Wie ein Heavy-Metal-Fan bei Siemens für neuen Schwung sorgt

Future Maker Christian Homma

„Sei du selbst“, gibt der Innovation Manager Christian Homma seinen Siemens-Kollegen mit auf den Weg. Denn er weiß: Zufriedene Mitarbeiter erzielen bessere Ergebnisse. Deshalb unterstützt er sie dabei, ihren Wunscharbeitsplatz mitzugestalten.

Es gibt Leute, die einfach alles können: Sie jonglieren mehrere Projekte gleichzeitig – beruflich wie privat. Sie sind immer bereit, neue Ideen zu diskutieren und immer mit ganzem Herzen und Leidenschaft dabei.

 

Christian ist so ein Typ. Er arbeitet bei Siemens in München als Innovation Manager und hat einen Doktor in Werkstoffkunde. Er nimmt sich Auszeiten über mehrere Wochen, um E-Books zu veröffentlichen. In seiner Freizeit macht er die Musikauswahl für den Internetsender „Metal Express Radio“ und nebenbei hat er noch eine zweijährige Coaching-Ausbildung abgeschlossen. Last but not least hat Christian neben all diesen Projekten auch den Siemens Ideenwettbewerb „Quickstarter“ ins Leben gerufen. Die Idee kommt von der bekannten Crowdfunding-Plattform Kickstarter, von der sich auch der Name ableitet: Die Crowd schlägt Projekte vor und entscheidet, welche Ideen umgesetzt werden sollen.

 

Für jede Kampagne stehen 500.000 Euro bereit und die Mitarbeiter entscheiden wie Investoren darüber, wer etwas von dem Geld für sein Projekt abbekommt. Jeder kann Ideen auf der Plattform einstellen und alles ist möglich: eine neue Kinderbetreuung an einem Standort oder eine neue Geschäftseinheit, um eine Algenzucht, die die Welternährungsprobleme lösen könnte, irgendwo draußen vor der Küste aufzubauen. 

„Wir wollen die Unternehmenskultur verändern“, sagt Christian. „Offener für Neues werden und in der Belegschaft den Unternehmergeist wecken: Wer ein Projekt vorschlägt und dafür die Finanzierung bekommt, ist in der Verantwortung und muss es umsetzen.“ Christian will so die Prozesse bei Siemens weiter demokratisieren: „Es bringt nichts, immer nur über Probleme zu reden. Wichtiger ist es, selbst anzupacken und Lösungen zu finden.“

 

Mit „Quickstarter“ hat Christian bewiesen, dass er nicht nur ein Macher ist, sondern auch allen anderen Kollegen die Möglichkeit gibt, ihre Lieblingsprojekte zu verwirklichen. Er nutzt gerne seine Mittagspause, um mit ihnen über ihre Ideen zu reden. Warum? „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst“, antwortet er. „Du musst selbst mit Leidenschaft bei der Sache sein, damit der Funke überspringt. Du musst einfach du selbst sein!“

 

Bei der Suche nach gleichgesinnten Kollegen hilft ihm ein Matchmaking-Tool, das über „Quickstarter“ zustande kam und diejenigen zusammenbringt, die sich austauschen sollten. „Ich frage Menschen oft, was ihnen wirklich wichtig ist, was sie machen, was sie in ihrem Leben erreichen wollen“, sagt Christian. „Ich möchte etwas schaffen, das sinnvoll ist. Menschen, die über ihre größten Wünsche sprechen, lächeln und ihre Augen leuchten. Sich mit ihnen zu unterhalten ist cool, das macht mir Spaß.“

Für Christian ist es wichtiger, Schwerpunkte zu setzen, als perfekt zu sein. Darum arbeitet er oft nach dem Pareto-Prinzip: der 80-zu-20-Regel. Demnach sind mit nur 20 Prozent des Gesamtaufwands 80 Prozent der Ergebnisse möglich. „In der Regel reichen 80 Prozent aus, um erfolgreich zu sein“, sagt Christian. „Ich handle nach dem Motto: ‚Fragt nicht nach Erlaubnis, bittet lieber im Nachhinein um Entschuldigung‘. Allerdings weiß ich auch, wann ich 100 Prozent schaffen muss.“ 

 

Trotzdem kennt auch Christian das Gefühl, vom Leben überwältigt zu werden. „Aber ich delegiere so viel wie möglich“, sagt er. Manchmal muss er trotzdem auf die Bremse treten. Sammeln sich beispielsweise in seinem Postfach zu viele Nachrichten, geht er zu seinem Chef und sagt „Stopp“. „Meine Definition von Erfolg hat nichts mit einem größeren Auto oder Haus zu tun“, sagt er. „Mir geht es um Lebensqualität. Ich fühle mich manchmal ein bisschen wie Pippi Langstrumpf, voller Kreativität und Phantasie – ich bau mir die Welt, wie sie mir gefällt!“

Hinweis: Bei der Bezeichnung von Personen sind stets Personen jeglichen Geschlechts gemeint.