Innovationsdruck dank Totalrevision 

Statt nur auf den Preis schaut die öffentliche Hand im Beschaffungswesen künftig auch auf Nachhaltigkeit. Das fördert nicht nur eine ökologische Bauweise, sondern auch innovative Anbieter – gerade in der Elektrobranche. 

Gleich zwei Erlasse zum öffentlichen Beschaffungswesen werden am 21. Januar 2021 in Kraft treten: Eine neue Verordnung des Bundesrats sowie ein revidiertes Bundesgesetz, welches das Parlament verabschiedet hat. Ein wegweisender Entscheid, sagt Sebastian Gerber, Head of Low Voltage bei Siemens Schweiz. „In der Elektrobranche werden Anbieter mit Knowhow in nachhaltigen Installationen im Vorteil sein.“ Musste die öffentliche Hand bei Ausschreibungen bisher dem günstigsten Angebot den Vorzug geben, darf sie künftig auch Faktoren wie CO2-Bilanz, Lebenszykluskosten und Wiederverwertbarkeit einbeziehen. 

Metall anstatt Giessharz

Ein typisches Beispiel in der Elektrobranche sind Stromschienen für die Energieverteilung. Grundsätzlich existieren zwei Bauarten: Metallgekapselte Schienen und solche aus Giessharz. „Preislich sind sie vergleichbar“, weiss Sebastian Gerber, „ökologisch aber nicht.“ Bei Giessharzschienen wird das Leitmaterial vollumfänglich in das Giessharz eingegossen, welches Schadstoffe enthalten kann. „Das Material ist so dicht, dass die Schiene unter Wasser verlegt werden könnte“, sagt Gerber, „meist reicht der Strahlwasserschutz von metallgekapselten Systemen aber auch für anforderungsreiche Gebäude aus.“ Weitere Vorteile zeigen sich bei Anpassungen oder im Rückbau: „Das Giessharz muss mit Trennwerkzeug abgetrennt werden, um an das Kupfer oder Alu der Leiter zu kommen“, sagt Gerber. Metallgekapselte Schienen hingegen sind zügig abmontiert und anders als Giessharz einfach recyclebar. 

Abhebung von Mitbewerbern

Nebst nachhaltigem Material kann die öffentliche Bauherrschaft künftig auch die Energieeffizienzkategorie gemäss Niederspannungs-Installationsnorm NIN 2020 wählen. „Installateure und Planer mit entsprechender Erfahrung heben sich damit von Mitbewerbern ab“, ist Gerber überzeugt. Nicht zuletzt ist mit der Totalrevision im Beschaffungswesen neu auch die Förderung von Innovation festgeschrieben. „Auftraggeber können künftig Building Information Modeling (BIM) verlangen“, weiss Gerber. Dieses Baumanagement, das relevante Informationen in einem virtuellen Gebäudezwilling speichert, habe einen Erdbebeneffekt. „Wird BIM gewünscht, muss sich vom Generalplaner bis zum Monteur jeder Bewerber mit dieser Technologie auseinandersetzen“, sagt Gerber. 

26.11.2020