Gesundheit: Durchblick mit Weitblick – Innovation in der Tiermedizin

Bildgebende Verfahren gewinnen in der Tiermedizin an Bedeutung. Im ostschweizerischen Wangs betreibt ein junges Ärztepaar eine Tierklinik mit 24-Stunden-Notfalldienst. Ihr gewichtigstes Analysegerät: ein Computertomograph.

Eine zuverlässige Diagnostik kann Leben retten und Leiden lindern – auch bei Tieren. Die Tierklinik Burkhardt & Partner in Wangs bei Sargans setzt auf Innovation. Die jungen Veterinärmediziner Dr. Wanda Burkhardt und Dr. Stefan Weissenbacher haben sich einen Computertomographen (CT) angeschafft. Sie untersuchen damit Hunde, Katzen, Hühner und andere Kleintiere. Sie setzen ihn ein, wo Ultraschall, normales Röntgen und andere Verfahren an ihre Grenzen stossen.

Aufarbeitung diverser Krankheitsbilder

Beim verwendeten Gerät handelt es sich um einen humanmedizinischen CT-Scanner mit angepassten Einstellungen, damit er auch für veterinärmedizinische Diagnostik, insbesondere für Kleintiere, einsetzbar ist. Weissenbacher möchte den Nutzen der vom Computer errechneten Röntgenbilder nicht missen: «Das Verfahren ermöglicht uns eine vollständige und wissenschaftlich fundierte Aufarbeitung diverser Krankheitsbilder». Eine bildliche Darstellung von Veränderungen ist je nach Einsatz ab dreihundert Franken machbar. Hinzu kommen Narkose und Kontrastmittel.

 

Was entgegnet das Ärztepaar jenen Kritikern, die eine CT-Untersuchung für Haustiere als übertrieben erachten? Burkhardt erklärt: «Heutzutage ist ein Tier nicht mehr einfach nur ein Tier. Es ist ein Familienmitglied, teilweise fast schon Ersatz für eine Person.» Weissenbacher ergänzt: «Tiere sind für ihre Halterinnen und Halter extrem wichtig.»

Zuverlässigere Diagnosen dank 3D

Ausschlaggebend für die Anschaffung eines Computertomographen war für Burkhardt ihr Berufseinstieg in den Klinikalltag. Die junge Veterinärmedizinerin war während zehn Jahren am Tierspital der Universität Zürich tätig, die letzten vier Jahre als Oberärztin in der Klinik für Innere Medizin der Kleintiere. Als erfahrene Internistin wollte Burkhardt zur vollständigen Aufarbeitung internistischer Fragestellungen für Kleintiere auf ein bildgebendes Verfahren zugreifen, das die inneren Bereiche des Körpers dreidimensional darstellen und so zuverlässigere Diagnosen ermöglichen kann. Gemeinsam mit ihrem Partner Weissenbacher übernahm sie vor einem halben Jahr die Führung der seit 1982 bestehenden elterlichen Klinik, in der auch weiterhin ihre Mutter Dr. Beatrice Burkhardt und die bisherigen Teammitglieder mitarbeiten.

Tiere können nicht mitteilen, was ihnen fehlt

Um die Grundversorgung der Tiere kümmern sich beide. Burkhardt verfügt über die in der Schweiz seltenen Internistendiplome des europäischen und amerikanischen College für Innere Medizin für Hund und Katze (ACVIM, ECVIM-CA). Somit betreut sie die komplexen medizinischen Fälle. Weissenbacher ist Allgemeinpraktiker und verantwortlich für die Chirurgie.

 

Das Paar, das sich während des Medizinstudiums kennengelernt hatte, machte sein Flair für Tiere zum Beruf. Burkhardt: «Die Veterinärmedizin ist sehr spannend, können doch Tiere nicht mitteilen, was ihnen fehlt.» Mit dem CT können sie viele Ursachen besser bestimmen. So ortet das Team Tumore, untersucht Bandscheiben, arbeitet Lungenleiden auf, forscht nach Problemherden in den Harnwegen oder fahndet in Brustkorb, Bauch und Därmen nach wandernden Fremdkörpern – zum Beispiel wenn ein Hund einen Zahnstocher gefressen hat und daran zugrunde gehen würde.

 

Die junge Generation brachte neue Medizintechnik ins Haus. Doch an der Kultur der familiären Betriebsatmosphäre hat sich nichts geändert: Im Zentrum steht das Wohlergehen ihrer Patientinnen und Patienten.

07.06.2018

Eray Müller