Empowerte Führungskräfte

Wie sehen Führungskräfte ihren Einfluss

Befragt: Wie sehen Führungskräfte ihren Einfluss auf die Umsetzung der Strategie eines Unternehmens? Und ist die Selbsteinschätzung auch berechtigt? Diesen Fragen ging eine innovative Studie der Universität Göttingen und der Siemens AG nach. Und fand heraus, was dem Erfolg auf die Sprünge hilft.

 

Die Strategie eines Unternehmens schafft die Grundlage für seinen Erfolg. Doch an Quartalszahlen allein lässt sich nicht ablesen, ob die Umsetzung der Strategie vorankommt und ob auch die Menschen im Unternehmen den Eindruck haben, daran beteiligt zu sein; vor allem das obere Management, dessen Aufgabe es ja ist, die Strategie umzusetzen. Freilich, das kann man untersuchen. Nur wie? Wie an die Manager herankommen – und wie sicher gehen, dass sie nicht nur ihre einer Laune geschuldete Befindlichkeit vermitteln? 

„Den Managern in den Kopf blicken“

Das war die Herausforderung, der sich eine Forschungsgruppe um Michael Wolff, Professor für Management und Controlling an der Universität Göttingen, gemeinsam mit einem Team um den Strategieexperten Till Meier de West von Siemens gegenübersah. „Wir wollten den Managern in den Kopf blicken“, sagt Wolff. „Also einen objektiven Blick darauf gewinnen, ob die Führungskräfte glauben, zur Umsetzung der Unternehmensstrategie beitragen zu können – und ob ihnen das gelingt.“

In ihrer ungewöhnlichen, in dieser Art noch einmaligen Studie 'Empowering people. Insights into strategy implementation in the digital era' hat sich das Team dieser Aufgabe gestellt. Zwei Entscheidungen waren dabei im Vorfeld ausschlaggebend. Zum einen entschieden sie, das gesamte obere Leitungspersonal des Unternehmens weltweit zu befragen, egal, welchem Geschäft angehörig, in welcher Region ansässig, in welcher Funktion arbeitend. Und es erklärten sich mehr als 1.600 Manager bereit, teilzunehmen. Zum anderen entschied sich das Team, die Antworten, die sie auf ihre Liste mit 63 Fragen erhielten, mit anderen Datenquellen zu verbinden. Dazu gehörten beispielsweise die Organisationseinheit, die Fachfunktion, das Alter und die Position einer Person in der Unternehmenshierarchie. Und die Wissenschaftler zogen die Leistung der Geschäftseinheiten für ihre Analysen heran – etwa den Gewinn oder das Wachstum. 

Empowering people

Strategieumsetzung im digitalen Zeitalter

- eine Studie der Siemens AG und der  Universität Göttingen

Die Bedeutung von Empowerment

All diese – selbstredend anonymisierten – Daten ließen sich dann miteinander korrelieren. Und mithilfe raffinierter Methoden wie multivarianter Regressions- oder semantischer Textanalyse sowie eines wissenschaftlich fundierten Modells erzeugten sie aus diesen Datensätzen eine objektivierte Sicht des Selbstverständnisses der Manager. Und stellten fest, ob sich diese Selbsteinschätzung auch im geschäftlichen Erfolg wiederfand.

 

Und, das Ergebnis? Allem voran: ‚Empowerment‘ ist entscheidend für die Umsetzung strategischer Ziele. Was ist damit gemeint? Empowerment umschreibt die einem Menschen zur Verfügung stehende Entscheidungsfreiheit, seinen Gestaltungsspielraum. In diesem Falle den Einfluss der oberen Führungsebene darauf, strategische Ziele zu verwirklichen. Das überrascht eigentlich nicht: dafür ist das Topmanagement schließlich da. Nicht selbstverständlich war jedoch, dass sich deutliche Unterschiede zwischen den Einheiten zeigten. Und dabei stellte sich heraus, dass stärkeres Empowerment – durchschnittlich besehen – mit einem höheren Geschäftserfolg einher ging.

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Mehr Empowerment - mehr Pioniergeist

Die zweite wichtige Erkenntnis der Studie betrifft die Digitalisierung. Je stärker die gefühlte Gestaltungsfreiheit, desto größer – wieder im Schnitt – der digitale Pioniergeist. Und desto höher damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Führungskräfte die Leistungsfähigkeit ihrer Einheit – zum Beispiel hinsichtlich Innovation oder operativer Performance – als hoch einschätzten. Umgekehrt bedeutete das, dass in Einheiten, in denen Manager sich weniger ‚empowert‘ fühlten und der Digitalisierung weniger gegenüber offen waren, die Leistungsfähigkeit schwächer bewertet wurde. „Diese Ergebnisse zeigen“, sagt Yannik Gehrke, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Michael Wolff, „welches Potenzial in der Digitalisierung steckt. Die Identifizierung der passenden Hebel, um diese Potenziale zu realisieren, ist schon ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Erfolg.“

So empirisch untermauert, fanden die Ergebnisse der Studie – vor der Publikation – unweigerlich ihren Weg zurück zu den Führungskräften bei Siemens. Sie erfuhren dabei nebenbei auch, dass sie sich stark mit ihrem Arbeitgeber identifizierten, und – erhofft und erwartet – hohes Engagement und Einsatzbereitschaft an den Tag legten. Aber die Ergebnisse waren eben nicht uniform verteilt. Deshalb gab es ein ‚Dashboard‘, ein digitales Werkzeug, das Managern individuell und intuitiv vermittelte, wie sich ihre Organisationseinheit im Verhältnis zu anderen darstellte. Auf dieser Basis konnten die Führungskräfte wichtige Erkenntnisse für ihren Geschäftsbereich gewinnen. "Wir konnten den Einheiten zeigen, wie sie die Strategie noch wirkungsvoller umsetzen können – und wo sie etwas voneinander lernen können.", sagt Till Meier de West. Die Pointe dabei? Empowerment – ‚empowered people‘ – ist seit einiger Zeit eine der vier strategischen Prioritäten des Unternehmens. Und wie die Studie zeigt, zu Recht.

Hubertus Breuer, Februar 2022

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