen sich für den Kunden Perspektiven, obsolete Teile in Losgrösse 1 wirtschaftlich zu produzieren. Auch ist es möglich Bauteile, ohne existierende technische Zeichnung per 3D-Scan zu digitalisieren und originalgetreu nach zu produzieren. Die Zertifizierung durch externe Prüfinstitute belegt, dass Kunden bei Additive Manufacturing wie gewohnt auf höchste Siemens Prozess- und Qualitätsstandards vertrauen können.

 

Die Bedeutung der Fertigungstechnologie wird von Michael Kuczmik, Leiter der additiven Fertigung bei Siemens Mobility, untermauert: «Wir werden in den kommenden Jahren an unseren Standorten weltweit ein ganzes Netz an digitalen Druckern aufbauen und mit unserer Zentrale in Erlangen (Deutschland)  verbinden, wo wir ein eigenes Kompetenzzentrum für 3D-Druck betreiben».

 

Obwohl Siemens bereits 1989 den ersten industriellen 3D-Drucker anschaffte, dauerte es noch einige Zeit, bis die Fertigungstechnologie reif für den Bahnverkehr war. Vor gut fünf Jahren startete Mobility hierzu eine Machbarkeitsstudie. Seitdem werden in Erlangen Teile aus Kunststoff und Metall konstruiert und gefertigt. Dabei mussten die Erlanger zunächst eine Hürde nehmen: Für additiv gefertigte Bahn-Komponenten gab es bis dahin noch keine Normen. «Wir haben daher zunächst intensive Studien durchgeführt», sagt Kuczmik, «und den Prozess über ein ganzes Jahr intensiv qualifiziert, um sicherzugehen, dass die Fertigung stabil läuft und eine gleichbleibende Qualität liefert.» Damit konnte der TÜV Süd überzeugt werden: Er hat Siemens Mobility als einem von nur zwei Herstellern in Deutschland eine Zertifizierung als «industriellem Lieferanten für die additive Fertigung» erteilt. Kuczmik: «Man darf nicht vergessen, dass mit 3D-Druckern oftmals nur Prototypen gefertigt werden. Bei uns aber geht es um einsatzbereite, teils sicherheitskritische Bauteile für den rauen Alltagseinsatz.»

 

Siemens Mobility freut sich auf eine enge Zusammenarbeit mit der SBB und auf viele weitere Projekte!