Wagemutige Unternehmer

1847-1893

Seit 1894 in der Schweiz präsent

Wir freuen uns, in diesem Jahr unser 125. Firmenjubiläum in der Schweiz feiern zu können. Seit 1894 ist Siemens hier zuhause und hat in dieser Zeit unzählige Projekte umgesetzt. Einige unserer Kunden haben sich zu bekannten Schweizer Ikonen entwickelt. Sie sind Sinnbild für den Erfolg unseres Landes und stehen für Erfindergeist und Innovationskraft. Einige dieser Schweizer Ikonen und die wichtigsten Siemens-Projekte haben wir auf unserer Jubiläums-Webseite zusammengestellt.

 

Feldschlösschen | Kraftwerk Wynau | Rhätische Bahn | Pilatus Aircraft | EPFL | Gotthard-Basistunnel | Siemens Campus Zug
 

#SchweizerIkonen

Feldschlösschen

Die mehr als 140-jährige Erfolgsgeschichte von Feldschlösschen geht zurück auf den 8. Februar 1876 und den ersten Biersud. Die Schweizer Traditionsbrauerei setzt seit damals auf das gleiche Brauverfahren und seit den 1970er Jahren auf Siemens. Grundlegende Prozesse beim Bierbrauen wie die Überwachung und Temperaturregelung basieren auf Siemens-Technik. Wo Temperaturen von bis zu 105 Grad Celsius im Spiel sind, wird zudem der Brandschutz zum wichtigen Bestandteil der Brauausrüstung. Unsere Brandschutzsysteme schützen das traditionsreiche Gebäude in Rheinfelden und machen die Brauerei mit ihren 40 Biersorten zu einem perfekten Ort, um die Feldschlösschen-Braukunst auch zukünftig zu bewahren.

1847: Eine Zigarrenkiste wird umfunktioniert

In einem unscheinbaren Berliner Hinterhaus begann am 12. Oktober 1847 die Serienfertigung eines kleinen, etwa zehn Kilogramm schweren Geräts. Die Rede ist vom Zeigertelegrafen, dem Vorläufer des Fernschreibers und Telefaxgeräts. Obschon die ursprüngliche Idee vom britischen Physiker Charles Wheatstone stammte, war es Werner Siemens, der mit seiner Weiterentwicklung Mitte der 1840er Jahre eine neue Ära der elektrischen Telegrafie einläutete. Für den Prototyp verwendete der in der Nähe von Hannover geborene Pionier eine Zigarrenkiste, Weissblech, einige Eisenstückchen und etwas isolierter Kupferdraht. Mit Johann Georg Halske, einem Präzisionsmechaniker mit ausgeprägtem Ehrgeiz für technische Entwicklungen, lernte Werner Siemens am Silvesterabend 1846 den idealen Geschäftspartner kennen. Die zunächst noch informelle Zusammenarbeit führte am 1. Oktober 1847 zur offiziellen Gründung der «Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske». Das nötige Startkapital von 6842 Talern für die rund 150 Quadratmeter grosse Produktionsstätte in Berlin mitsamt Werkzeug stammte von Werners Cousin, dem Justizrat Johann Georg Siemens. Zehn Mitarbeitende fertigten fortan die ersten Zeigertelegrafen. 

1848: Auftrag für die erste Ferntelegrafenverbindung Europas

1848 erhielt die noch junge Firma den Auftrag, die erste Ferntelegrafenverbindung Europas zu bauen. Die rund 670 Kilometer lange, weitgehend unterirdisch verlaufende Linie zwischen Berlin und Frankfurt am Main ging im Februar 1849 in Betrieb. Die Nachricht über die Wahl des preussischen Königs Friedrich Wilhelm IV zum deutschen Kaiser erreichte Berlin am 28. März 1849 in nur wenigen Minuten und machte das Unternehmen auf einen Schlag weit über die Grenzen hinaus bekannt.

1851: Kundenkontakte in der Schweiz

Die erste Telegraphenlinie in der Schweiz nahm am 15. Juli 1852 zwischen St. Gallen und Zürich den Betrieb auf. Fünf Monate später, bei der offiziellen Eröffnung des schweizweiten Liniennetzes, war dieses schon fast 2000 km lang und umfasste 27 Telegraphenbüros in allen grösseren Städten.

 

Anfänglich schien die Schweiz beim Aufbau des Telegraphennetzes keine grossen Ambitionen zu hegen. Die neue Technik war zwar bekannt, ihr wurde aber – anders als in vielen europäischen Ländern – keine grosse Beachtung geschenkt. Dies änderte sich schlagartig als Siemens in Rekordzeit die erste Telegrafenlinie zwischen Berlin und Frankfurt fertiggestellt hatte und diese am 31. August 1849 sogar für den Privatverkehr freigegeben wurde. Der in Deutschland lebende Bieler Ernst Schüler wies die Berner Regierung in einem Brief auf das Projekt hin, worauf sich diese an den Bundesrat wandte. Gleichzeitig drängten viele Schweizer Firmen auf eine rasche Einführung von Telegraphenlinien zwischen den grössten Städten.

 

Siemens kam bei diesen Schweizer Projekten nicht zum Zug, obwohl man sich in der Familie über die Geschäftsmöglichkeiten durchaus bewusst war. So schrieb Werner am 26. Dezember 1851 in einem Brief an seinen Bruder Carl in Paris: «Wenn Du dort nichts zu thun hast und hier herkommen willst, so mache den Umweg über die Schweiz (Bern). Die Leute wollen da grosse Tel. Anlagen machen und Du müsstest Dich mit den Leitern in persönliche Verbindung setzen.» Wie sich diese ersten Kontaktversuche mit Schweizer Kunden entwickelten, ist leider nicht überliefert. Dass Siemens nicht zu nennenswerten Aufträgen kam, hatte wohl auch damit zu tun, dass Carl zu dieser Zeit mit dem harzig laufenden Geschäftsaufbau in Frankreich beschäftigt war. Und Firmengründer Werner steckte zu dieser Zeit seine ganze Kraft in den Aufbau des Russlandgeschäfts. Zudem verfügte das Unternehmen auch nicht über allzu viele Ressourcen: Siemens & Halske beschäftigte vier Jahre nach der Gründung erst 50 Mitarbeitende.

 

1852

Die richtige Wahl

Mit 36 Jahren und für die damalige Zeit recht spät, entscheidet sich Werner Siemens zur Heirat. «Am 11. Januar 1852 richtete ich die so lange verhaltene Frage an Mathilde Drumann, deren Bejahung mich dann zum glücklichen Bräutigam machte», wie er in seinen Lebenserinnerungen schreibt. Die Hochzeit mit der acht Jahre jüngeren Braut feierte Werner am 1. Oktober 1852 in Königsberg. Mathilde war die Tochter einer Cousine von Werner. Verwandtschaftsehen waren zu dieser Zeit nichts Ungewöhnliches und für Werner war sie die richtige Wahl, wie er seinem Bruder Wilhelm schreibt: «Eine besondere Schönheit ist meine Braut nicht, doch das ist eine Frage zweiten Ranges. Ich bin überzeugt, dass ich zufrieden und glücklich mit ihr leben werde, das ist genug.» Kennengelernt hatten sich die beiden bereits sieben Jahre vorher, als Mathilde während den Sommerferien einige Tage bei der Familie Siemens in Berlin verbrachte. Zu einer Liebschaft kam es damals aber nicht. Erst 1851 begann Werner an die Gründung einer eigenen Familie zu denken und suchte den Kontakt zu Mathilde. 

 

Da Werner oft unterwegs war, schmiedeten die beiden mehrfach Ferienpläne. Angeregt von einem Reisetagebuch schwärmte seine Frau von der Schweiz und schreibt am 27. Februar 1855: «Ach, was könnte ich mir Schöneres denken, als an Deiner Seite einmal jener wundervollen Natur einen kurzen glücklichen Traum zu träumen. Wollen wir es einmal machen wie Wittichs, mit Sack und Pack uns aufmachen u. himmlische Ferien in Interlaken feiern, am Berner oder am Genfer See?» Leider war die körperliche Konstitution von Mathilde sehr instabil und lange Reisen kaum möglich. Werner dagegen weilte auf seinen vielen Geschäftsreisen ab und zu in der Schweiz. Sein erster belegbarer Aufenthalt in der Schweiz war im September 1855, als der damals 39-jährige Firmengründer während einer achttägigen Reise unter anderem Genf besuchte und seiner Frau schrieb: «Ich selbst bin körperlich und geistig ganz frisch und gesund, […] doch fange ich schon an, mich aus dem Getümmel weg zu sehnen und in der schönen Schweizer Natur wieder zur Ruhe zu kommen […].

1865: Neue Technik fürs Schweizer Militär

Auf der Thuner Allmend bezieht die Schweizer Armee 1864 Ihre neue Mannschaftskaserne. Der Bau war dringend nötig, waren doch die Soldaten der 1818 gegründeten Eidgenössischen Zentral-Militärschule an mehreren Standorten in Thun verteilt. Mit dem Neubau investierte die Armee auch in neue Kommunikationsmittel. So wurden einige Zeigertelegraphen von Siemens & Halske angeschafft. Zwei dieser Geräte stehen heute, zwischen wertvollen alten Gewehren und Munition aus dem 18. und 19. Jahrhundert, in der historischen Ausstellung der Ruag Ammotec in Thun. Die Zeigertelegraphen kamen um 1865 zum Einsatz und sind vermutlich die allerersten Produkte, die Siemens & Halske in die Schweiz geliefert hat «Das eine Gerät ist in tadellosem Zustand», meint der Ausstellungsverantwortliche Fritz Egger. Der andere «Buchstabentelegraph», wie Egger das Gerät nennt, sieht ziemlich mitgenommen aus und steht in den Archivräumen. «Auch diese sind gut geschützt, wir haben für das ganze Gebäude vor rund zehn Jahren eine Siemens-Alarmanlage installiert.»

 

Die Zeigertelegraphen wurden vor über 150 Jahren unter anderem bei Artillerieschiessübungen auf dem Thuner Waffenplatz eingesetzt, wie eine alte Handskizze in der Ausstellung zeigt. Den Kanonieren wurde von den im Zielgebiet stationierten Soldaten mittels Zeigertelegraph mitgeteilt, ob ihr Geschoss am richtigen Ort eingeschlagen hatte, oder ob die Ausrichtung der Kanone geändert werden musste. 1865 stattete übrigens Napoleon III dem Städtchen Thun einen Besuch ab und besichtigte unter anderem auch die neue Kaserne. Es ist anzunehmen, dass ihm die neu angeschafften Kommunikationsmittel ebenfalls vorgeführt wurden.

 

Obwohl Zeigertelegraphensysteme schon vor 1840 bekannt waren, wurden diese in der Schweiz erst viel später und nur für einzelne private und militärische Anschlüsse verwendet. Die erste Schweizer Bewilligung für den Betrieb eines Zeigertelegraphen bekam die Firma J.J. Rieter in Töss am 21. Dezember 1863, zwei Jahre später beschaffte die Stadtpolizei Zürich einige Geräte. Welcher Hersteller zum Zug kam, lässt sich «anhand der vorhandenen Akten nicht feststellen», wie es in der 1952 erschienen Jubiläumsschrift «Hundert Jahre elektrisches Nachrichtenwesen» heisst. In derselben Publikation ist festgehalten, dass sich im Verkehrshaus, welches damals noch in Zürich angesiedelt war, drei Zeigerapparate System Siemens & Halske befinden, «die mit ziemlicher Sicherheit bei der Militärverwaltung in Thun in Betrieb standen.»

1869: Hartnäckige Schwester

Vier Jahre nach dem Tod seiner ersten Frau heiratet Werner am 13. Juli 1869 die 28-jährige Antonie Siemens. Dass es dazu kommt, ist auch Werners Schwester Mathilde zu verdanken, die den Wittwer mit Verkupplungsversuchen «auf die Nerven geht», wie er seinem Bruder William schreibt: «Mich quält sie trotz meiner entschiedenen Bitte, mich in Ruhe zu lassen, doch wieder lustig mit Heiratsprojekten». Die Schwester will den Bruder wieder glücklich sehen. Er will hauptsächlich seinen Kindern ein guter Vater sein und sträubt sich jahrelang gegen Heiratspläne. Doch bei Antonie ist alles anders und der 53-jährige Werner verliebt sich Hals über Kopf in die junge Schwäbin. Im Mai 1869 schreibt er ihr unter anderem folgende Zeilen: «Du […] hast aus mir altem vertrocknetem, von schwerer Arbeit und langjährigen Sorgen und Leiden niedergedrücktem Manne mit einem Schlage einen feurigen, jugendlich fühlenden Liebhaber gemacht. […] und ich gestehe gern, dass ich mich der jugendlichen Gefühle beinahe schäme, derer ich mich nicht erwehren kann […]. Ein Jahr nach der Hochzeit kommt Tochter Hertha (1870 – 1939) zur Welt und zwei Jahre später Sohn Carl Friedrich (1872 – 1941). Unter dem Einfluss seiner jungen Frau blüht Werner förmlich auf, wie ein Brief beweist, den er ihr im Oktober 1870 aus Luzern schreibt. «Mein Herzensfrauchen! […] Du mein Abendstern, der den Rest meines Lebens aus einer dunklen Öde in frisches, lebendiges Leben umgewandelt hat!»

 

Im gleichen «Luzerner» Brief stellt er in Aussicht, die Schweiz im Sommer gemeinsam mit ihr zu besuchen und hofft gleichzeitig auf besseres Wetter als beim aktuellen Ausflug auf die Furka. «[…] Da oben aber wars fürchterlich! Der Schnee lag so dick auf dem Wege, dass die Pferde nicht fortkommen konnten. Zu Fuss, bis über die Knie im tiefen, frischen Schnee watend, mussten wir den Berg hinanklimmen.» Auf dieser Reise durch die Schweiz waren auch der 15-jährige Wilhelm und der 17-jährige Arnold, seine beiden Söhne aus erster Ehe mit von der Partie. Die Siemens-Familie musste wenige Tage später auch auf einen geplanten Ausflug auf die Rigi verzichten, weil der Berg schneebedeckt war. «So blieben wir bei Schwytz und machten hübsche Ascensionen in der Umgegend» wie Werner schreibt.

1870

In 28 Minuten um die halbe Welt

Nach nur zwei Jahren Bauzeit konnte am 12. April 1870 auf der Indo-Europäischen Telegraphenlinie die erste Depesche verschickt werden. Sie brauchte gerade einmal 1 Minute bis Teheran und 28 Minuten bis Kalkutta – eine Sensation, denn vorher benötigte eine Nachricht von London nach Kalkutta ganze sechs Tage! Die Realisierung der Telegraphenlinie war eine wahre Mammutaufgabe: In teils unwegsamen Gelände wurden etwa 70 000 Masten aufgestellt und tonnenschweres Baumaterial an seinen jeweiligen Bestimmungsort transportiert. Das Grossprojekt erweist sich als regelrechtes Abenteuer: Auseinandersetzungen, Materialdiebstähle oder bewaffnete Raubüberfälle gehören dazu.

 

Am 25. September 1871 reiste Werner von Siemens an die Internationale Telegraphische Konferenz in Bern, um unvorteilhafte Tarifanpassungen zu verhindern. Kurz davor schrieb Werner von Siemens im Brief an seinen Bruder Carl: «Das Schicksal der Ind. Linie wird unweigerlich in Bern entschieden.» Siemens logierte mehrere Tage im Bernerhof, einem feudalen Grand Hotel direkt neben dem Bundeshaus. In einem Brief an seine Frau Antonie berichtet er über die schwierigen Verhandlungen. «Leider ist Französisch die Konferenzsprache, und damit steht es schlecht mit uns allen! Ein Königreich für eine französische Zunge (…). Ich hätte damit hier zehnfachen Wert und wäre ziemlich siegesgewiss». Allen Sprachhürden zum Trotz hatte Siemens in Bern Erfolg und die Indo-Europäische Linie blieb bis 1931 in Betrieb. Nicht technische Mängel bringen letztendlich das Aus, sondern der Aufschwung der drahtlosen Funkverbindungen nach dem Ersten Weltkrieg. Dennoch ist die Indolinie ein grosser Schritt hin zur Verkabelung der Welt und ein bedeutender Meilenstein für Siemens bei seinem Aufstieg zum global agierenden Unternehmen.

1871: Werner Siemens und die Rigi

Im Oktober 1870 bereiste Werner Siemens die Zentralschweiz. Auf dieser Reise waren auch der 15-jährige Wilhelm und der 17-jährige Arnold, seine beiden Söhne aus erster Ehe mit von der Partie. Die Siemens-Familie musste auf einen geplanten Ausflug auf die Rigi verzichten, weil der Berg schneebedeckt war. «So blieben wir bei Schwytz und machten hübsche Ascensionen in der Umgegend» wie Werner aus Luzern an seine Frau Antonie schreibt.

 

Es ist anzunehmen, dass der technikbegeisterte Unternehmer bei seinem damaligen Besuch am Vierwaldstättersee auch Kenntnis hatte vom Zahnradbahn-Projekt auf die Rigi. Die aufwändigen Bauarbeiten für die erste europäische Bergbahn von Vitznau über Kaltbad auf die Staffelhöhe waren seit über einem Jahr im Gang und die erste Probefahrt mit der Rigi-Dampflok hatten auch schon stattgefunden. Eröffnet wurde das Pionierwerk ein Jahr später am 21. Mai 1871. Ob Werner von Siemens später einmal auf der Rigi war, ist nicht überliefert. Sicherlich nutzten seine Söhne Arnold und Wilhelm die Rigi-Dampfbahn im September 1875 während einer mehrtägigen Schweizer Reise, während der sie u.a. auch die brandneue Uetlibergbahn benutzten sowie den Pilatus bestiegen. Arnold schrieb seinem Vater, der ihnen dieses Erlebnis ermöglicht hatte: «Gleichzeitig auch unsern besten Dank für den Reisezuschuss, ohne den es wohl in der über alle Beschreibung unverschämt teuren Schweiz nicht gut möglich gewesen wäre, sehr weit zu kommen.»

1877

Das Telefon kommt in die Schweiz

Mitte November 1877 erreichte eine Aufsehen erregende Nachricht die Schweiz: Deutschland hat die erste telefonische Einrichtung erfolgreich in Betrieb gesetzt. Schlagartig war das Interesse der Schweizer Öffentlichkeit geweckt. Sofort bittet die Schweizerische Telegraphendirektion beim Deutsche General-Telegraphen-Amt um detaillierte Informationen. Die Antwort liess nicht lange auf sich warten. Der Bundesrat erhielt mit einem vom 21. November 1877 datierten Schreiben von Dr. Arnold Roth, dem bevollmächtigten Minister beim Deutschen Reich und dem Königsreich Bayern, einen genauen Bericht über die unglaublichen Versuche mit der neuen Erfindung «Telefon».

 

Kurz darauf bestellte die Schweizer Behörde einen Sender und Geber für 10,25 Reichsmark bei Siemens & Halske in Berlin. Schon am 13. Dezember 1877 wurden auf einer Telegraphenleitung zwischen Bern und Thun die ersten Telefongespräche ausprobiert. Die Resultate waren so erfolgsversprechend, dass am 17. Dezember mit Thun und Interlaken weitere Versuche folgten. Das Interesse war derart gross, dass die Telegraphendirektion vorsorgliche Massnahmen veranlasste, um die Telefoneinrichtungen unter das Monopol der Eidgenossenschaft zu stellen.

Weltpremiere

Der erste elektrische Aufzug

1882: Ein Meisterwerk der Ingenieurskunst

Eng verbunden mit der ersten elektrischen Eisenbahn ist auch der Gotthardtunnel. 1880 erwähnte Werner in einem Brief an seinen Bruder William: «Aus der Schweiz haben wir Anfrage ob wir den electrischen Betrieb des Gotthard Tunnels einrichten wollten.» Das Vorhaben wurde zwar nicht verwirklicht, doch im Briefwechsel zwischen der Bahngesellschaft und Siemens & Halske beeindruckt das von technischen und wirtschaftlichen Überlegungen geprägte Vorgehen des damaligen Oberingenieurs Gustave Bridel von der Gotthardbahn.

 

Der Gotthardtunnel wurde 1882 in Betrieb genommen, aber erst vier Jahrzehnte später mit elektrischen Lokomotiven befahren. Ein von Siemens & Halske entwickeltes Glockentelegraf-System für die Übermittlung von Anfahrts- und anderen Meldungen, das sich bereits bei der Deutschen Reichsbahn bewährt hatte, beeindruckte jedoch offensichtlich auch die Direktion der Gotthardbahn. Bis Ende 1883 wurden auf der 156 Kilometer langen Strecke insgesamt 150 Glockenanlagen installiert. Das Spezielle an der Anlage war, dass von jedem Punkt aus Signale gegeben und sofort auf der ganzen betroffenen Strecke empfangen werden konnten. Dieses Glockensignal war eines der ersten Bahnsicherungssysteme in der Schweiz.

1888

Ein Tram unter Strom

Das dicht besiedelte Gebiet am oberen Genfersee zwischen Vevey und Villeneuve mit den unzähligen Hotels und schönen Quais hatte alles, nur noch keine Strassenbahn. Doch das sollte sich bald ändern. Bereits acht Jahre vor der Eröffnung gab es erste Pläne zur Erschliessung dieser Strecke. Schliesslich entschied man sich für eine Strassenbahn mit Elektromotoren. Die Fahrleitung war zweipolig und bestand aus einem aufgehängten, unten geschlitzten Kupferrohr, in dem ein Kontaktschlitten über eine Leine mit Stromkabel vom Tramwagen mitgezogen wurde. Die ersten Motorwagen hatten sogar ein begehbares Dach mit Bänken. Die Fahrleitung stammte von Siemens aus Berlin, wobei das gesamte Projekt ein Gemeinschaftswerk von SIG Neuhausen, Miauton Vevey und Siemens war. Das erste Teilstück der Tramlinie Vevey-Montreux-Chillon (VMC) wurde am 1. Mai 1888 eröffnet. Es war 8951 Meter lang und führte von Vevey-Plan über La Tour-de-Peilz, Clarens und Montreux bis zum Bahnübergang in Territet. Der reguläre Betrieb wurde am 4. Juni aufgenommen. VMC war somit die allererste elektrische Bahn der Schweiz. 

1890/1892: Zum Tod von Werner von Siemens und Georg Halske

Erst im Alter von 74 Jahren schied Werner von Siemens als Gesellschafter aus seiner Firma aus. In den letzten drei Lebensjahren war er mit seiner Frau Antonie, seinem Sohn Carl Friedrich und der jüngsten Tochter Hertha oft unterwegs. In dieser Zeit beschäftigte sich Werner von Siemens intensiv mit dem Verfassen seiner Erinnerungen. In seiner Autobiografie stellte er seine Prinzipien und Botschaften zwischen farbigen Schilderungen von Kabelexpeditionen und Kaukasusreisen dar. Seine Ausführungen enden mit der Feststellung: 

 

«Denn mein Leben war schön, weil es wesentlich erfolgreiche Mühe und nützliche Arbeit war, und wenn ich schliesslich der Trauer darüber Ausdruck gebe, dass es seinem Ende entgegengeht, so bewegt mich dazu der Schmerz, dass ich von meinen Lieben scheiden muss und dass es mir nicht vergönnt ist, an der vollen Entwicklung des naturwissenschaftlichen Zeitalters erfolgreich weiter zu arbeiten.»

 

Eine lange Krankheit blieb Werner von Siemens erspart. Nachdem die ersten Exemplare seines Werks am 29. November 1892 ausgeliefert wurden, liessen seine Kräfte schnell nach. Er erkrankte, eine Lungenentzündung kam hinzu. Am 6. Dezember 1892, wenige Tage vor seinem 76. Geburtstag, starb Werner von Siemens friedlich in seinem Haus in Charlottenburg im Kreis der Familie.

 

Die letzten Lebensjahre von Johann Georg Halske verliefen ruhig; nach und nach zog er sich von seinen ehrenamtlichen Aktivitäten zurück oder reduzierte diese auf ein Mindestmass. Sein angeschlagener Gesundheitszustand schränkte seine Bewegungsfreiheit stark ein, zudem hatten ihm mehrere Schlaganfälle schwer zugesetzt. Johann Georg Halske starb am 18. März 1890 im Alter von 76 Jahren.