Arbeitsplatz 4.0: Mensch und Maschine Hand in Hand

Future Maker Johannes Labuttis

Johannes Labuttis bringt bei Siemens Mensch und Maschine zusammen. Fast buchstäblich nimmt er Roboterarme und Werksbeschäftigte an die Hand und führt sie in die digitale Zukunft der Fabrikarbeit. Der 33-Jährige entwickelt Lösungen, die komplexe Fertigungsmethoden revolutionär einfach werden lassen und Werksbeschäftigten mehr Zeit für anderes ermöglichen.

Johannes Labuttis bringt bei Siemens Mensch und Maschine zusammen. Fast buchstäblich nimmt er Roboterarme und Werksbeschäftigte an die Hand und führt sie in die digitale Zukunft der Fabrikarbeit. Der 33-Jährige entwickelt Lösungen, die komplexe Fertigungsmethoden revolutionär einfach werden lassen und Werksbeschäftigten mehr Zeit für anderes ermöglichen.

 

Die Digitalisierung verändert alles. Wie wir nach Produkten suchen, sie schon beim Aussuchen nach unserem Geschmack konfigurieren, wie wir sie kaufen und geliefert bekommen. Dies hat auch tiefgreifende Auswirkungen darauf, wie die Industrie Produkte herstellt und nach den Wünschen der Kunden so individuell wie möglich gestaltet. „Gab es früher drei Varianten von einem Produkt, können Kunden heute zwischen zig Optionen wählen. Das hat die Komplexität der Industriefertigung so in die Höhe geschraubt wie noch nie“, erklärt Johannes.

„Darf ich vorstellen: Kollege Roboter“

Johannes‘ Ideen sind immer dann gefragt, wenn ein Siemens-Werk vor einer wegweisenden Entscheidung steht. Wie auch bei einem erst kürzlich abgeschlossenen Projekt, bei dem ein Produkt so gut lief, dass die Kollegen die Nachfrage nicht mehr bedienen konnten. Sollte das Werk den Ausstoß lieber mit einer zweiten Fertigungslinie nach bewährter Produktionsweise erhöhen oder die zusätzliche Produktion durch vernetzte Fertigungsroboter neuester Generation automatisieren?

 

Die Antwort darauf war nicht so simpel, wie man meinen sollte. Natürlich sind Maschinen physisch leistungsfähiger als Menschen, aber einem eingespielten Team erfahrener Arbeitskräfte sind sie feinmotorisch und kreativ unterlegen. Daher fiel die Wahl auf einen kollaborativen Ansatz, bei dem eine neue Generation kleinerer und smarterer Roboterarme mit menschlichen Kollegen Hand in Hand arbeitet. Die Roboter erledigen seitdem sich stark wiederholende Aufgaben, während die Beschäftigten die komplexeren Teilschritte verantworten.

Der Weg zum „vollkommenen“ Arbeitsplatz

Die Lösung für solche und ähnliche Projekte entwickelt Johannes nicht am fernen Schreibtisch in München. Stattdessen begibt er sich vier Tage die Woche an den Puls des Geschehens, um mit den Mitarbeitern gemeinsam eine Lösung zu entwickeln. Vor Ort macht er ein, zwei Wochen eine Bestandsaufnahme und klärt dann in Workshops mit Mitarbeitern Anforderungen und Wünsche. Schließlich ist die Aussicht darauf, künftig mit Kollege Roboter zusammenzuarbeiten, ein Kulturwandel, den es vorzubereiten gilt. Bislang erfuhr Johannes jedoch nur positive Resonanz.

 

Anschließend lässt er sich von den Werksbeschäftigten vor Ort die Handgriffe erklären, packt selbst mit an. Als erfahrener Maschinenbau-Ingenieur kann er mitreden, hat schon eigenhändig Anlagen konstruiert und installiert. Nach der Analyse entwickelt er Vorschläge, probiert sie gemeinsam mit den Mitarbeitern vor Ort aus und nimmt etwas Feinschliff vor, wenn eine Idee in der Praxis noch nicht auf Anhieb optimal ist. „Das Ziel ist es, eine ‚vollkommene‘ Mitarbeiteraufgabe zu gestalten, wie wir das bei Siemens nennen. Erst dann ist mein Beitrag erledigt“, erklärt Johannes.

 

Von der ersten Ortsbesichtigung bis zur Inbetriebnahme von Robotern oder einer anderen neuen Lösung ist Johannes dabei. „Anders als externe Berater lasse ich das Werk nicht mit der Umsetzung allein. Ich kann ‚Vorher‘ und ‚Nachher‘ vergleichen, erlebe die positiven Auswirkungen mit eigenen Augen. Wenn ein Mitarbeiter nach dem Projektende zu mir kommt und sagt: ‚Das ist jetzt viel besser‘, dann ist das ist die schönste Belohnung für meinen Einsatz“, schildert er.

Digitale Technik macht Menschen nicht überflüssig

Immer öfter unterstützen in Siemens-Werken smarte Roboter menschliche Beschäftigte. Weil die Roboterarme viel leiser und so intelligent sind, dass sie nicht mehr in großen Sicherheitskäfigen eingehaust sein müssen, fügen sie sich sehr natürlich ins Bild ein. Es fällt auf den ersten Blick kaum auf, dass Maschinen mit Menschen harmonisch miteinander arbeiten. Der Technologiesprung der Industrie 4.0 lässt die Industriefertigung in diesem Sinne menschlicher und weniger maschinell wirken. Dennoch bleiben echte Menschen der Mittelpunkt.

 

„Ich rationalisiere keine Beschäftigten weg. Es gibt immer genug Aufgaben für die Mitarbeiter in anderen Bereichen des Werks“, berichtet Johannes. „Die Angst, dass Roboter Menschen komplett ersetzen, halte ich für unbegründet. In vielen Fällen werden immer noch die individuellen Fähigkeiten von Menschen benötigt.“ Als Beispiel nennt er die Qualitätssicherung von Oberflächenmaterialien. Selbst die leistungsfähigsten Kameras und Sensoren können Unebenheiten nicht so präzise erkennen wie der Tastsinn von Fingern. „Und am Ende geht es einfach um die beste Lösung“, nennt Johannes sein Leitmotiv.

Schon immer auf der Suche nach der „besten Lösung“

Bei Siemens die Zukunft der Industrieproduktion mitzugestalten, ist für Johannes ein Traumjob. Bereits als Werksstudent im Schalterwerk Regensburg faszinierte den damals angehenden Maschinenbauer die Vielfalt der Siemens-Welt. „Was bei Siemens entsteht, ist so unterschiedlich, dass ich ständig neue Herausforderungen entdecken kann. Das hat mir schon immer Spaß gemacht.“

 

Nach dem Diplom stieg der Ingenieur Anfang 2010 beim Sondermaschinenbau von Siemens in München ein. Dort konstruierte er Komponenten oder ganze Anlagen für innovative Einsatzzwecke, für die es am Markt noch keine Blaupause gab.

 

Kollegen weckten seine Begeisterung für den Bereich der Produktionsoptimierung, zu dem er drei Jahre später wechselte. Daran reizte ihn, Klammern für noch viel größere Zusammenhänge zu finden. Schließlich gilt es dabei neben der eigentlichen Produktionstechnik viele weitere Aspekte entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu berücksichtigen. „Siemens ist offen für Veränderungen. Weil die Technologie niemals stillsteht, gibt es für mich immer etwas zu tun“, ist Johannes überzeugt.

Hinweis: Bei der Bezeichnung von Personen sind stets Personen jeglichen Geschlechts gemeint.