Kampf gegen Krebs: Ist die Lösung digital?

Future Makers André Martins und Jan van Herpe

Man sollte meinen, dass Krebs sich längst besiegen lässt. Schließlich entwickelt sich die Gesundheitsbranche dank bahnbrechender neuer Ideen von Start-ups rasant weiter. Jan van Herpe und André Martins setzen im Kampf gegen Krebs auf ein neues Dokumentationssystem.

Obwohl es über 14 Millionen Neudiagnosen pro Jahr gibt, bleibt Krebs eine sehr individuelle Krankheit. Bisher wird Krebs in der Regel mit Strahlen- oder Chemotherapie behandelt. Ärzte kombinieren sogar oft beide Therapieformen. Die Folge? Starke Bestrahlung und Medikamentencocktails töten zwar die Krebszellen – aber unter Umständen auch die gesunden Zellen. Außerdem hat diese Behandlung schwere Nebenwirkungen. Auf diese Art eine Krankheit zu heilen, die so individuell ist wie jeder einzelne Mensch aufgrund seiner Gene und seines Lebensstils, führt also nicht immer zum Erfolg. Aber neuartige personalisierte Impfungen könnten helfen, Millionen Leben zu retten.

Digitale Lösungen schaffen Zeit für wirklich Wichtiges

BioNTech, eine Bioscience-Firma aus Mainz, geht einen anderen Weg: Dort bekämpft man Krebs, indem man das körpereigene Immunsystem ankurbelt und die Behandlung für jeden Patienten individuell anpasst.

BioNTech bereitet damit den Weg für die Zukunft vor: Dann nämlich soll die Krebsbehandlung nur die kranken Zellen treffen und nicht wie heute große Teile des menschlichen Körpers. Doch während BioNTech wächst und seine revolutionäre Behandlungsform durch klinische Studien bestätigt werden muss, könnte die enorme Datenmenge, die dabei verarbeitet wird, den gesamten Prozess deutlich verlangsamen. So muss bei der Herstellung pharmazeutischer Produkte in der Regel nicht nur erfasst werden, welche Bestandteile in welchen Mengen enthalten sind, sondern beispielsweise auch, welcher Mitarbeiter mit welcher Waage gearbeitet hat.

An diesem Punkt kommen die Siemens-Kollegen von Manufacturing Execution System, kurz: MES, ins Spiel. Ein Teil eines MES ist das so genannte Electronic Batch Recording, kurz EBR. „Das heißt, dass man anstatt vieler Ordner voll mit Papier eine einzige digitale Plattform hat“, erklärt André, Senior Sales Manager bei Siemens. Sie heißt Simatic IT eBR und wurde speziell für die Bioscience-Industrie entwickelt. 

Bei BioNTech dokumentiert das MES von Siemens automatisch die gesamte Impfstoffproduktion. Die Wissenschaftler bei BioNTech verbringen also weniger Zeit mit der Dokumentation: Bis vor kurzem war es Handarbeit, wenn klinische Studien und Versuchsreihen durchgeführt wurden. „Die Labormitarbeiter mussten die Werte aufnehmen, eintragen, prüfen und signieren. Danach hat mindestens eine zweite Person das Ganze verifiziert“, erklärt André. Heute zeichnen smarte Sensoren Ergebnisse auf und speichern die gesamte Dokumentation in einer Datenbank.

 

Das System schickt zudem automatisch eine Nachricht, wenn das BioNTech-Team einen Fehler gemacht hat. Außerdem bietet das MES Schnittstellen, um Kooperationspartner anzubinden. Das alles spart Zeit und Kosten. 

Dazu arbeiten André und Jan, Projektleiter, mit einem französisch-englisch-deutschen Expertenteam zusammen. Mit Menschen aus so vielen unterschiedlichen Ländern zu kooperieren, macht den beiden viel Spaß: „Es kann auch eine Herausforderung sein“, sagt Jan, der übrigens Belgier ist. „Aber es ist toll, dem Kunden so unser gesamtes Know-how anbieten zu können.“ Für Jan und André ist diese Kooperation mehr als nur irgendeine Aufgabe: „BioNTech arbeitet an einer echten Innovation, um Krebs künftig ganz individuell behandeln zu können“, sagt Jan. „Ich hoffe, ich kann sie dabei unterstützen. Das motiviert mich.“ André sieht es genauso: „Ich bin stolz darauf, in diesem Bereich zu arbeiten und etwas Neues zu entwickeln. Ich finde es großartig, sagen zu können: ‚Ich arbeite an etwas, das den Menschen wirklich helfen wird‘.“ André glaubt sogar, dass diese Erfindung Vorbild sein wird für die Medizin der Zukunft: „Digitalisierung macht Medizin individueller, besser und auch bezahlbarer. Das gilt nicht nur im Kampf gegen Krebs, sondern in Bezug auf alle Krankheiten und Viren.“

 

Bei BioNTech können sich jetzt die 500 Wissenschaftler, Doktoren und Techniker auf das wirklich Wichtige konzentrieren: die Entwicklung ihres eigentlichen Produkts. 

Hinweis: Bei der Bezeichnung von Personen sind stets Personen jeglichen Geschlechts gemeint.