Über Grenzen hinweg

Siemens und China – Meilensteine einer erfolgreichen Partnerschaft

Siemens ist seit 1872 in China aktiv. In 150 Jahren hat sich eine vertrauensvolle Basis partnerschaftlicher Zusammenarbeit entwickelt. Angefangen bei der Lieferung erster Zeigertelegrafen über die Errichtung von Kraftwerken bis zum Memorandum über eine umfassende Kooperation zwischen Siemens und China. Siemens ist stets ein innovativer und verlässlicher Partner – über die Grenzen von Ländern und Kontinenten hinweg.

Mit China werden wir wohl bald in Gang kommen. Der hiesige Gesandte hat nach China berichtet und in Folge dessen hat die Chin. Verwaltung […] den Wunsch ausgedrückt, Lichtmaschinen von uns zu beziehen.
Werner von Siemens, 1879

Schritt für Schritt – Siemens China entwickelt sich zur größten Landesgesellschaft des Unternehmens

Mit diesen Zeilen an seinen Bruder Carl kommentiert Werner von Siemens 1879 den Beginn der Beziehungen der Firma zu China. Zwar hat Siemens bereits 1872 erste Zeigertelegrafen in das ferne Land geliefert, doch erst sieben Jahre später gelingt es in Kooperation mit deutschen Handelshäusern vor Ort, eine rege Geschäftstätigkeit zu entwickeln und Telegrafen, Telefonapparate und Wassermesser nach China zu verkaufen. Bald darauf folgen auch große Projekte, wie die Pekinger Straßenbahn, Kraftwerke, ein Stahlwerk und die erste Hochspannungsleitung des Landes. Um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden, gründet Siemens Anfang 1904, zunächst noch gemeinsam mit einem deutschen Vertriebsagenten, ein Technisches Büro in Shanghai. Es ist die Keimzelle für die am 30. Juni 1910 etablierte, erste eigenständige Siemens Niederlassung im Reich der Mitte. Nach und Nach werden Büros an weiteren Standorten eröffnet, wie in Beijing (1910), Hong Kong (1911) und Chengdu (1913).

Eine schwierige Phase erlebt Siemens zwischen 1914 und 1918. Während des Ersten Weltkriegs, als deutsche Firmen in China kaum Aufträge erhalten, sinkt der Umsatz von über vier Millionen auf eine halbe Million Mark. Vor und nach dem Krieg entwickelt sich das China Geschäft von Siemens jedoch sehr gut. Den hervorragenden Ruf, den das Unternehmen in China genießt sowie die Zuverlässigkeit seiner Produkte erweisen sich als entscheidende Vorteile. Besonders in den 1920er- und 1930er- Jahren erlebt die „Siemens China Co.“, wie die Shanghaier Niederlassung seit 1914 offiziell heißt, einen rasanten Aufstieg. Großaufträge zum Bau von Elektrizitätswerken in Shanghai, Harbin, Nanjing und Guanhzhou lassen die chinesische Geschäftsstelle zur größten des Unternehmens außerhalb Europas anwachsen: Bereits 1925 umfasst die Landesgesellschaft zehn Unterbüros und elf Agenturen. Das neue Vertriebsnetz ist damit das größte des gesamten Konzerns in Übersee.

Zeitenwende – Chinas vorsichtige Öffnung gegenüber dem Westen

Die geschäftlich erfolgreiche Phase der Zwischenkriegszeit ist jedoch nicht anhaltend. Der Zweite Weltkrieg, der nachfolgende Kalte Krieg sowie die chinesische Kulturrevolution unter Mao Zedong unterbrechen die direkten Verbindungen weitgehend; die Geschäftsbeziehungen müssen wieder über Dritte, wie die in Hong Kong ansässige dänische Firma Jebsen & Co., gepflegt werden. Hauptsächlich liefert Siemens in dieser Zeit medizintechnische Ausrüstungen nach China. Doch die Zeiten ändern sich – auf beiden Seiten: China öffnet sich erneut dem Westen, und die Bundesrepublik Deutschland nimmt 1972 diplomatische Beziehungen zur Volksrepublik auf. Bereits zwei Jahre später kann Siemens einen ersten Großauftrag über 14 Dampfturbinen verbuchen, und die Siemens-Ausstellung „Elektrotechnik und Elektronik“ in Shanghai demonstriert 1978 fast 40.000 chinesischen Fachleuten die ganze Bandbreite der Technikkompetenz des Unternehmens. Die frühere gute Zusammenarbeit zwischen dem deutschen Unternehmen und China zahlt sich nun aus. Doch auch nach Eröffnung einer eigenen Siemens-Repräsentanz vier Jahre später erscheint das Geschäft angesichts der Größe des Markts und der Dauer der Beziehungen immer noch sehr ausbaufähig.

Starke Partnerschaft – Siemens-Know-how für das Reich der Mitte

Die Wende markiert das „Memorandum über eine umfassende Kooperation zwischen der chinesischen Maschinenbau-, Elektro- und Elektronikindustrie und Siemens“ vom 29. Oktober 1985: Mit ihm erreichen die Beziehungen zwischen Siemens und der Volksrepublik China eine völlig neue Qualität. Im Mittelpunkt steht ein intensiver Technologie- und Know-how-Transfer, der weit über den Verkauf von Produkten hinausgeht, indem er auch die Schulung der chinesischen Partner vor Ort und in Deutschland sowie gemeinsame Joint Ventures vorsieht. Zusätzlich wird ein paritätisch besetztes Koordinationsteam installiert, das die Fortschritte der Zusammenarbeit überwachen und weitere Schritte festlegen soll. In dieser Rahmenvereinbarung wird eine langfristige, systematische und umfassende Kooperation zwischen Siemens und China zur Modernisierung des chinesischen Maschinenbaus, der Elektro- und Elektronikindustrie beschlossen. Siemens ist das einzige ausländische Unternehmen, das zu einer solchen Zusammenarbeit eingeladen wird. Auf Basis dieses Memorandums kommt es in den Folgejahren zum zügigen Ausbau der Partnerschaft, die vor allem durch Großaufträge in der Kraftwerkstechnik, Kommunikationstechnik, Medizintechnik sowie Industrieautomatisierung und Verkehrstechnik geprägt sind.

Das könnte Sie auch interessieren

Weiterführende Informationen zu dem Thema

Zum Weiterlesen

  • Dennis Kirchberg: Analyse der internationalen Unternehmenstätigkeit des Hauses Siemens in Ostasien vor dem Zweiten Weltkrieg. Diss. Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg 2010
  • Mathias Mutz: „Der Sohn, der durch das West-Tor kam“. Siemens und die wirtschaftliche Internationalisierung Chinas vor 1949, in: Periplus. Jahrbuch für außereuropäische Geschichte, Hamburg 2005, S. 4–40
  • Ein historisches Memorandum – Die Anfänge der wegweisenden Kooperation zwischen Siemens und China