Rechenzentrum im Untergrund

Nach drei Jahren Bauzeit hat «ewl energie wasser luzern» eines der nachhaltigsten Rechenzentren der Schweiz in Betrieb genommen. Niederspannungssysteme von Siemens gewährleisten die anspruchsvolle Energieversorgung im unterirdischen Stollensystem.

Viele Jahre stand die Zivilschutzanlage im Luzerner Tribschenquartier leer. Jetzt sind dort – unter dem bewaldeten Wartegghügel direkt neben dem Bootshafen – grosse Server-Anlagen installiert. Daten sind das «Gold» des Internetzeitalters. Die wertvollen und vertraulichen Informationen müssen entsprechend sicher gespeichert werden. Dazu bietet der Wartegghügel beste Voraussetzungen.

 

ewl hat mit dem «Rechenzentrum Stollen Luzern» eine Anlage realisiert, die bezüglich Sicherheit und Nachhaltigkeit Massstäbe setzt. Bei der Energieversorgung wurde kein Aufwand gescheut, um eine sehr hohe Verfügbarkeit zu gewährleisten. Der Strom wird von zwei unterschiedlichen Unterwerken angeliefert und die Verteilung in der Anlage erfolgt über ein redundantes A- und B-Netz.

 

Siemens war für die Lieferung der Niederspannungssysteme verantwortlich. Installiert wurden 37 Felder Niederspannungsschaltanlagen Sivacon mit Hauptsammelschienen bis 5000 Ampère und Sivacon-S8-Stromschienen mit Stromstärken bis 5000 Ampère. Die aufeinander abgestimmten Anlagen erhöhen die Betriebssicherheit, weil hier ein durchgängig bauartgeprüftes System zum Einsatz kommt.

 

Bei der Planung setzte Siemens auf BIM (Building Information Modeling), das auch für die Planung des weitverzweigten Schienenverteilsystems wertvolle Dienste leistete. In den fünf Hauptstollen, die je rund 50 m lang sind, und in den zahlreichen Nebenstollen wurden rund 1800 m Stromschienen verbaut. Beeindruckend ist ihr Gewicht: Eine zehn Meter lange, doppelt geführte Kupferstromschiene wiegt rund 1400 kg. Die im Stollen verbauten Stromschienen haben ein Gewicht von rund 250 Tonnen.

 

Der Betrieb des Rechenzentrums erfolgt nahezu CO2-neutral – auch dank der Seewasserkühlung, die die Temperatur konstant bei 12 Grad hält. Die in den 600 Server-Racks generierte Wärme wird aufgefangen, in das städtische Fernwärmenetz zurückgespeist und zum Beheizen von Gebäuden in der Umgebung weitergenutzt.

 

Eine grosse USV-Anlage sowie ein Notstromaggregat dienen als zusätzliche Sicherheit. Bei Bedarf kann sogar die nationale Netzgesellschaft Swissgrid auf das Aggregat zugreifen, um Spannungsdifferenzen auszugleichen. Ein- bis zweimal pro Monat wird die Notstromanlage und das dazugehörige Siemens-Niederspannungssystem getestet. Bei einem Komplettausfall der externen Stromversorgung kann das Rechenzentrum bis zu 72 Stunden autark betrieben werden.

25.07.2022