Die innovative Art der Maschinenwartung

Additive Fertigung ist eine hochinnovative und weltweit schnell wachsende Branche. Servicearbeiten können entweder von Außendiensttechnikern durchgeführt werden, die zu Kundenstandorten auf der ganzen Welt reisen, oder es kommen neue, innovative Formen der Serviceerbringung zum Einsatz, wie bei DyeMansion und Siemens. Mit Virtual Training Solutions haben die beiden Unternehmen ganz neue Perspektiven für Servicetätigkeiten in der additiven Fertigungsindustrie eröffnet.

Additive Fertigung: innovativ und herausfordernd

Das Innovationstempo in der additiven Fertigung steigt täglich. Das macht die additive Fertigungsindustrie zu einer der am schnellsten wachsenden Industrien weltweit. Warum? Weil die benötigten Maschinen kostengünstiger und wesentlich effizienter sind. Dank neuer Materialien sind die Teile herkömmlich gefertigten Komponenten in puncto Eigenschaften ebenbürtig und oft sogar überlegen. Daher überrascht es nicht, dass immer mehr Maschinenbauer auf 3D-Druck setzen.


Für die Endkunden jedoch wird es angesichts des wachsenden Interesses an additiver Fertigung zunehmend schwieriger, den richtigen Lieferanten zu finden. Um es einfach auszudrücken: Es gilt, die Spreu vom Weizen zu trennen.


Immer öfter suchen Endkunden daher nicht nur den richtigen Lieferanten für ihre Maschinen, sondern einen verlässlichen Partner. Ihr Ziel ist es, nicht nur eine hohe Verfügbarkeit sicherzustellen, sondern auch die Voraussetzungen für eine kontinuierliche Optimierung der Abläufe mit Blick auf Industrie 4.0 zu schaffen.

Erstklassige additive Fertigung

DyeMansion ist der weltweit führende Anbieter für Post-Processing-Lösungen im industriellen 3D-Druck mit Polymeren. Die End-to-End-Lösung des Unternehmens verwandelt 3D-gedruckte Rohteile in hochwertige Produkte. Von der perfekt sitzenden Brille bis hin zum personalisierten Automobil-Interieur – mit der Technologie von DyeMansion halten 3D-gedruckte Produkte im Alltag Einzug.

 

Reduzierte Stückkosten, unübertroffene Qualität und hohe Nachhaltigkeit sind bestimmend für alle Innovationen dieses schnell wachsenden Technologieunternehmens. Die Systeme von DyeMansion sind Industrie 4.0-reif und lassen sich nahtlos in bestehende Produktionsprozesse integrieren.

Ziel: Präsenz am Kundenstandort ohne physische Anwesenheit

Die Zusammenarbeit von DyeMansion und Siemens begann im November 2020. Das Ziel: Die Industrialisierung der additiven Fertigung voranzutreiben. Eine der ersten Aktionen bestand darin, mit Technologie von Siemens und DyeMansion eine digitale Referenzfabrik für die industrielle Schuhproduktion mittels additiver Fertigung zu errichten.

 

Dann wurde die VaporFuse Surfacing-Maschine Powerfuse S, die Bestandteil der digitalen Referenzfabrik war, physisch in das Additive Manufacturing Experience Center (AMEC) von Siemens in Erlangen integriert. Powerfuse S ist ein umweltfreundliches industrielles Vapor Polishing System, mit dem 3D-gedruckte Kunststoffteile mit versiegelten Oberflächen auf Spritzgussniveau erzielt werden. VaporFuse Surfacing wird hauptsächlich für Applikationen eingesetzt, die besondere funktionale Eigenschaften erfordern, wie verbesserte Luftdichte, Wasserabweisung oder Hemmung von Bakterienbildung. Das System arbeitet mit umweltfreundlichen Lösungsmitteln, die für die Bearbeitung von Kunststoffteilen mit Lebensmittelkontakt zugelassen sind.

 

Während der Arbeiten tauchte die Frage auf: Wie können wir die Ausführung aller notwendigen Wartungs- und Servicetätigkeiten an den vorgesehenen Wartungspunkten sicherstellen, ohne jedes Mal auf Unterstützung von DyeMansion angewiesen zu sein?

Als stark wachsendes Unternehmen, das Anwendern im Bereich der additiven Fertigung weltweit Hardware verkauft, die höchste Anforderungen erfüllt, müssen wir beim Kunden präsent sein, egal wo sich sein Standort befindet und welche Anforderungen er stellt. Ohne Kompromisse.
Philipp Kramer, CTO & Gründer von DyeMansion

Da immer neue Regionen und Kunden hinzukommen, ist eine effektive Lösung gefragt. Denn jeder Kunde – auch mit kleiner installierter Basis und wenigen Serviceeinsätzen – soll zur richtigen Zeit die erforderlichen Serviceleistungen erhalten, ohne dass Servicetechniker dazu rund um die Welt reisen müssen.


Deutlich wurde außerdem Folgendes: „In der Regel reisen unsere Servicetechniker zu Kunden weltweit, um am Endkundenstandort sicherzustellen, dass unsere Maschinen störungsfrei arbeiten. Wie wir alle in jüngster Zeit erfahren mussten, gibt es jedoch unvorhersehbare Situationen, in denen dies ganz unmöglich ist“, erläutert Kramer.


Das war der erste Anstoß, die Zusammenarbeit zwischen DyeMansion und Siemens zu vertiefen. Das Ziel: Die Entwicklung eines innovativen Servicekonzepts, das die Expertise von Siemens in den Bereichen Automatisierung und Services mit dem umfangreichen Know-how von DyeMansion im Bereich additive Fertigung verbindet.
 

Virtuelles Training steigert die Produktivität

Gesagt, getan: Im Januar 2021 erörterte das Projektteam aus Experten von Siemens und DyeMansion in einer virtuellen Arbeitssitzung die Eckpunkte einer virtuellen Bedienerschulung für den Service der Powerfuse S basierend auf Virtual Training Solutions. Im Mittelpunkt standen Wartungsaufgaben, die den Service der Maschine – für DyeMansion und für Siemens – so effizient wie möglich gestalten.


Da der Ölwechsel bei jeder Maschine entscheidend für einen reibungslosen Betrieb ist und dieser häufig vom Endkunden – in diesem Fall Siemens – durchgeführt werden kann, beschloss das Team, zuerst für diesen Anwendungsfall eine virtuelle Schulung zu entwickeln.

Virtuelles Training für greifbare Ergebnisse

Ausgehend von den bereitgestellten CAD-Daten der Maschinen und der vorhandenen Prozessbeschreibung des Wartungsanwendungsfalls arbeitete das Projektteam in nur zwei Tagen die erste virtuelle Bedienerschulung aus.

 

Die sogenannten 3D-Serviceanweisungen wurden so programmiert, dass jeder sie bei Bedarf überall und jederzeit auf einem Desktop-PC, einem Tablet oder einem anderen mobilen Gerät verwenden kann.

 

Jeder? Das bedeutet, dass die Serviceschulung unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und Anwendungsebenen abdeckt. Es spielt keine Rolle, ob es um die Schulung neuer Mitarbeiter, internationaler Servicepartner oder von Endkunden geht, die den Service selbst übernehmen möchten. Zur Nutzung der virtuellen Schulungslösung muss nur der Anwendungsfall und der Kenntnisstand angegeben werden.

Kontinuierliche Optimierung des virtuellen Schulungsangebots

Dies sollte nicht lange die einzige 3D-Serviceschulung bleiben. Schon in der Entwicklungsphase ermittelte das Projektteam einen zweiten Anwendungsfall, in dem jeder Powerfuse S-Bediener selbst tätig werden kann: Der Wechsel des Lösungsmittels, das beim Vapor Polishing-Prozess eingesetzt wird.


Darüber hinaus entwickelt Siemens derzeit eine eigene virtuelle Schulungsplattform für Endkunden auf Basis der Azure-Cloud. Diese Plattform kann von OEMs genutzt werden, die nicht über eine eigene virtuelle Schulungslösung verfügen.
 

Die additive Fertigung ist eine echte digitale Fertigungstechnologie. Ihr Erfolg hängt daher entscheidend von der Digitalisierung ab. In Siemens haben wir einen Partner gefunden, der sich für die Umsetzung aller Anforderungen von Industrie 4.0 einsetzt und einen starken Fokus auf den industriellen 3D-Druck legt.
Philipp Kramer, CTO & Mitgründer von DyeMansion

Neue Chancen für alle

Von diesem Anwendungsfall profitieren beide Parteien: DyeMansion und Siemens. Sven Balze, Lead Engineer bei Siemens, fasst zusammen: „Bei Virtual Training Solutions ging es bislang in der Regel um Montageschulungen für einfache oder komplexe Produktionslinien und nicht um Serviceanweisungen. Im Rahmen der innovativen und aufgeschlossenen Zusammenarbeit konnten wir ein neues Geschäftsmodell etablieren, bei dem Schulungen für Original Equipment Manufacturers im Mittelpunkt stehen. Dies eröffnet uns einen neuen Markt.“



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