Im Kampf gegen die dunkle Seite der Technologie

Future Maker Ben Collar

Technologie verändert unser aller Leben. Aber können wir sie auch sicher benutzen? Cybersecurity-Experte Ben Collar zeigt, welche Risiken aus unserer stetig wachsenden Technologie-Abhängigkeit entstehen. Und er erklärt, warum wir uns Gedanken darüber machen müssen, wie viele Informationen wir teilen.

Es ist kein Geheimnis: Technologie durchdringt unser Leben. Bei der Arbeit, in unserem Privatleben, bei der Kommunikation mit Familie und Freunden und wenn wir etwas Neues lernen. Das heißt jedoch noch lange nicht, dass sie auch sicher ist. Bens Aufgabe ist es, damit verbundene Risiken zu erkennen und zu reduzieren. „Es gibt viele Herausforderungen. Weil überall Technologie integriert ist, haben wir nun auf der ganzen Welt mit den Begleiterscheinungen zu kämpfen. Wir haben einfach nicht darüber nachgedacht, dass Technologie auch mit vielen Gefahren verbunden ist.“

 

Ben leitet das Cybersecurity-Team bei Siemens Power Generation Service in Europa. Er ermöglicht den richtigen Menschen Zugang zu bestimmten Technologien. Ein Beispiel? Rettungswagen vernetzen sich mit Ampeln, um schneller zum Krankenhaus zu kommen. Dabei muss sichergestellt sein, dass nur der Krankenwagen diese Möglichkeit bekommt und nicht jemand anders.

 

Andere Beispiele findet man in unseren privaten Smart Homes: Wie schließt man aus, dass Fremde hineinkommen? Wie stellt man sicher, dass sie keinen Zugriff auf persönliche Informationen haben? Dass sie nicht auf Geräte wie ein Babyphone mit Monitor zugreifen können? Auch im Gesundheitswesen gibt es viele Beispiele: Hier geht es um den Zugriff auf Patientenakten oder darum, wie man verhindert, dass ein Fremder sich in einen internetfähigen Herzschrittmacher einhackt.

 

Wir müssen also Lösungen finden, bevor sie tatsächlich gebraucht werden. Ben und sein Team von Sicherheitsexperten helfen dabei, Energieanlagen in Europa zu sichern. Sie sorgen dafür, dass Kraftwerke und Energieproduzenten möglichen Angreifern immer einen Schritt voraus sind.

Für Ben ist es aber mehr als eine technische Aufgabe, uns vor Schwächen im System zu schützen. Er sieht darin auch eine Chance: „Es ist wichtig für jeden von uns, seine Entscheidungen gut überlegt zu treffen: Wie viel aus deinem Leben vertraust du deinem Smartphone an? Was sollen andere Menschen über dich und dein Zuhause wissen? Wir alle haben die moderne Technologie schnell angenommen. Sie ist sogar in unseren Schlafzimmern, in unseren Träumen und unter unseren Kopfkissen. Privatsphäre bedeutet aber nicht unbedingt, dass man etwas zu vertuschen hat. Es geht vielmehr um eine persönliche Integrität und darum, selbst entscheiden zu können, was man anderen von sich preisgibt.“

 

Wie behält Ben selbst die Kontrolle in einer Welt mit komplizierten Datenschutzbedingungen? Und wie vereint er Privatsphäre mit dem Wunsch, neue Technologien in seinem Leben zu nutzen? „Indem ich aktiv Entscheidungen treffe. Auf meinem Handy ist zum Beispiel ein Spiel, das auf ortsgebundene Daten zugreift, das heißt, ich verrate, wo ich gerade bin. Das ist für mich akzeptabel, weil ich mich bewusst dafür entschieden habe.“ Je mehr Technologie wir in unser Leben lassen, desto mehr Gedanken sollten sich Menschen machen. Eine Lösung wäre für Ben im Prinzip ganz einfach: „Wenn jeder anfängt, die richtigen Fragen zu stellen, wird alles gut.“

Bens Entscheidung, bei Siemens zu arbeiten, hatte also nicht nur etwas mit Technologie zu tun, sondern vor allem damit, dass er einen Sinn in seiner  Arbeit sehen wollte. „Bei Siemens zu arbeiten bedeutet für mich vor allem, während der Arbeit die Welt zu entdecken und gleichzeitig kreativ sein zu können. Außerdem beschäftige ich mich mit Dingen, die wichtig sind – zum Beispiel habe ich einige Jahre an Brandschutzsystemen gearbeitet. Es gibt kaum etwas Wichtigeres, als Menschen zu retten, indem man ihnen zum Beispiel sagt, dass es höchste Zeit ist, das Gebäude zu verlassen.“

 

Wer sich mit Bens Lebenslauf beschäftigt, versteht, warum er eher von der menschlichen als von der technischen Seite aus denkt. „Ich habe einen Abschluss in Computerwissenschaften an der Universität von New Mexico gemacht. Danach zogen meine Frau und ich in die Wüste, etwa eineinhalb Stunden außerhalb von Santa Fe. Unsere Hütte war aus Lehmziegeln und in der Mitte stand ein Baum, der sie hielt“, erklärt Ben. „Wir sind beide in der Wüste aufgewachsen und lieben die Natur. Als wir die Möglichkeit bekamen, aufs Land zu ziehen, in eine unterentwickelte und steinige Gegend, in der überall Kakteen wachsen, haben wir sofort zugegriffen.“

Der Schlüssel zu Cybersecurity

Vertrauen, Integrität und Verfügbarkeit sind für Ben die Eckpfeiler der Privatsphäre. Wie sie umgesetzt werden, hängt vom jeweiligen Produkt ab. „Eine unserer größten Herausforderungen ist der so genannte Vertrauensanker“, erklärt er. „Das ist die digitale Version vom Haustürschlüssel, der unter der Matte oder in einem Blumentopf versteckt wird.

Wenn alle digitalen Geräte einen solchen Schlüssel haben, wie bewahren wir sie dann sicher auf?“ Selbst bei scheinbar harmlosen Geräten ist die Frage wichtig, damit sie geschützt bleiben. „Nehmen wir als Beispiel einen Feuermelder oder eine Ampel“, sagt er. „Die Menschen sollen ihre Signale bemerken. Doch wie bekommen sie die richtigen Informationen?“ Also ist die erste Frage: Wo versteckt oder wie verschlüsselt man sie? Die zweite Frage dreht sich um die Lebensdauer: Wie lässt man eine Verschlüsselung verfallen oder erneuert sie, damit sie immer aktuell ist? Die dritte Frage hat mit der Verwaltung zu tun: Wie stellt man sicher, dass die richtige Person Zugang zu den Schlüsseln hat? „Diese drei Prinzipien muss man unbedingt auch auf Produkte von Siemens anwenden“, sagt Ben. „Es ist grundsätzlich schwierig, sie im Gleichgewicht zu halten. Aber wenn wir ein Produkt in Betracht ziehen, das eine Lebensdauer von 20 Jahren hat, müssen wir uns für eine Lösung wirklich die Köpfe zerbrechen.“

Hinweis: Bei der Bezeichnung von Personen sind stets Personen jeglichen Geschlechts gemeint.