Ein starkes Duo

Ein starkes Duo

Future Maker Alex Joswig und Felix Petermann

Felix war ein Eishockey-Star, Alex auf dem Karrierepfad im Unternehmen – bis beide an einen Wendepunkt kamen, der ihre Geschichten verbinden sollte. Heute sind sie ein unschlagbares Team.

Es ist unwahrscheinlich, dass Alex Joswig und Felix Petermann sich getroffen hätten, wären sie nicht an einen jener Wendepunkte gelangt, die das Leben nicht nur verändern, sondern es geradewegs auf den Kopf stellen. Seit mehreren Jahren arbeiten sie im Tandem und feilen an denselben Projekten, Alex von Mannheim aus, Felix in Frankfurt. Doch wenn man beschreiben will, was ihr Duo besonders macht, steht nicht so sehr im Vordergrund, dass die beiden Mittdreißiger in der Unternehmensstrategie von Siemens Building Technologies den Marktwettbewerb analysieren und das Management in Zukunftsfragen beraten; das Außergewöhnliche wird vielmehr sichtbar, wenn man Alex und Felix kennenlernt. Wer also ist Alex, und wer ist Felix?

„Hauptsache höher, schneller, weiter“

Schon 2002 kam Alex zu Siemens, den Anfang markierte sein duales BWL-Studium. Als er sich bewarb, war der gebürtige Mannheimer bereits bestens für seine Karriere gerüstet. In der Schule hatte er sich zu Höchstleistungen angeheizt, im Studium erhöhte er das Tempo nochmal. „Ich hatte kein bestimmtes Ziel, Hauptsache eine steile Karriere“, sagt er. Nach dem Abschluss stieg er fest bei Siemens ein – und er stieg auf. Immer gemäß der „Drei-Jahre-Regel“: Im ersten Jahr lernen, im zweiten Jahr anwenden, im dritten Jahr der Firma etwas zurückgeben, dann den Bereich wechseln. Sprosse für Sprosse auf der Karriereleiter.

 

Auch Felix hatte da schon einige Sprints hingelegt, und zwar wortwörtlich. So wie die meisten, die im Umkreis von Füssen im Allgäu aufwachsen, war er begeisterter Eishockeyspieler. „Mein Leben drehte sich komplett um Sport“, sagt er, doch während für fast alle um ihn herum die Profikarriere ein Traum blieb, wurde seiner allmählich wahr. Als er 12 Jahre alt war, wurde der Verein auf sein Talent aufmerksam, und Felix legte sich umso mehr ins Zeug. Das Training wurde härter, in der Schule sammelten sich die Fehltage, aber er bestand das Abitur. „Meine Eltern haben mir immer zugeredet, dass ich einen Plan B brauche, falls mal eine Verletzung kommen sollte.“ Wie jeder junge Sportler wollte er von Hindernissen nichts wissen. Bald bekam er einen Vertrag in der ersten Liga.

 

Alex wechselte planmäßig die Position und ging nach Erlangen, wo der damalige Energy-Sektor von Siemens beheimatet war. Er übernahm Verantwortung in der Revision, seine Arbeit ließ ihn quer über die Kontinente reisen. Drei Jahre und eine Sprosse weiter stand ihm der nächste Schritt nach oben bevor, es ging in den Bereich Business Technologies nach Frankfurt. „Ich wusste, dass ich robust und ehrgeizig genug bin, um es weit zu bringen“, sagt er.

Eine Sekunde, die alles verändert

2011 gelang Felix der Sprung in die Eishockey-Nationalmannschaft. Als Kapitän war er ein Star, über Jahre schmückte sein Gesicht jedes Poster, jeden Merchandise-Artikel. „Alle um mich herum machten mir klar, wie wichtig ich für die Mannschaft war“, sagt Felix. „Bis es plötzlich vorbei war.“ Der Bruchteil einer Sekunde beendete 2014 seine Profikarriere. „Ich sehe noch vor mir, wie ich die Scheibe zugespielt bekomme und einen Pass nach vorne spiele.“ Dann wich er einem Gegenspieler zu spät aus. Beim Sturz nahm seine Schulter so starken Schaden, dass auch ein Jahr Therapie sie nicht heilen konnte. Sein Vertrag wurde nicht verlängert.

 

Was genau passierte, als Alex’ Leben sich grundlegend änderte, daran erinnert er sich nicht. Lediglich, dass er auf dem Weg zu einer Firmenveranstaltung an ein Stauende geriet. Viel später erfuhr er, dass ein Lastwagen sein Auto übersehen hatte. Die Folgen wurden ihm nur langsam bewusst, während mehr als eines Jahres im Krankenhaus und in der Reha. „Am Anfang habe ich alles verschwommen wahrgenommen. Es hat viel Zeit gebraucht, bis ich im vollen Umfang begriffen habe, was der Unfall bedeutet.“ Seitdem sind fast sechs Jahre vergangen.

Mit vereinten Kräften

Lange war Alex’ gesundheitliche Situation instabil. Ein Ziel war es, trotz der schweren Lähmung wieder arbeiten zu können, obwohl die Ärzte ihm wenig Hoffnung machten. „Der Job war für mich immer eine Erfüllung“, sagt Alex. „Ich wusste, dass ich es unbedingt dorthin zurückschaffen wollte.“ Inzwischen ist er wieder ein fester Bestandteil seines Frankfurter Teams. Seine Stelle wurde so organisiert, dass Alex sie auch im Rollstuhl ausüben kann, zwei Tage pro Woche von Mannheim oder von zu Hause aus. „Ich wollte keine Beschäftigungstherapie, ich wollte einen wertvollen Beitrag leisten. Man hat mir viel ermöglicht, damit das geht“, sagt Alex.

Im Konzern stand man zu ihm, und sein Chef schlug ein Tandem mit dem Quereinsteiger vor – da war Felix gerade frisch ins Team gekommen. Er hatte den Rat seiner Familie befolgt und neben dem Profisport BWL studiert. Auf einer Veranstaltung war zufällig der Kontakt zu Siemens entstanden, Felix absolvierte ein Praktikum, schrieb seine Masterarbeit im Unternehmen und bekam später eine Stelle in der Unternehmensstrategie in Frankfurt. „Die Loyalität des Unternehmens war überwältigend und so ziemlich das Gegenteil meiner negativen Erfahrung im letzten Verein“, sagt Felix.

 

Nach den ersten Telefonaten mit Alex war klar: Diese Zusammenarbeit macht richtig viel Sinn. Alex brachte viele Jahre Erfahrung ein, Felix war Feuer und Flamme für die neuen Aufgaben. Drei Jahre später sind sie ein eingespieltes Team, das eng zusammenarbeitet, und auch als Sparringspartner ergänzen sie sich. „Felix gibt alles für seine Themen und will sie wirklich voranbringen“, sagt Alex. „Sein Input ist unschlagbar und steigert die Qualität unserer Ergebnisse enorm. Ich bewundere Alex sehr. Mein sportliches aus ist zwar tragisch, steht aber in keinem Verhältnis dazu, was Alex erlebt hat – er ist aus meiner Sicht der wahre ‚Future Maker‘“, sagt Felix. Für beide mit am wichtigsten: „Wir sind komplett ehrlich miteinander und nehmen kein Blatt vor den Mund.“

 

Nicht zuletzt schätzen sie an ihrer Arbeit im Duo, dass sie damit zentrale Zukunftsfragen berühren. „Wie wollen wir in Deutschland mit Behinderten und Schwächeren umgehen? Was ist ein Unternehmen bereit, für sie zu investieren? Wir sprechen hier über Themen, die die gesamte Gesellschaft betreffen“, sagt Alex. Und fügt hinzu: „Ich bin stolz, dass wir in der Praxis beweisen, was eine moderne Art der Zusammenarbeit bewirken kann.“