Eine Stimme für das sprechende Haus

Future Maker Lukas Kocheise

Gebäude schaffen Räume für große Ideen und vertraute Gemeinschaften. Der 28-jährige Lukas Kocheise will sie zu perfekten Orten für uns alle machen. Ein Ideal, das dank der Digitalisierung endlich in Griffweite rückt.

Rund 90 Prozent ihrer Lebenszeit verbringen Menschen heutzutage in Gebäuden. Wir bauen sie, aber sie prägen, wie wir lernen, arbeiten, Menschen begegnen, Ziele erreichen und Erfolge feiern. „Aspekte wie Licht, Raumklima, Sicherheit und Orientierung hatten schon immer einen großen Einfluss darauf, wie wohl wir uns im Büro, Besprechungsraum, Klassenzimmer oder Labor fühlen und wie produktiv wir dort sein können. Die Digitalisierung ermöglicht es uns jetzt, sie zu perfekten Orten zu machen,“ erklärt Lukas, Digital Development Consultant bei Siemens.

 

Klimaanlagen, Heizungen, Jalousien und Licht mithilfe von Sensoren und Cloud-Software automatisch zu steuern, das ist schon lange nicht mehr aufregend. Stattdessen befassen sich Experten wie Lukas damit, wie Chatbots auf Smartphones die Navigation durch ein Gebäude vereinfachen können oder wie Kameras mit der Hilfe von Heatmaps erkennen können, wo sich unbelegte Betten in Krankenhäusern oder freie Arbeitsplätze in Coworking Spaces befinden.

Gebäude zum Sprechen bringen – und sie verstehen lernen

Dies erfordert ein neues Verständnis über das Geschehen innerhalb von Häusern. Dafür bringen Lukas und seine Kollegen Gebäuden das Sprechen bei. Etwa darüber, ob die Klimaanlage optimal funktioniert und wann ein Lüftungsfilter ausgetauscht werden sollte, bevor er verschleißt. Oder wann Heizung und Licht wirklich benötigt werden. Natürlich sprechen Gebäude nicht mit Worten, sondern in Daten. Sie haben viel zu sagen. Schließlich erzeugen intelligente Geräte in jeder Sekunde enorme Datenmengen. In diese Datenströme System zu bringen, ist wie Lego-Steine nach Farbe und Form zu sortieren.

 

Lukas hilft Gebäudebetreibern dabei, ihre digitalisierten Systeme mit einer Stimme sprechen zu lassen und daraus die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen. „Es ist toll zu sehen, wie viele Kunden engagiert die Chancen der Digitalisierung ergreifen, erklärt Lukas. Genau an diesem Punkt setzt er an und navigiert Gebäudetechnik-Kunden auf neuartige Weise durch die digitale Transformation.

Agil und dynamisch wie in einem Start-up

Zu diesem Zweck baut der Wirtschaftsingenieur in Frankfurt/Main derzeit ein Consulting-Team auf, das die bundesweiten Gebäudetechnik-Niederlassungen von Siemens sowie deren Kunden unterstützt. Mit innovativen Beratungsansätzen betritt Lukas‘ Team im Industriebereich Neuland.

 

In der Beratung setzt Lukas auf agiles Projektmanagement, mit dem sein Team in ein- oder zweiwöchigen Sprints Ideen voranbringt und damit in kurzen SCRUM-Etappen Ziele erreicht. Weil er im Laufe der mehrmonatigen Projektphase dadurch deutlich schneller und öfter ein Feedback erhält, kann er viel rechtzeitiger entscheiden, ob er einen Kurs beibehält oder ändert. „Diese dynamische Arbeitsweise ist sehr motivierend und produktiv für alle. Obwohl das Team Teil eines Konzerns ist, agieren wir wie in einem Start-up.“

 

Bei Siemens kann Lukas dabei auf viele wichtige Ressourcen zurückgreifen: „Allein in der Gebäudetechnik stehen mir 5.000 Siemens-Kollegen zur Seite, die Spezialisten auf ihrem Gebiet sind und sich mit Innovationen wie Blockchain und Internet of Things beschäftigen. Mich begeistert, eine solche High-Tech-Vielfalt in konkrete Lösungen zu implementieren und die Zukunft mitgestalten zu können.“

Spielmacher mit Weitblick

Viele der Einzelmaßnahmen klingen an sich schon nach „Science-Fiction“. Doch Lukas denkt weiter: „Nur wenn die gesamte Gebäudetechnik vom Keller bis zum Dach ineinandergreift, bietet das Gebäude den Menschen, die sich darin aufhalten, das beste Erlebnis und dem Betreiber die größte Nachhaltigkeit“, betont Lukas.

 

In großen Zusammenhängen zu denken, das hat der 28-jährige schon früh gelernt: „Meine Eltern haben mir vermittelt, wie wichtig es ist, eine Angelegenheit aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und dass Technik und Wirtschaftlichkeit einher gehen müssen.“ Deshalb entschied er sich für ein duales Studium zum Wirtschaftsingenieur.

 

Dabei erhielt er zunächst Einblick in den Teilbereich der Gebäudesicherheit und erkannte schnell: „Es ist nicht mehr der Fortschritt in einzelnen Bereichen, der die Entwicklung treibt, sondern die Vernetzung aller Bereiche.“ Dieser Weitblick unterstützt ihn auch heute, zum Beispiel beim Aufbau der neuen Consulting-Abteilung. „Niemand ist in der Lage, alle technischen Aspekte der Digitalisierung zu erfassen. Nur im Zusammenspiel können wir die Vorstellung perfekter Orte real werden lassen“, ist Lukas überzeugt.

 

Diese Prämisse hat den begeisterten Fußballer nicht zuletzt auch der Erfolg auf dem Platz gelehrt, wo er als strategische „Sechs“ vor der Abwehr das Spiel macht und das Team in Szene setzt. „Es gibt allen ein unglaublich gutes Gefühl, wenn sie erkennen, was möglich ist, wenn man sein Wissen und Können für ein gemeinsames Ziel einsetzt.“ Das gilt auf dem Fußballrasen genauso wie beim Planen von intelligenten Gebäuden.

Hinweis: Bei der Bezeichnung von Personen sind stets Personen jeglichen Geschlechts gemeint.