Modernisiertes Wasserkraftwerk: Das Tessin unter Strom

Das Unterwerk Avegno im Maggiatal ist ein Knotenpunkt im Schweizer Stromnetz. Es speist die Energie von den nahen Wasserkraftwerken ins Übertragungsnetz und ins regionale Verteilnetz ein. Um die Versorgung auch in Zukunft sicherstellen zu können, musste das alte Unterwerk modernisiert werden. Siemens lieferte eine gasisolierte Schaltanlage sowie die Sekundärtechnik.

Das Tessin ist das Tor zum Süden und besticht durch seinen mediterranen Charme, das milde Klima, die palmengesäumten Seen und hohen Alpengipfel. Doch nicht nur aus touristischer Sicht ist die Sonnenstube der Schweiz ein wichtiger Teil des Landes: Ihr kommt auch in der Stromversorgung ein bedeutender Part zu. So hat der Kanton Tessin die meisten Stauseen der Schweiz und produziert dementsprechend viel Energie, die weggeführt werden muss. Um die Versorgungssicherheit im Übertragungsnetz und im regionalen Verteilnetz des Maggiatals weiterhin gewährleisten zu können, musste das Unterwerk Avegno modernisiert werden.

 

Das bestehende Unterwerk war grösstenteils über 60 Jahre alt und entsprach den heutigen Anforderungen nicht mehr. Für Swissgrid ist die Realisierung dieser Anlage ein wichtiger Meilenstein. So ist es seit der Übernahme des Schweizer Übertragungsnetzes im Jahr 2013 durch Swissgrid das erste Unterwerk-Projekt, das vollumfänglich von der nationalen Netzgesellschaft realisiert wird. Bei der Modernisierung wird die alte Freiluftschaltanlage durch eine gasisolierte Schaltanlage (GIS) mit acht Feldern des Typs 8DN9 von Siemens ersetzt. Zudem liefert Siemens mit Siprotec und Sicam auch die gesamte Schutz- und Leittechnik. Die voraussichtliche Inbetriebnahme des neuen Unterwerks ist auf Mitte Juni 2018 geplant.

Massive Platzeinsparung

In der GIS-Anlage sorgt das Gas Schwefelhexafluorid (SF6) dafür, dass auftretende Funken bei den Schaltern sofort im Keim erstickt werden. Die Verwendung von SF6 hat aber noch weitere Vorteile: Einerseits ist die Anlage witterungsunabhängig und vor Schnee, Regen oder aber auch Tieren wie Vögeln geschützt. Dadurch können die Wartungsaufwände und -kosten deutlich reduziert werden. Anderseits benötigt die Schaltanlage dank dem Isoliergas massiv weniger Platz: Im Unterwerk Avegno kann die GIS-Anlage auf einer rund 15-mal kleineren Fläche als bei der alten Freiluftschaltanlage installiert werden. Zudem kann sich das Personal ungefährdet in den Räumen aufhalten, da die Anlage berührungssicher ist.

 

Die wartungsfreie GIS-Anlage wird in Berlin gefertigt und kann dank der hohen Fertigungstiefe feldweise ausgeliefert werden. Das bedeutet, dass ein Feld mit drei Phasen im Werk komplett montiert wird und nicht vor Ort zusammengebaut werden muss. Dies hat mehrere Vorteile: Zum einen geschieht die Montage in einer sauberen Umgebung, zum anderen reduzieren sich dadurch die Montagezeit und die Fehler. Zudem gibt es durch die Lieferung der Schaltanlage und Sekundärtechnik aus einer Hand keine Schnittstellenproblematik.

Know-how aus Hünenberg

Mit dem Prüfcenter in Hünenberg besitzt Siemens in der Sekundärtechnik grosses Know-how. Für die Werksabnahme wurde das ganze Stationsleitsystem des Unterwerks Avegno aufgebaut und über mehrere Wochen auf Herz und Nieren getestet. Das Stationsautomationssystem Sicam bildet nämlich das Herz des Unterwerks Avegno, denn mithilfe dieses System kann Swissgrid die ganzen Anlagen überwachen und steuern. Durch den redundanten Aufbau ist dabei jederzeit sichergestellt, dass Swissgrid Zugriff auf die Anlage hat, um im Problemfall schnell reagieren zu können. 

27.03.2018

Fabienne Schumacher

Picture credits: Siemens Schweiz AG