Aufschwung nach dem Krieg

1937-1968

Seit 1894 in der Schweiz präsent

Wir freuen uns, in diesem Jahr unser 125. Firmenjubiläum in der Schweiz feiern zu können. Seit 1894 ist Siemens hier zuhause und hat in dieser Zeit unzählige Projekte umgesetzt. Einige unserer Kunden haben sich zu bekannten Schweizer Ikonen entwickelt. Sie sind Sinnbild für den Erfolg unseres Landes und stehen für Erfindergeist und Innovationskraft. Einige dieser Schweizer Ikonen und die wichtigsten Siemens-Projekte haben wir auf unserer Jubiläums-Webseite zusammengestellt.

 

Feldschlösschen | Kraftwerk Wynau | Rhätische Bahn | Pilatus Aircraft | EPFL | Gotthard-Basistunnel | Siemens Campus Zug
 

#SchweizerIkonen

Pilatus Aircraft

Die Pilatus Flugzeugwerke AG wurde 1939 gegründet und steht für fliegerische Spitzenleistungen und einmotorige Turbopropflugzeuge der Sonderklasse. Als einzige Schweizer Firma entwickelt und baut Pilatus Flugzeuge für Kunden weltweit. Mehr als 3700 Maschinen wurden in der 80-jährigen Historie bereits ausgeliefert. Mit dem Projekt «digitales Flugzeug» wurde 2008 mit dem langjährigen Geschäftspartner Siemens eine neue Ära eingeläutet: Dank unserer intelligenten Software und dem «digitalen Zwilling» entwickelt und testet Pilatus seither Flugzeuge wie den hochmodernen Business-Jet PC-24 vollständig virtuell. Brandmeldeanlagen und Siemens-Steuerungen sorgen in den Pilatus-Werken in Stans für eine sichere und qualitativ hochwertige Produktion.

1937: Hoch hinaus

1937 lieferte Siemens über fünfzig Sh 14 A-4-Motoren für die Schweizer Luftwaffe. Diese waren in den Flugzeugen des Typs Bücker Bü 133 Jungmeister eingebaut. Die Sparte wurde 1926 ins Siemens-Flugmotorenwerk, Berlin-Spandau ausgegliedert und war ab 1933 Teil der neuen Siemens Apparate und Maschinen GmbH (SAM). 1936 wurde die Produktion als Brandenburgische Motorenwerke GmbH (Bramo) aus der SAM herausgelöst und 1939 von BMW übernommen. Zur selben Zeit wurde in Stans die Pilatus Flugzeugwerke AG gegründet. Heute ist das Unternehmen die einzige Schweizer Firma, welche Flugzeuge und Trainingssysteme entwickelt, baut und weltweit verkauft. Federführend bei der Pilatus-Gründung war die Elektrobank AG, die 1946 in Elektrowatt umbenannt wurde. Die Finanzierungsgesellschaft hielt später unter anderem auch 22 % der Aktien von Siemens-Albis. Zum Elektrowatt-Portfolio gehörten auch Landis & Gyr sowie Cerberus, die 1998 ins Gebäudetechnikgeschäft von Siemens integriert wurden.

1941: Cerberus wird gegründet

Den ersten Brandmelder, der zur Rauchdetektion fähig war, entwickelte 1940 der Schweizer Physiker Walter Jäger. Er funktionierte nach dem sogenannten Ionisationsprinzip: Eine Kammer, bestehend aus zwei distanzierten Metallplatten, wird der Strahlung einer ionisierenden Quelle ausgesetzt. Diese erzeugt elektrisch geladene Teilchen, die die Luft leitfähig machen. Dringt Rauch in diese Messkammer ein, verändert sich die Leitfähigkeit und ein Alarm wird ausgelöst.

Gemeinsam mit seinem früheren Mitstudenten Ernst Meili gründete Walter Jäger 1941 in Bad Ragaz die Cerberus GmbH. Ab den frühen 1950er Jahren verband Cerberus mit Siemens eine intensive geschäftliche Zusammenarbeit. In den Märkten des nahen Auslands trat Cerberus nicht selbst auf, sondern belieferte Siemens mit ihren Produkten. Gleichzeitig profitierte Siemens vom enormen Know-how und Wissensvorsprung von Cerberus. Das Zusammengehen von Cerberus mit Siemens im Jahr 1998 war also ein sinnvoller Schritt, der für beide Unternehmen Vorteile mit sich brachte.

1944

Auf die Sekunde genau

Sicherlich allen Schweizer Pendlern ist sie ein Begriff. Sie ist der Inbegriff der Schweizer Pünktlichkeit und es gibt sie mittlerweile auch im Kleinformat: die Schweizer Bahnhofsuhr. Die wenigsten wissen allerdings, wer die Uhr gestaltet hat. Und diese Person hat sogar noch eine Siemens-Vergangenheit. Aber von vorne: Die SBB gaben 1944 dem Elektroingenieur Hans Hilfiker den Auftrag die charakteristische Schweizer Bahnhofsuhr zu gestalten. Diese ergänzte er 1955 mit den typischen Zeigern in Form von roten Kellen. Die Uhr steht wie kein anderes Objekt als Symbol für Schweizer Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit.

 

Der Designer startete nach dem Studium seine Karriere bei Siemens. Ab 1925 arbeitete Hilfiker im Werk in Albisrieden und reiste im Auftrag der Firma 1926 nach Argentinien. Dort war er bis 1928 für Siemens als technischer Berater der Fernmeldetruppen der argentinischen Armee tätig. 1931 kam Hilfiker in die Schweiz zurück und arbeitete bis 1958 bei der SBB. Danach war er für die Therma AG (heute Electrolux) tätig und entwickelte unter anderem ein neues Küchenprogramm, das aus kombinierbaren Küchenmodulen bestand. Durch diese Systemküchen, die ersten ihrer Art, legte er den Grundstein für die Schweizer Küchennorm, die von der europäischen abweicht (55 cm statt 60 cm). Hans Hilfiker gilt dadurch als einer der Pioniere des Schweizer Industriedesigns. Übrigens: 2007 stellte die damalige Schwestergesellschaft BSH erstmals Siemens-Küchengeräte in der Schweizer Norm her.

1945: Die unbekannte Tochter

Die Anfänge der Huba Control AG aus Würenlos gehen zurück auf die Jakob Huber & Co., die am 26. April 1945 in Ennetbaden gegründet wurde. Der Name Huba bezieht sich auf ihren Gründer Jakob Huber (Huba = Huber und Baden). Bis 1989 führte die Huba Control eine breite Produktpalette. Mit der strategischen Entscheidung sich ab diesem Zeitpunkt klar auf die Druckmesstechnik auszurichten, wurde ein Weg in die Zukunft eingeschlagen, der verstärkt die Entwicklung innovativer Produkte erlaubte. Dabei ist die heutige Produktpalette immer noch gross genug, um den unterschiedlichsten Anforderungen zur Prozessoptimierung in Systemen, Maschinen und Anlagen gerecht zu werden. Doch wo sind die Verbindungen zu Siemens? Was viele nicht wissen: Huba Control ist seit 1998 eine vollständige Tochtergesellschaft der Siemens Schweiz AG und gehört organisatorisch zu Smart Infrastructure. Die Hintergründe: Die Zusammenarbeit geht zurück auf die Zugehörigkeit zu Stäfa Control Systems (SCS) in den 1970er Jahren als Huba Control Zulieferer war. In den 1990er Jahren belieferte Huba Control die damaligen SCS-Wettbewerber Landis & Gyr sowie die Siemens Gebäudetechnik in Deutschland. Das sollte sich 1998 ändern: Durch die Übernahme von Landis & Stäfa durch Siemens wurde Huba Control zum Siemens-Unternehmen. Und davon profitiert Siemens: Smart Infrastructure kann bei Huba Control als konzern-interner HLK-Komplettanbieter die gesamte Drucksensorik beziehen. Seit 1995 konnte die Mitarbeiterzahl von 130 auf über 400 verdreifacht werden. Damit ist die Huba Control AG eine der grössten, produzierenden Arbeitgeberinnen in der Region Limmattal und gilt in vielen Bereichen als Marktleader.

1946: Siemens zieht ins Kloster

Nach dem zweiten Weltkrieg war auch in der Schweiz neuer Aufschwung spürbar, wodurch zugleich ein starker Ausbau der inländischen Infrastruktur erfolgte. Dazu zählten insbesondere auch die Telefonanlagen. Als Hauptlieferant der damaligen PTT war Siemens gefordert, diese steigende Nachfrage zu befriedigen. Darum entschieden sich die Albiswerke Zürich ihre Fabrikation und Fertigung zu erweitern und in Bremgarten/AG einen Zweigbetrieb zu eröffnen. Durch Vermittlung eines Albisriedener Mitarbeiters war der Kontakt zum Kloster St. Klara geknüpft worden, wo dann Räumlichkeiten angemietet wurden. Am 3. Oktober 1946 wurde die Arbeit mit drei Personen aufgenommen, schon ein halbes Jahr später waren in einem kleinen Büro und drei Arbeitsräumen 45 Personen beschäftigt. 1950 waren es dann schon 105.

 

Dieser Anstieg lag nicht zuletzt an der guten Bezahlung, die viele anlockte; das Albiswerk bot den höchsten Lohn in der Gemeinde Bremgarten. Er betrug 1946 90 Rappen pro Stunde. Die meisten Beschäftigten waren im Stundenlohn angestellt, nur wenige im Wochenlohn. Manch andere Unternehmen (Textil-, Papier- und Holzverarbeitung) verloren wegen der neuen Konkurrenz Mitarbeiter. Die Wochenarbeitszeit – verteilt auf sechs Tage – war auf 49 Stunden angesetzt. Hinzu kamen kurze Wege, da die meisten Beschäftigten vor Ort wohnten.

 

Im Zweigbetrieb Bremgarten waren fast ausschliesslich Frauen beschäftigt. Während die Anzahl der männlichen Beschäftigten in all den Jahren im Schnitt bei fünf lag, gab es bei den Frauen grössere Schwankungen. So rutschte ihre Anzahl um 1960 unter 80 – eine Folge des Arbeitskräftemangels. Linderung bot der Zuzug von Gastarbeiterinnen (Italien, Spanien, Deutschland, später Türkei), so dass zwei Jahre später 125 Beschäftigte zu verzeichnen waren. Ein stärkerer Ausbau fand nicht statt, da Bremgarten doch zu nah an den Industrieorten Zürich und Baden lag und mehr Personal nicht rekrutiert werden konnte.

1949

Erfrischend!

Das Freibad Letzigraben im Zürcher Stadtteil Albisrieden lockt im Sommer zahlreiche Badelustige an. Was viele nicht wissen: Es wurde 1949 vom Schweizer Schriftsteller und Architekten Max Frisch gebaut. Eigentlich hatte er schon zu Schulzeiten Schriftsteller werden wollen, doch seine Eltern verlangten, dass der Sohn einen «anständigen» Beruf lernen solle. So studierte Max Frisch nach einem abgebrochenen Germanistikstudium Architektur an der ETH. Mit seinem Entwurf des Freibads gewann Frisch den Wettbewerb «Städtische Badeanlage Letzigraben». Beim Bad handelt es sich um den einzigen grösseren Bau, den Frisch realisierte. Später widmete er sich wieder seiner Berufung als Schriftsteller.

 

Ab 1990 wurde das Letzigraben-Bad mittels industrieller Abwärme der Siemens-Albis-Fabrik geheizt. Dies hatte für beide Seiten Vorteile: Das Bad konnte die Abwärme kostenlos beziehen und die Fabrikanlagen erzielten einen höheren Wirkungsgrad. Dank der Vereinbarung zwischen den beiden Parteien konnten über die ganze Badesaison zudem 180 000 Kubikmeter Erdgas und 360 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. Und auch die Siemens-Albis-Mitarbeitenden profitierten: Als Gegenleistung konnten sie jederzeit gratis die Badi besuchen.

1950: Feldtelefon 50

1950 beschaffte die Schweizer Armee 12 000 Geräte des Typs Feldtelefon 50. Es war leicht und zugleich sehr widerstandsfähig, nicht zuletzt dank des grünen Segeltuchsacks mit witterungsbeständigen Nähten.

1954: Generatoren der Superlative

Zwölf Jahre nachdem erste konkrete Pläne veröffentlich wurden, nahm Mitte der 50er-Jahre das Niederdruck-Laufkraftwerk Birsfelden seinen Betrieb auf. Siemens konnte im Rahmen dieses Grossprojekts zwei Generatoren liefern. Jeder der beiden Kolosse hatte ein Gesamtgewicht von 390 Tonnen. Allein der Generatorläufer war 250 Tonnen schwer und mit einem Durchmesser von über 11 Metern natürlich zu gross für den Transport. Entsprechend konzipierten die Siemens-Ingenieure Generatorständer, Läufer, Tragstern und alle grossen Komponenten so, dass sie in vier Teile zerlegt und vor Ort wieder zusammengebaut werden konnten.

 

Beim Betriebsstart waren nicht nur die Siemens-Generatoren, die vier Kaplanturbinen und das 157 Meter lange Stauwehr bereit, sondern auch die neue, grosse Schleusenanlage. Diese musste errichten werden, um die Güterschifffahrt zu den Rheinhäfen Au und Birsfelden und den Passagierverkehr gewährleisten zu können. Durch das Ausgraben des Schleusenkanals entstand eine Rheininsel, die so genannte Kraftwerkinsel. Heute werden rund 17 % des gesamten Stroms, der in der Grossregion Basel benötigt wird, in dieser Anlage produziert.

 

Dass damals der massive Eingriff ins Landschaftsbild auch Kritik erntete, versteht sich von selbst. Letztlich überwand man aber alle Hürden. Massgeblich am Erfolg beteiligt war ETH-Professor Hans Hofmann, der schon der legendären Landesausstellung Landi 39 als Chef-Architekt den Stempel aufgedrückt hatte. Ihm gelang ein Gesamtentwurf, der für die Architektur von Industriebauten wegweisend wurde. «Die Turbinenhalle sollte nicht als schwere, geschlossene Masse, nicht als Riegel, sondern als leichtes Glashaus gebaut werden», schrieb Hoffmann später in einem Fachaufsatz. Er habe sogar geplant, einen öffentlichen Fussweg durch die 120 Meter lange Halle zu legen. Dieser führt nun als öffentliche Brücke der Turbinenhalle entlang über das Stauwehr. Über eine stählerne Spindeltreppe erreicht man einen Zuschauerbalkon, von wo aus Besucherinnen und Besucher einen Blick auf die imposante Technik werfen können.

1954: In der Schweiz entwickelt und in die ganze Welt exportiert

Mitte der 1950er Jahre wurde die Motorwählertechnik für öffentliche (Amts-) und private Haustelefonzentralen eingeführt. Diese in der Schweiz entwickelte Technik ermöglichte einen wartungs- und geräuschärmeren Betrieb als diejenige mit Strowger-Wählern. In Bern Breitenrain wurde das erste Ortsamt in Motorwählertechnik-System A49 gebaut. Es folgten weitere Entwicklungen von Orts- und Fernämtern für den Export: Venezuela, Mexiko, Peru, Niederlande, Luxemburg und Israel. Ausserdem wurde das SBB-Fernnetz mit 4-Draht-Motorwähler-Technik und Trägerfrequenzübertragung erweitert.

1955: Logistikzentrum im Limmattal

Wegen Raumnot und der Zusammenlegung dezentraler Werkstätten und Lager kaufte Siemens 1955 von der Gemeinde Weinigen 15 000 Quadratmeter Land an der Strasse zwischen Dietikon und Weiningen. In den darauffolgenden Jahren entstand dort der Standort Fahrweid mit unterschiedlichen Abteilungen. 1968 wurde der Vertrieb der Haushaltsgeräte von der Löwenstrasse in Zürich in die Fahrweid verlegt.1984 verkaufte dieser Bereich rund 60 000 Haushaltgeräte pro Jahr. Die Fahrweid beheimatete auch das Vertriebslager von Siemens-Albis. Hier lagerten rund 80 % der damaligen Lagerpositionen. Daneben waren der Systemdienst-Service für die Datenverarbeitung, der Kundendienst der Medizinischen Technik sowie die Werkstatt und der Kundendienst der Energie- und Automatisierungstechnik am Standort im Limmattal untergebracht. 1984 arbeiteten in der Fahrweid rund 380 Personen. 2002 wurde der Standort infolge des Umzuges der Siemens-Hausgeräte nach Geroldswil geschlossen. Damit ging eine rund 50-jährige Industriegeschichte zu Ende.

1959

Kriminaltango lässt Kassen klingeln

Die Radios in der Schweiz und in Deutschland spielten im Herbst 1959 einen Hit, den damals jeder mitsingen konnte: «Und sie tanzten einen Tango, Jacky Brown und Baby Miller» Der Kriminaltango war ein durchschlagender Erfolg – und Siemens verdiente gutes Geld damit.

 

Es war die erste Single, die das Hazy-Osterwald-Sextett unter der Musikmarke «Polydor» veröffentlichte, die zur Siemens-Tochter «Deutsche Grammophon GmbH». gehörte. Hazy Osterwald war bereits ein etablierter Live-Interpret, aber die Polydor-Chefs wollten mehr: Das eher langweilige italienische Original wurde in den Ohrwurm «Kriminaltango» umgeschrieben, der sich fast eine Million Mal verkaufte und die Musik- und TV-Karriere des Schweizers beschleunigte.

 

Der Einstieg von Siemens & Halske ins schnelllebige Musik-Business war nicht von langer Hand geplant. 1903 wurden Siemens und die AEG von Kaiser Wilhelm II dazu gedrängt, für einen Teil ihres Geschäfts eine Gemeinschaftsfirma zu gründen, um ihre kräfteraubenden Patentstreitigkeiten zu beenden. So entstand die «Gesellschaft für drahtlose Telegraphie m.b.H., System Telefunken». Sie setzte Meilensteine in der Radio- und TV-Technik. Mit dem glamourösen Show-Business hatte die Firma wenig am Hut.

 

In den goldenen 1920er Jahren feierte die Plattenindustrie grosse Erfolge, von der auch die 1898 gegründete Deutsche Grammophon Gesellschaft profitierte. Die Weltwirtschaftskrise liess die Umsätze aber einbrechen: Verkauften sich 1929 noch 30 Millionen Platten, waren es 1934 nur noch sechs Millionen. Das Geschäft wurde restrukturiert und in Deutsche Grammophon GmbH (DGG) umbenannt. 1941 bereinigten Siemens und die AEG durch die sogenannte Telefunken-Transaktion ihr Portfolio und alle DGG-Anteile gelangten zu Siemens. In der Folge stiegen die Plattenverkäufe wieder an, was Ernst von Siemens ganz besonders freute. Der Enkel des Firmengründers war ein grosser Kunst- und Musikliebhaber. Er entwickelte in den 1940er und 1950er Jahren die DGG zum deutschen Branchenführer und hatte auch international Erfolg.

 

1971 brachte Siemens sein Musikgeschäft in die Firma Polygram ein, an der Siemens und Philips zu je 50 % beteiligt waren. Das Label Polydor blieb weiterhin sehr erfolgreich, waren doch Stars wie James Brown oder ABBA unter Vertrag. Polygram kaufte weitere Firmen hinzu und steigert den Marktanteil dank des US-Geschäfts markant – für kurze Zeit war Polygram die weltweit grösste Plattenfirma. Das Ende des Disco-Booms in den späten 1970er Jahren liess die Umsätze aber schmelzen. Polygram wurde restrukturiert und schrieb ab 1985 wieder schwarze Zahlen. Siemens verkaufte zwischen 1983 und 1985 seinen 40-%-Anteil an Philips. 1987 übernahmen die Holländer auch die restlichen 10 %.

1965: Elektroantriebe für Luzern

Nachdem in Luzern wenige Jahre vorher das Tram abgeschafft wurde, verkehrten dort ab 1965 erste Trolleybusse mit Siemens-Motoren. Die «Siemens-Flotte» wuchs mit der Zeit auf über 70 Fahrzeuge. Der letzte Trolleybus mit Siemens-Elektroantrieb wurde in der Leuchtenstadt erst vor wenigen Jahren ausrangiert; er dient heute als Museumswagen. 

1966: Der Riese bekommt einen Namen

Einer der bedeutendsten Meilensteine in der Siemens-Geschichte ist der 1. Oktober 1966: Die drei Stammgesellschaften werden zusammengelegt. Sechs Monate vorher stimmten die Aktionäre der Fusion zu und das Nachrichtenmagazin Spiegel kommentiert: «Der entfesselte Riese bekommt den Namen Siemens AG». Über Jahrzehnte hinweg operierten die drei Gesellschaften weitgehend autonom. Siemens & Halske war mit 109 000 Beschäftigten hauptsächlich im Schwachstromgeschäft tätig und erzielte mit Fernschreibern, Telefonen und Messgeräten einen Jahresumsatz von 2,5 Milliarden Mark. Die Siemens-Schuckertwerke waren mit Industrie- und Energieanlagen im Starkstromgeschäft erfolgreich und beschäftigten bei der Fusion 148 000 Mitarbeitenden (Umsatz 2,6 Milliarden Mark). Siemens-Reiniger (Umsatz 225 Millionen Mark, 9400 Beschäftigte) hatte sich schon damals zum führenden Hersteller elektromedizinischer Geräte entwickelt.

 

Die Integration plante man schon in den 1930er Jahren, wegen des Zweiten Weltkriegs wurde das Projekt aber sistierte. Ab 1945 suchten die Verantwortlichen neue Firmenstandorte, weil es aufgrund der Nachkriegsverhandlungen absehbar war, dass Berlin zu einer geteilten Stadt werden würde. So siedelten die Siemens-Reiniger-Werke ihren Hauptsitz bereits 1947 in Erlangen an. 1949 verlegten die Siemens-Schuckertwerke den Sitz ebenfalls nach Erlangen und im gleichen Jahr installierte Siemens & Halske ihre Konzernzentrale in München. Berlin blieb jedoch zweiter Firmensitz.

1966: Erfolgreich dank Edelmetall

Die von Siemens entwickelte ESK-Technik (Edelmetall-Schnellkontakt-Relais) wurde von der Albiswerk Zürich AG stark gefördert. ESK-Amtszentralen brauchten im Vergleich zu den mechanisch geschalteten Wählersystemen weniger Platz und hatten 100-mal kürzere Schaltzeiten. «Durch die neue nationale Teilnehmer-Selbstwahl nahmen die Ferngespräche immer mehr zu, so dass das Fernleitungsnetz dringend erheblich erweitert werden musste», schreibt der ehemalige Siemens-Schweiz-Generaldirektor Peter Grüschow in seinem Erinnerungsbuch. Am 24. Juni 1966 ging in Biel das Fernamtssystem A60 in Betrieb. «Es war die erste elektronisch gesteuerte Zentrale der Schweiz und wohl die erste in Europa mit Echtbetrieb». Wenig später führte die PTT die Siemens-ESK-Technik als Einheitssystem für die internationalen Fernämter ein. Die Berner Schanzenpost nutzte 1967 die Haustelefonzentrale ESK 8000, es war das erste von der PTT bewilligte System mit Mehrfrequenzton-Tastenwahl. Sieben Jahre später wurde im Zürcher Stadthaus die 100. Anlage dieses Typs in Betrieb genommen. Die Technik war europaweit sehr erfolgreich. Bis 1976 wurden in der Fertigung von Siemens-Albis rund 24 Millionen ESK-Relais hergestellt.