Normen einfach verstehen

Mehr als 70% der Wohngebäude wurden in Deutschland vor 1980 errichtet. Angemessene Modernisierungen der Elektroinstallation sind eine enorme Chance für das E-Handwerk. So gewährleistet die richtige Wahl des Fehlerstromschutzgeräts, abgestimmt auf die Verbraucher und deren technische Eigenschaften, den Schutz von Personen Anlage, und damit auch Brandschutz.

Der richtige FI-Schutzschalter gemäß DIN VDE 0100-530

Die Wahl des richtigen FI-Schutzschalters hängt von den angeschlossenen Verbrauchern, den damit verbundenen Fehlerstromarten und dem Einsatzort ab. Aufgrund der zunehmenden Verbreitung von elektronischen Bauteilen in Verbrauchern sowie einphasigen Frequenzumrichtern in vielen Verbrauchern wie Staubsaugern, Spülmaschinen oder Lüftungsanlagen usw. berücksichtigt die aktualisierte DIN VDE 0100 530 auch FI-Schutzschalter vom Typ F. Sie erfassen Fehlerströme aus Mischfrequenzen, die von solchen Verbrauchern ausgehen können. Wenn ein Standard-FI-Schutzschalter vom Typ A aufgrund der Beeinträchtigung nicht in der geforderten Zeit auslöst, kann ein Schalter vom Typ F notwendig sein. FI-Schutzschalter vom Typ F sind standardmäßig kurzzeitverzögert ausgeführt, was zu einer zusätzlichen Ausfallsicherheit führt. Die aktualisierte Fassung der Norm empfiehlt den Einsatz kurzzeitverzögerter FI-Schutzschalter. Diese verhindern Fehlauslösungen, die z.B. durch LED-Beleuchtungen auftreten können. 

Langlebig unter fordernden Bedingungen mit SIGRES

Die SIGRES Funktionalität ist in FI-Schutzschaltern vom Typ B standardmäßig integriert und als Sonderserie auch für Schalter vom Typ A verfügbar. Dabei handelt es sich um einen patentierten, aktiven Kondensationsschutz, der auch unter erschwerten Bedingungen hohe Sicherheit und Lebensdauer garantiert. Die im Haltemagnetauslöser integrierte Heizfunktion macht den Schalter gegen Witterungseinflüsse wie Betauung resistent, wodurch er sich für den Einsatz in Kühlhäusern oder Außenaufstellungen, z. B. in Landwirtschaft oder in Häfen eignet. Auch Bestandteile der zunehmend wichtigen Ladeinfrastruktur wie Wallboxen können so überwacht werden.

Die Komponenten des Schalters korrodieren nicht und können selbst in Umgebungen mit Schadgasbelastung wie Hallenbädern (Chlorgas, Ozon), Landwirtschaft (Ammoniak) und Industrie (Schwefeloxid) eingesetzt werden. Weil sie für den Einsatz unter widrigen Bedingungen konzipiert sind, halten FI-Schutzschalter mit SIGRES Funktion in weniger beanspruchenden Betriebsumgebungen umso länger. 

Prüfkosten und Arbeitsaufwand mit SIGRES

Beim Einsatz in normalen Umgebungsbedingungen kann auf das Drücken der Prüftaste 48 Monate lang verzichtet und dadurch eine Arbeitsunterbrechung durch FI-Prüfung vermieden werden. Der Richtwert für die Prüffrist zum Prüfen einer elektrischen Anlage oder eines ortsfesten elektrischen Betriebsmittels beträgt 48 Monate. Die Verlängerung des Intervalls für die Funktionsprüfung senkt für Betreiber Arbeitsaufwand sowie Kosten für Prüfung und Dokumentation. Ein Tausch von bestehenden FI-Schutzschaltern gegen Geräte mit SIGRES Funktion ist aufgrund der gleichen Baugröße problemlos möglich.

Einsatz von Brandschutzschaltern – wesentliche Änderungen der aktualisierten Norm DIN VDE 0100 420:2019

Die vorherige Fassung der DIN VDE 0100-420 beschränkte den Einsatz von Brandschutzschaltern auf Stromkreise mit einem Betriebsstrom von höchstens 16 A. Diese Limitierung ist in der aktualisierten Norm aufgehoben. Außerdem werden, unabhängig von Gebäudeart und -nutzung, besondere Schutzvorkehrungen für alle Räumlichkeiten mit Schlafgelegenheiten empfohlen. Für das genannte Spektrum an Räumen ist in der überarbeiteten Fassung die Installation eines Brandschutzschalters nicht mehr zwingend erforderlich. Wird jedoch auf den Einsatz von AFDDs verzichtet, muss eine Sicherheits- und Risikobeurteilung durch Fachpersonal durchgeführt und dokumentiert werden.

Die regelkonforme Durchführung und Dokumentation einer solchen Risikobewertung ist sehr anspruchsvoll und zeitintensiv. Jedoch können im Schadensfall Personen zur Verantwortung gezogen werden. Kann nachgewiesen werden, dass der Schaden durch eine mangelhafte Gefährdungsbeurteilung oder eine Missachtung der allgemein anerkannten Regeln der Technik (VDE-Richtlinien) entstanden ist, können Planer oder Errichter wegen Baugefährdung (StGB §319) haftbar gemacht werden. Durch den Einbau eines Brandschutzschalters oder der Durchführung einer Risiko- und Sicherheitsbewertung kann die Elektrofachkraft sicher sein, das maximale Schutzziel und sich an die anerkannten Regeln der Technik erfüllt zu haben.