Warum die Revolution der Mobilität ohne Data Scientists ausbleiben wird

Future Maker Andrea Kollmorgen

Daten sind die Zukunft. Doch je mehr sich davon in unserem Leben anhäufen, desto schwieriger wird es, diejenigen herauszufiltern, die von Bedeutung sind. Andrea Kollmorgen erklärt, warum man Spezialisten benötigt, die uns durch die Datenflut navigieren.

In der vernetzten Zukunft werden wir mehr Informationen über unser Leben haben als je zuvor. Um aus ihnen die richtigen Rückschlüsse zu ziehen, müssen sie zunächst nahezu forensisch untersucht werden. Dabei geht es um viel mehr als nur hübsch aufbereitete Statistiken: Analytiker nutzen Machine Learning, Datenerhebungen und Visualisierungen, um Erkenntnisse zu gewinnen. Rund um den Globus entstehen neue Einsatzgebiete. Das Problem ist jedoch: Es gibt nicht genügend Leute, die sie besetzen können. Harvard Business Review hat den Data Scientist deshalb zum „Sexiest Job of the 21st Century“ gewählt.

Wie Andrea zur Datenanalyse kam

Andrea war 25, als sie ihre Heimat Virginia verließ und nach New York zog. „Letztendlich bin ich bei einem Hedgefonds gelandet, der gerade so die Finanzkrise überstanden hat“, sagt sie. Andrea stellte fest, dass das nicht ihr Ziel war. Sie packte ihre Sachen und schrieb sich in Spanien an einer Business School ein. Nach ihrem Abschluss bot Siemens ihr eine Stelle in München im Management Consulting an. Danach arbeitete sie in der Abteilung Corporate Strategy, inzwischen ist sie für den Bereich Connected eMobility verantwortlich. Ihre Aufgabe: Initiativen identifizieren und beschleunigen – schließlich ist eMobility für Siemens ein wichtiges Thema. Also versucht Andrea, die vielen Ansätze innerhalb von Siemens miteinander zu verbinden und Kollegen miteinander ins Gespräch zu bringen, die aufgrund der Unternehmensstruktur möglicherweise gar nicht wissen, dass sie an ähnlichen Projekten arbeiten.

Andrea teilt ihre Arbeit grundsätzlich in drei unterschiedliche Gebiete ein: Da ist die E-Mobilität, also der elektrische Antrieb von Bussen bis hin zu Lastwagen, Flugzeugen und Booten und die dafür notwendige Infrastruktur wie Ladesäulen und Elektroleitungen. Der zweite Bereich umfasst vernetzte und digitale Mobilitätstechnologien und Geschäftsmodelle. Und der dritte Bereich widmet sich allen Möglichkeiten, die entstehen, wenn der erste und der zweite Bereich aufeinandertreffen. Dabei geht es vor allem um Mobilität in den Städten. „Hier fließt wirklich alles zusammen“, sagt Andrea. „Elektrifizierung, Vernetzung, Sharing Economy, selbstfahrende Autos. Es verändert sich alles, weil Digitalisierung die Wertschöpfungskette analysiert und das jeweils schwächste Glied ersetzt.“

Alles ist jetzt digital

2017 war das Jahr der Elektrifizierung. In Norwegen verkauften sich Elektrofahrzeuge erstmals besser als Benzinautos. Weltweit gab es immer mehr Pläne für elektrische Züge, Boote und sogar Flugzeuge, weil sowohl Regierungen als auch Unternehmen den Klimawandel bekämpfen wollen. „Diese Entwicklung hin zu einer digitalen Zukunft verändert die Transportbranche komplett“, sagt Andrea. „Solche Veränderungen haben wir seit Beginn des 20. Jahrhunderts nicht mehr gehabt.“ So, wie Fertigungsmaschinen die industrielle Revolution ausgelöst haben, wird Software die Zukunft formen.

Warum sind Daten so wertvoll?

Vor der Digitalisierung konnte man den Wert eines Produktes eindeutig festlegen: Man hat es hergestellt und verkauft. Heute ist das nicht mehr so einfach. „Nehmen wir einen Automobilhersteller“, sagt Andrea. „In der Zukunft verkauft er möglicherweise ein Auto nicht einfach an den Besitzer, sondern least stattdessen einen Teil davon. Zum Beispiel die Batterie. Im Gegenzug bekommt der Kooperationspartner das Recht, die Daten zu sammeln, die durch den Gebrauch der Batterie entstehen.“ Es ist zwar schwierig vorherzusagen, wie sich die Dinge in der Zukunft entwickeln werden. Aber eines ist sicher: Daten werden noch viel wichtiger und wertvoller, vor allem, weil alles vernetzt ist. 

Ihren Wert gewinnen sie, wenn man sie strukturiert, korreliert und analysiert. Ein Beispiel: Im Zentrum einer geschäftigen Stadt baut eine Firma eine Station auf, an der Kunden ihre Autos laden können. „Wenn Siemens eine Plattform zur Verfügung stellt, auf der alle diese Daten gesammelt werden, und es in der Zukunft eine ausreichende Infrastruktur rund um den Globus gibt, dann sprechen wir über Big Data.“ Denn je mehr Menschen dieses System benutzen, umso mehr Daten über ihr Verhalten kommen zusammen.  Daraus entsteht dann eine Möglichkeit, aufgrund von Daten beispielsweise diese Infrastruktur weiter zur optimieren oder neuartige Geschäftsmodelle zu entwickeln. Aber nicht jede Firma kann das selbst umsetzen und sucht sich einen Partner wie Siemens. „Wir kreieren so ein ganz neues Ökosystem“, sagt Andrea.

Hinweis: Bei der Bezeichnung von Personen sind stets Personen jeglichen Geschlechts gemeint.