Es werde Licht

1894-1906

Seit 1894 in der Schweiz präsent

Wir freuen uns, in diesem Jahr unser 125. Firmenjubiläum in der Schweiz feiern zu können. Seit 1894 ist Siemens hier zuhause und hat in dieser Zeit unzählige Projekte umgesetzt. Einige unserer Kunden haben sich zu bekannten Schweizer Ikonen entwickelt. Sie sind Sinnbild für den Erfolg unseres Landes und stehen für Erfindergeist und Innovationskraft. Einige dieser Schweizer Ikonen und die wichtigsten Siemens-Projekte haben wir auf unserer Jubiläums-Webseite zusammengestellt.

 

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#SchweizerIkonen

Kraftwerk Wynau

Der Baustart des Wasserkraftwerks im bernischen Wynau markiert 1894 die Geburtsstunde von Siemens in der Schweiz und den Startschuss zu unserer 125-jährigen Erfolgsgeschichte. Nach 14-monatiger Bauzeit brannte am 23. Januar 1896 in Langenthal erstmals elektrisches Licht. Die Flusskraftwerks-Premiere war Tatsache, das erste Siemens-Projekt in der Schweiz unter Dach und Fach und der Grundstein für die weitere Entwicklung gelegt. Heute gehört das Kraftwerk Wynau der AEK Onyx Energie Mittelland AG, an der die BKW Energie AG die Mehrheit hält. Zusammen mit dem gegenüber liegenden Kraftwerk Schwarzhäusern versorgt Wynau 25 000 Haushalte zuverlässig mit Strom. Modernste Schutztechnik von Siemens bewahrt die Generatoren vor Überstrom und Überspannung.

1894: Es werde Licht oder wie alles begann

Am 23. Januar 1896 kurz nach 18 Uhr brannte in Langenthal erstmals elektrisches Licht. Wie es dazu kam, ist eine lange Geschichte und zugleich der Anfang von Siemens in der Schweiz.

 

Die ursprüngliche Idee für den Bau eines Elektrizitätswerks hatte der Lotzwiler Kaufmann Robert Müller-Landsmann. 1891 kaufte er bei Wynau an der Aare ein Stück Land und reichte beim Regierungsstatthalter ein Baugesuch für ein Kraftwerk ein. Die Planung und Finanzierung überstiegen jedoch seine Möglichkeiten. So kam das Engagement der Firma Siemens & Halske aus Berlin zustande. Für 300 000 Franken kaufte sie von Müller-Landsmann das Projekt und erhielt vom Kanton Bern die Konzession für den Betrieb des Kraftwerks.

 

Schon früh setzte die Schweiz in vielen Bereichen auf elektrische Energie – und auch auf Systeme von Siemens – ob zur Energieerzeugung, zur Verteilung und Übertragung oder für die Netzleittechnik. Die Bauarbeiten für das Kraftwerk Wynau wurden im November 1894 in Angriff genommen. Da Siemens erstmals in der Schweiz ein Baubüro eröffnete und mit eigenen Leuten präsent war, markiert das Jahr 1894 den Start von Siemens in der Schweiz. 14 Monate und 2,1 Mio. Baukosten später konnte das Kraftwerk mit 3000 PS Leistung den ersten Strom ins Netz speisen. Obschon anfänglich nur wenig Kunden vorhanden waren, wurden schon zu Beginn alle fünf Jonvalturbinen mit je 750 PS eingebaut. Diese weitsichtige Planung lohnte sich, denn die elektrische Energie des Kraftwerks war in den umliegenden Gemeinden rasch sehr gefragt. Heute noch versorgt die Anlage praktisch alle Gemeinden im Oberaargau mit Energie. Mittlerweile gehört das Kraftwerk Wynau zur «onyx Energie Mittelland AG, an der wiederum die BKW Energie AG seit 2006 die Mehrheit hält. 

1894

Gefährlicher Unterwasser-Job

Anders als beim Bau von Kanalkraftwerken, bei denen das Wasser erst nach dem Bau zugeleitet wurde, musste beim Aare-Kraftwerk Wynau im und unter Wasser gearbeitet werden. Dazu brauchte Siemens & Halske einen Taucher. Da es zu jener Zeit noch keine Berufstaucher gab, schickte die Firma einen ihrer Mitarbeitenden nach Hamburg zur Profitaucher-Ausbildung. Die Wahl fiel auf den Italiener Erminio Armando Felice De Polo - laut seinem Enkel ein «schöner Mann mit eindrücklichem Schnurrbart». Der gebürtige Italiener war auf Arbeitssuche in die Schweiz gekommen und durchlief nun zusammen mit seinem Bruder Arturo als Helfer das Unterwassertraining. Tauchen war zu jener Zeit eine äusserst anstrengende und gefährliche Angelegenheit. So wog die Taucherausrüstung mit Gummianzug, Messinghelm und Bleischuhen um die 70 kg. Der Taucher war über einen langen Gummi-Luftschlauch mit der Mannschaft an Land verbunden. Zwei Helfer mussten konstant Luft durch den Schlauch pumpen, damit der Taucher atmen konnte. Verständigen konnte man sich mit dem Taucher nur über Ziehbewegungen an einem Seil, das Taucher und Mannschaft verband.

 

Bald sprach sich herum, dass das Kraftwerk Wynau einen professionellen Taucher beschäftigte. So wurde Erminio auch an Gemeinden, Städte, Polizei und Rettungsdienste «verliehen», wo er Diebesgut oder Leichen aus Gewässern fischte und bei Bauarbeiten weiterer Kraftwerke mithalf.

 

Als eine Ironie des Schicksals ertrank Erminios Bruder und Tauchhelfer Arturo 1896 beim Baden, während Erminio sogar seinen Tauchanzug überlebte. Nach dem ersten Weltkrieg war der Gummi spröde geworden, der Anzug technisch veraltet und nicht mehr wasserdicht. Das Elektrizitätswerk Wynau setzte auf Profitaucher aus Basel, Erminio jedoch arbeitete bis zu seiner Pensionierung im Leitungsbau des Elektrizitätswerks.

1897: Auf keinen Fall eine AG

Bis zu seinem Tod 1892 lehnte Werner Siemens die Umwandlung seines Unternehmens in eine Aktiengesellschaft vehement ab. Seine Bedenken, dass der beherrschende Einfluss der Familie mit dem Übergang in eine Aktiengesellschaft schwinden könnte, waren zu gross. Werners jüngerer Bruder Carl Siemens war sich der schwierigen Lage bewusst, in der sich das familiengeführte Unternehmen mit seinen weltweit rund 6500 Mitarbeitenden befand und wollte die Kapitalbasis mit der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft erweitern. Realisieren liess sich der Plan erst nach dem Tod Werners: Die formelle Gründung der Siemens & Halske AG erfolgte am 3. Juli 1897 und somit fünf Jahre nach Werners Ausscheiden. Die Aktien blieben zunächst fast ausschliesslich im Besitz der Familie und die Satzung der neuen Gesellschaft zielte darauf ab, einen grösseren Fremdeinfluss jederzeit verhindern zu können. Der erste herausgegebene Geschäftsbericht erwähnte mit der neuen Lichtzentrale Wynau auch ein Schweizer Projekt. Die Erstnotierung der Siemens-Aktie erfolgte am 8. März 1899.

1900: Vergnügungskultur in Zürich

Anfang des 20. Jahrhunderts herrschte in Zürich eine lebendige Vergnügungskultur, Varietee-Bühnen wie beispielsweise das 1900 eröffnete Corso-Theater gewannen in dieser Zeit zunehmend an Popularität. Das später in ein Kino umgewandelte Corso bot wechselvolle, unterhaltende Programme und vereinte Akrobatik, Musik, Tanz, Wort und Magie. 1910 stattete Siemens das Theater mit einer elektrischen Beleuchtungsanlage aus.

1903: Bedeutende Fusion

Starker Kosten- und Konkurrenzdruck bestimmten die deutsche Elektroindustrie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der kapitalintensive Bau und Betrieb von Elektrizitätswerken zog finanzielle Überlastungen nach sich, weshalb ab 1901 ein umfassender Konzentrationsprozess einsetze. Die deutsche Elektroindustrie wurde fortan vom Zweigespann Siemens & Halske und der Elektrizitäts-Aktiengesellschaft (EAG) dominiert. Die Fusion der Starkstromabteilung von Siemens & Halske mit der EAG führte 1903 zur Gründung der Siemens-Schuckertwerke GmbH. Die schon seit dem Jahr 1900 an der Zürcher Löwenstrasse angesiedelte Geschäftsstelle der EAG war nach der Umbenennung in Siemens-Schuckertwerke GmbH Zweigbüro Zürich die erste Niederlassung von Siemens in der Schweiz.

1905: Von Zug in die Welt

Unter dem Namen «Landis & Gyr» etablierte sich 1905 in Zug ein Unternehmen, das auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken kann. Neun Jahre vorher hatten der Konstrukteur Richard Theiler und der Gewürz- und Eisenwarenhändler Adelrich Gyr das «Electrotechnische Institut Theiler & Co.» gegründet. Die Firma fertigte seit 1896 Stromzähler sowie Telefoninduktoren und Phonografen. Die Betriebsübernahme durch Heinrich Landis 1904 und die Ernennung Karl Heinrich Gyrs als Teilhaber bewirkten 1905 die Umbenennung des 55 Mann starken Unternehmens in «Landis & Gyr». Im Lauf der Jahrzehnte entwickelte sich L&G zu einem Weltkonzern, der in der Folge auch in den Bereichen Rundsteuerung, Fernmessung und Wärmetechnik weitere Standbeine aufbaute. Mitte der 1970er Jahre beschäftigte das Unternehmen über 15 000 Personen, davon über 5000 in Zug.

1905: Stellwerke aus Wallisellen

Mit der Gründung der «Schweizerischen Stellwerksfabrik» am 1. April 1905 entwickelte sich Wallisellen innerhalb weniger Jahre zum Zentrum der Eisenbahnsicherungstechnik. Die elektromechanischen Bauteile wurden bereits damals von Siemens geliefert. Bedingt durch die wirtschaftliche Rezession entstand 1919 die Firma Signum AG, an der Siemens 1941 die Mehrheitsbeteiligung übernahm. Daraus entwickelte sich später die Integra Signum AG, die 1996 in die Siemens Schweiz AG integriert wurde.

1906

Pupin-Kabel im Bodensee

Dem Physiker Michael Pupin gelang mit der Pupinspule eine tiefgreifende Veränderung des Fernsprechweitverkehrs. Die Firma Siemens & Halske erwarb um die Jahrhundertwende die europäische Lizenz auf dieses Patent, das die Reichweite sowie Übertragungsqualität des Fernsprechverkehrs markant steigerte. Bei der Verlegung des Fernsprechkabels zwischen Friedrichshafen und Romanshorn kam erstmalig das Pupin-Seekabel zum Einsatz. Bislang hatte Siemens & Halske lediglich mit Pupinspulen ausgerüstete Landkabel verlegt, weshalb die Verantwortlichen auf die Erfahrung ihrer Kollegen aus der englischen Niederlassung angewiesen waren. Für die zwölf Kilometer lange Verbindung musste das 110 Tonnen schwere Kabel bis in eine Seetiefe von 250 Metern verlegt werden. Trotz der Mitwirkung englischer Experten sowie eines zum Kabelschiff umfunktionierten Lastkahns misslang der erste Legungsversuch im Herbst 1905. Eine neue Verlegungsmaschine musste gebaut und ein erneuter Versuch bis in den darauffolgenden Sommer abgewartet werden. In Anwesenheit zahlreicher Gäste und Schaulustiger erfolgte die endgültige Verlegung des weltweit ersten Pupin-Seekabels am 9. August 1906. Es blieb über Jahrzehnte in Betrieb.

1906: Telefone für Soldaten

Die Schweizer Armee setzte ab 1906 Feldtelefone von Siemens & Halske ein. Gemäss der Webseite armyphone.ch benutzten Schweizer Soldaten bereits um 1888 einzelne Patrouillentelefone von Siemens & Halske. Grössere Stückzahlen konnten erst nach der Jahrhundertwende geliefert werden. Die Telefonwerke Albisrieden entwickelten die Feldtelefonapparate fortan weiter, woraus das Armeetelefon 32 entstand. Mehr als 11 000 dieser Geräte wurden ab 1932 in allen Truppengattungen als Einheitsmodell eingeführt.