Du schon wieder

Future Makers Ane und Katia Ludwig Lasa

Vom ersten Tag an Geld verdienen. Mit Profis arbeiten. Selbst etwas machen! Das duale Studium bei Siemens ist die ideale Ausbildung, finden Ane und Katia Ludwig Lasa. Selbst wenn die Schwester im selben Hörsaal sitzt.

Jetzt studieren sie auch noch dasselbe. Eigentlich wollten Katia und Ane nach der Schule endlich getrennte Wege gehen. Nicht mehr im Doppelpack auftreten, die eineiigen Zwillinge mit den dunkelblonden Haaren, demselben Abiturprofil, denselben Freunden. Doch dann lagen plötzlich zwei identische Umschläge im Briefkasten ihres spanischen Elternhauses. Zwei Briefe aus Deutschland, von Siemens in München, mit demselben Inhalt: einer Zusage für einen Studienplatz.

 

„Wir haben uns nicht abgesprochen. Jede hat für sich eine Entscheidung gefällt“, erzählt Katia, die eine Minute älter ist als ihre Schwester. „Und wir waren beide sofort entschlossen, diese Chance zu nutzen“, sagt Ane. Das Angebot war einfach zu verlockend: ein Studium zum Bachelor of Engineering in Elektro- und Informationstechnik, kombiniert mit einer Ausbildung zur Elektronikerin für Automatisierungstechnik. Ihre Lieblingsfächer, dazu ganz viel Praxis, Ausprobieren, Selbermachen. Nicht nur Rechnen und Formeln auswendig lernen, sondern an echten Projekten mitarbeiten. Und das Ganze bei einem Unternehmen, das weltweit arbeitet. „Da wir beide dieselben Stärken haben, konnte Siemens ja schlecht eine von uns ablehnen und die andere nehmen“, meint Ane. „Wir hatten dieselbe Qualifikation, unser Notenschnitt lag nur 0,02 Punkte auseinander.“

Gute Voraussetzungen, um weltweit zu arbeiten

Eine Hürde mussten sie noch nehmen: den deutschen Sprachtest. Der fiel nicht schwer, schließlich haben sie einen deutschen Vater und sprechen die Sprache von klein auf. Wenn aber im Münchner Wohnheim die Fetzen flogen, weil die Zwillinge sich anfangs ein Zimmer teilen mussten, dann flogen sie auf Baskisch, der Sprache ihrer nordspanischen Heimat.

 

Englisch und Spanisch sprechen sie auch, Katia dazu noch Französisch – gute Voraussetzungen, um auf der ganzen Welt zu arbeiten. Dazu kommt ihr Mut, für ihre Ausbildung in ein fremdes Land zu ziehen, weit weg von Freunden und Familie.

 

„In Spanien gibt es kein duales Studium. Ich finde aber gerade die Verbindung aus praktischer Ausbildung und Studium toll“, sagt Katia. „Nur Theorie, zum Beispiel ein Mathestudium, das wäre mir zu trocken. Maschinenbau konnte ich mir vorstellen, da hatte ich mich auch um Studienplätze beworben.“ Ideal aber sei die Kombination aus Berufsschule und Praxis bei Siemens einerseits und dem Studium an der Münchner Hochschule für angewandte Wissenschaften auf der anderen Seite. Dass sie während der Semesterferien nicht so viel Ferien hat wie andere Studierende, findet sie nicht so schlimm. „Die anderen müssen jobben, um Geld zu verdienen. Ich bekomme vom ersten Tag an ein Gehalt.“ Und am Ende haben Katia und Ane zwei Abschlüsse: einen Berufsabschluss von der Industrie- und Handelskammer und einen Bachelor.

Mit Automatisierung das Leben erleichtern

Sofort Geld verdienen, als Kollegin ernst genommen werden, Teil eines Unternehmens sein – die Schwestern fühlen sich wohl und wertgeschätzt. Zwölf Teilnehmer zählt ihre Ausbildungsgruppe, sieben davon sind junge Frauen. „In früheren Jahrgängen war das Verhältnis eher fünfzehn Männer zu einer Frau“, sagt Ane. „Da verändert sich gerade was.“

 

Ane wollte schon als Kind wissen, wie Maschinen funktionieren und was unter der Motorhaube eines Autos steckt. In der Schule wählte sie Robotik, heute arbeitet sie bei Siemens in der Abteilung Gebäudetechnik. Sie klettert auf Baustellen herum, lernt, wie Heizung, Belüftung, Beleuchtung, Kältemaschinen, Jalousien in ein Haus integriert werden. Wie man sie vernetzt und digital steuert. Und sie programmiert selbst schon ein wenig. „Ich arbeite mitten im realen Leben, höre Kunden zu, wenn sie erklären, was sie wollen.“ Mit einer guten automatischen Steuerung könne man das Leben sehr erleichtern – und Häuser ökologisch verbessern.

Katia experimentierte immer schon gern, zum Beispiel mit dem Technikkasten, den Ane ihr mal schenkte. Wie sie am Computer etwas ausprobiert, lernt sie in der Abteilung Fachberatung Digitale Fabrik. Dort dreht sich alles um die Automatisierung und Steuerung von Maschinen, zum Beispiel in der Abfüllanlage einer Brauerei. Wie diese arbeiten soll, simulieren die Ingenieure erst mal am Computer. So lassen sich Fehler in den Prozessen finden, bevor die Maschinen laufen. Das spart nicht nur Ärger und Geld, sondern auch Ressourcen. Dass in unserer Welt immer mehr Daten online gehen, sieht Katia als große Chance – und einen Weg, der lange noch nicht zu Ende ist. „Wer weiß, was wir in fünf Jahren alles digitalisieren?“

 

Neben der täglichen Arbeit bekommen die Studierenden besondere Übungsaufgaben. In der digitalen Fabrik sollten sie eine Aufzugsteuerung entwickeln. Katia, die schon in der zehnten Klasse mit Alufolie eine Schaltung für eine Garagentür gebaut hatte, ging euphorisch ans Werk, doch das war ganz schön kompliziert. Acht Wochen brauchten sie, die Lösung fanden sie mit Hilfe der Computersimulation – und im Team.

 

Knifflige Aufgaben gemeinsam angehen, das machen Ane und Katia schon ihr Leben lang. Weiß die eine nicht weiter, macht die andere einen Vorschlag. Hat die andere eine Idee, fällt der einen auch etwas dazu ein. Doch am Ende ist oft nicht mehr klar, von wem die geniale Idee denn nun stammt.

Hinweis: Bei der Bezeichnung von Personen sind stets Personen jeglichen Geschlechts gemeint.