Gebäudetechnik in Grösse XXL

Am Standort Pratteln hat Siemens einen Neubau von Coop mit der Steuerung der Haustechnik ausgestattet. Und dabei auch die Produktionsprozesse unterstützt. Es ist ein Bau der Extraklasse: Ende 2017 hat Coop am Standort Pratteln auf einer Fläche von elf Fussballfeldern ein neues Produktions-, Qualitäts- und Logistikzentrum eröffnet. Es beherbergt die Schokoladenproduktion Halba, den Produktionsbetrieb Sunray, der ein breites Sortiment (u.a. Nüsse/Trockenfrüchte) abfüllt, die Weinabfüllerei Cave sowie das Qualitätscenter von Coop.

Ein vollautomatisiertes Hochregallager mit 40'000 Paletten und 20 Lastwagendocks beliefert die ganze Welt. Eine Million Einheiten verlassen täglich den Standort: 500'000 Einheiten Schokolade, 350'000 Verkaufseinheiten von Sunray und 150'000 Flaschen Wein. Siemens hat im Rahmen einer «Total Building Solution» die Messung, Regelung und Steuerung der kompletten Haustechnik umgesetzt. Von den Dimensionen ist Projektleiter Roger Schaub noch heute beeindruckt. «Einige Sensoren mussten in 40 Metern Höhe von Industriekletterern angebracht werden», erzählt er. 12’000 Datenpunkte hat Siemens in dem Gebäude aufgeschaltet: Lastwagenladungen voller Schaltschränke, tausende Sensoren zur Temperaturmessung sowie Brandmelder, die über die Feuermeldezentrale FC2080 verbunden sind. 

Effizienter Energiekreiskreislauf

Coop will bis 2023 CO2-neutral arbeiten. «Der Standort Pratteln möchte dieses Ziel früher erreichen», sagt Karsten Klein, Leiter des siebenköpfigen Teams für Gebäudetechnik bei Coop in Pratteln. Zu den Massnahmen gehören neben der zentralisierten Produktion sowie einer eigenen Bahnstation für Anlieferung und Abtransport von Waren auch eine fortschrittliche Gebäudetechnik. Das Heizungs- und Kühlungssystem ist auf hohe Effizienz ausgerichtet und setzt auf erneuerbare Energien. Es besteht unter anderem aus einem mit Holzschnitzel betriebenen 2-Megawatt-Heizkessel, der in Spitzen von einem 2-Megawatt-Gaskessel unterstützt wird, sechs 1-Megawatt-Kälteanlagen sowie zwei Wärmepumpen, welche die Abwärme der Kälteanlagen zurück in den Kreislauf einspeisen. «Siemens hilft uns, das komplexe System zu überwachen und dessen Effizienz sicherzustellen», sagt Karsten Klein. 

Höhere Anforderungen

Die produzierte Energie wird sowohl für die Gebäudetechnik wie auch für die einzelnen Coop-Produktionsbetriebe genutzt. «Lediglich Heizen und Kühlen für den Komfort war gestern», sagt Metin Ergünay, Systemverkaufsingenieur bei Siemens. «Heute nutzen wir in der Gebäudetechnik Synergien für Produktionsprozesse.» Dabei gelten jedoch andere Anforderungen. «Wenn eine Heizung in einem Mehrfamilienhaus ausfällt, kann man den Servicemonteur aufbieten», so Ergünay. In Pratteln ist dies anders: Die Warmwasserreserven, welche in 17 Tanks à 12’000 Liter lagern, wären nach zehn bis fünfzehn Minuten aufgebraucht. «Für die Schokoladenproduktion ist eine konstante Versorgung aber essenziell», sagt Ergünay. «Deshalb erfordert ein industrielles Umfeld besonders präzise und redundante Mess- und Regelsysteme.»

Alle Fäden auf Desigo CC

So gross die Dimensionen der Gebäudetechnik in Pratteln auch sind, so komplex die Steuerung und Regelung: Zum Schluss laufen alle Fäden auf der Plattform Desigo CC zusammen. Weil die Software sämtliche Gebäudetechnik-Anwendungen integriert, können Karsten Klein und sein Team den Neubau vom Laptop aus überwachen und kontrollieren. «Das ist genial», schwärmt Klein, «meine Mitarbeiter können damit auch von zuhause aus kleine Störungen beheben oder bei Bedarf den Service-Pikett aufbieten.»

25.06.2019

Rolf Mahler

Picture credits: Coop Pratteln