Chemiekomplex Guaratinguetá

Siemens und BASF transformieren Teilbereich des Chemiekomplexes Guaratinguetá in eine intelligente Anlage und digitalisieren den gesamten Produktionsprozess
  • In diesem Projekt wurde die integrierte Engineering-Software COMOS eingesetzt, um die Prozesseinheiten der Anlage abzubilden, den Programmcode des Automatisierungssystems zu erstellen und dabei einen digitalen Zwilling zu schaffen mit dem Ziel, künftige Anlagen-Modernisierungen zu erleichtern
  • Die Digitalisierung umfasste mehr als 15.000 Dokumente mit Informationen über die Prozesse in dem Chemiekomplexes der BASF.  und führte zu höherer Produktivität der Produktionslinien sowie zu Reduzierung von Fehlerquoten und Anlagenstillständen
  • Die Produktionseinheit Agrarchemie ist eine der größten Anlagen der BASF in Südamerika

In einem durch die Digitalisierung bestimmten Markt, haben Unternehmen, die auf intelligente Lösungen setzen, einen wesentlichen Vorteil gegenüber Mitbewerbern. Diese Erkenntnis erwächst aus einem der größeren Digitalisierungsprojekte, das Siemens und BASF gemeinsam im Chemiekomplex Guaratinguetá (SP) realisiert haben, eine Zusammenarbeit, die viele Erfolge in Bezug auf die Optimierung interner Prozesse erzeugt hat.

Die Herausforderung des Projekts bestand darin, in einem Teilbereich des Komplexes die bisherige Leittechnik zu aktualisieren. Mithilfe der integrierten Engineering-Software COMOS wurde sämtliche Vorgänge in der BASF-Anlage modellhaft abgebildet und alle Prozesse als Programmcode erfasst. Dies ermöglichte die Entwicklung eines digitalen Zwillings der Teilanlage, der die Steuerung der Produktionslinien und auch künftige Modernisierungen unter Einsatz neuer Technologien erleichtert. Am Standort finden jährlich rund 500 Prozessumstellungen statt. Die damit zusammenhängenden Informationen wurden bisher nicht systematisch dokumentiert. Jetzt werden die Informationen für Manager und Techniker des Komplexes in einfacher und gut handhabbarer Form bereitgestellt – dank Digitalisierung und Rückverfolgbarkeit der Daten.

Als ein Unternehmen, dem Innovation in den Genen liegt, setzen wir einen deutlichen Schwerpunkt bei der Automatisierung und Digitalisierung unserer Anlagen.
Fabrício Feijó, Leiter des Bereichs Agrarprozessstechnologie bei BASF

„COMOS ist eine multidisziplinäre, integrierte Engineering-Software, die uns erlaubte, die gesamte Logik der bestehenden Leittechnik zu verstehen und in eine aktuelle, gängige Engineering-Sprache zu übersetzen. Dadurch hatte der Kunde (BASF) die Gewissheit, dass die Voraussetzungen für die Migration des gesamten Produktionsprozesses gegeben waren und dass intelligente Lösungen im Sinne von Industrie 4.0 implementiert werden konnten“, so Julio Cunha, Ressortleiter Chemische Industrie bei Siemens.

Der zweite Teil des Digitalisierungsprojekts für den Chemiekomplex der BASF umfasste die Integration der Plattform COMOS mit dem dezentralen Prozessleitsystem SIMATIC PCS 7. Dabei konnte dank der Erfassung von Daten aus sämtlichen Prozessen Vorteile beim Engineering erzielt werden. Beispielhaft zu nennen wären hier eine Reduktion der Fehlerhäufigkeit und Prozessausfallzeiten, eine höhere Systemzuverlässigkeit und die Standardisierung der Nomenklatur für die insgesamt rund 8.000 Geräte in der Produktionseinheit. Im Vergleich zur herkömmlichen Vorgehensweise, die gut vier Monate in Anspruch genommen hätte, konnte das Projekt mit den Lösungen von Siemens in nur 45 Tagen deutlich beschleunigt abgewickelt werden, was für die BASF neben Zeit- auch Kosteneinsparungen bedeutete.

„Als ein Unternehmen, bei dem Innovation zur DNA gehört, setzen wir einen deutlichen Schwerpunkt bei der Automatisierung und Digitalisierung unserer Anlagen. Mit der Implementierung dieses Projekts haben wir die Produktionsanlage im Komplex Guaratinguetá noch agiler, zuverlässiger und effizienter gemacht. Digitalisierung ist ein integraler Bestandteil unseres Geschäfts und ermöglicht uns, die Anforderungen unserer Kunden besser zu erfüllen“, erläutert Fabrício Feijó, Leiter des Bereichs Agrarprozessstechnologie bei BASF.

Über die Tatsache hinaus, dass der BASF-Chemiekomplex für Industrie 4.0 fit gemacht wurde, waren mit dem Digitalisierungsprojekt auch Nachhaltigkeitsvorteile verbunden. Alle technischen „As Built”-Unterlagen, die bisher in Papierform erstellt wurden, wurden digitalisiert und sind mittlerweile in einer einzigen zentralen Datenbank hinterlegt: COMOS. „Jetzt sind alle technischen Unterlagen aktuell, was größere Sicherheit bringt und die Risiken für unsere Kunden reduziert“, resümiert Emerson Antonio, Leiter Automatisierung BASF Südamerika. Dies ist ein Pionierprojekt in Südamerika und das erste seiner Art bei der BASF, die mehr als 360 Produktionseinheiten in rund 90 Ländern betreibt.

„Dem Beispiel dieser Implementierung folgend haben andere BASF-Einheiten begonnen, die Engineering-Software COMOS einzusetzen, und das Engineering-Team der BASF analysiert derzeit die Machbarkeit neuer Projekte mit weiteren Modulen, die im Tool verfügbar sind“, ergänzt Thiago Pellini, Key Account Manager bei Siemens.

Der Chemiekomplex der BASF in Guaratinguetá ist die größte Anlage des Unternehmens in Südamerika und liefert Erzeugnisse für über 1.500 Marktanwendungen wie Pflanzenschutzlösungen, Natriummethylat, Vorprodukte für Klebstoffe, Kunstharze, Farben und Lacke, Waschmittel, Kosmetika, Lösungen für die Automobilindustrie und anderes mehr. In der Anlage am Standort, in der dieses Projekt entwickelt wurde, produziert die BASF Fungizide für die Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten im Obst- und Gemüsebau.