Mehr Energieeffizienz und Nachhaltigkeit

Faurecia, ein globaler Player in der Automobilindustrie, hat in seinem Werk Almussafes im spanischen Valencia ein Pilotprojekt zur Senkung der Energiekosten gestartet. In Zusammenarbeit mit Siemens und den Industrial Energy Management Services konnte eine umfassende Überwachung der Energieflüsse eingeführt werden, die es Faurecia ermöglicht hat, seinen Energieverbrauch um mehr als 5 % zu senken.

Klarer Fokus auf Effizienz und Produktivität

Die Automobilindustrie ist ein leuchtendes Beispiel für Investitionen in Effizienz und Produktivität. Nicht nur die als „Fahrzeug-OEMs“ bekannten Automobilhersteller, sondern die gesamte Produktionskette muss höchsten Produktivitätsansprüchen genügen.

 

Als einer der zehn weltweit führenden Automobilzulieferer ist Faurecia ein Beispiel für Innovation und digitale Transformation in der Automobilbranche. Sein Forschungs- und Entwicklungszentrum für den Geschäftsbereich Interiors (Kraftfahrzeugausstattung) in Paterna (Valencia) ist für die Festlegung weltweiter Standards für alle Produktionszentren zuständig. Faurecia stellt sich den aktuellen Herausforderungen eines riesigen weltweit vertretenen Konglomerats und ist stark auf Nachhaltigkeit und Dekarbonisierung an seinen verschiedenen Fertigungsstandorten fokussiert.

Energieeffizienz als Schlüssel zur Nachhaltigkeit

Um hohe Produktivität in Verbindung mit Nachhaltigkeit zu erreichen, ist es unabdingbar, ein besonderes Augenmerk auf die Energieeffizienz zu legen. Faurecia hat schon immer Wert auf die Transparenz des Energieverbrauchs, sowohl auf Maschinenebene, pro produzierte Einheit oder Produktionszyklus gelegt. Es gab jedoch noch Verbesserungspotenzial, um volle Transparenz und damit einen optimierten Energieverbrauch zu erzielen.

 

So fehlte es beispielsweise an Referenzwerten für den Flüssigkeitsverbrauch. Ohne diese Referenzwerte besteht keine Möglichkeit, Abweichungen von wichtigen Variablen zu analysieren und zu beurteilen, wie stabil der Prozess läuft. Ein weiteres Beispiel: Es gab keine Transparenz über den Energieverbrauch der Produktionsmaschinen in ihrem jeweiligen Betriebszustand, etwa im Leerlauf oder Betrieb.

Energieflusskarte als Blaupause für einen neuen Standard

Als Ausgangspunkt wurde ein gemeinsamer Scoping-Workshop durchgeführt, bei dem eine Energieflusskarte erstellt wurde. Diese bildet die Energieflüsse und den Energieverbrauch der betrachteten Bereiche (Gebäude, Produktionslinien, Maschinen) und der dort vorkommenden Medien (Strom, Wasser, etc.) ab. Auf dieser Basis konnten die Energieleistungskennzahlen für das Werk in Almussafes definiert werden. Die Energieflusskarte bildet die Grundlage für die Umsetzung in anderen Produktionsstätten der Interiors Division von Faurecia. Die so gewonnene Transparenz ermöglicht dem Kunden ein viel besseres Verständnis, um verschiedene Aspekte zu analysieren und Entscheidungen zu treffen.

Datenanalysen steigern die Effizienz der Produktion

Nach der Anbindung von über 250 Datenpunkten von verschiedenen Energiearten durch den SIMATIC Energy Manager PRO und die SIMATIC-Automatisierungshardware war es möglich, eine beträchtliche Menge an Daten zu erfassen und zu analysieren. Für Faurecia war es wichtig, dass die Daten auf einem Server im Werk gespeichert werden, um zu verhindern, dass unternehmenskritische Daten nach außen gelangen und um einen schlankeren und schnelleren Entscheidungsprozess zu ermöglichen.

 

Zur Lösung gehört eine Chargenanalyse, die sich hauptsächlich auf die Spritzgießmaschinen konzentriert. Jedes produzierte Teil wird zusammen mit der verbrauchten Energiemenge analysiert. Anhand dieser Daten können die Produktionsanlagen angepasst und eine vorausschauende Wartung ermöglicht werden. Faurecia kann nun ermitteln, welche Spritzgießmaschine die effizienteste für die jeweils zu produzierenden Teile ist.

 

Im SIMATIC Energy Manager PRO wurden Warnmeldungen konfiguriert, um das Bedienpersonal per SMS zu benachrichtigen, wenn Maschinen Energie verbrauchen, obwohl sie nicht produzieren.

Schnelle Erfolge durch Transparenz bei Energiedaten

Die korrekte Messung der relevanten Daten der Kühlkreisläufe (wie z. B. der Temperatur des Vorlaufwassers) ermöglichte die Umsetzung erster Energiesparmaßnahmen, durch bedarfsorientiertes zu- und abschalten einzelner Kühleinheiten.

 

Einen weiteren unmittelbaren Vorteil für Faurecia brachte die Analyse der Leistungszahl (Coefficient of Performance, COP) der Kältemaschinen. Mit diesen Erkenntnissen konnte das Bedienpersonal die Kühlkreisläufe entsprechend dem Kühlenergiebedarf für die Produktion, der Temperatur und der externen Feuchtigkeit steuern und anpassen. Solche einfachen Energiesparmaßnahmen verursachen keine zusätzlichen Kosten und zahlen sich umgehend aus.

 

Anhand der verfügbaren Daten hat Faurecia auch festgestellt, dass die Heizkessel dank Solarthermie zu bestimmten Zeiten des Jahres abgeschaltet werden können.

Vielversprechender Anfang für die Dekarbonisierung

In enger Zusammenarbeit zwischen Faurecia und Siemens wurden eine Reihe zusätzlicher KPIs definiert, um Prozesse und Anlagenleistung zu vergleichen. Diese KPIs können in allen Werken der Interiors Division und den anderen Geschäftsbereichen als Standard eingeführt werden. In Zukunft können die Daten einzelner Werke somit problemlos miteinander verglichen werden. Dank der Transparenz und automatisierten Berichterstattung über alle Standorte hinweg wird Faurecia die richtigen Entscheidungen auf der Grundlage relevanter Daten treffen.

 

Nach der erfolgreichen Umsetzung ist das Werk in Almussafes zu einem Vorbild für weitere Produktionsstandorte geworden. Derzeit implementieren Siemens-Serviceexperten die Industrial Energy Management Services in weiteren spanischen Produktionsstätten. Für die erste Hälfte des Jahres 2022 ist ein Pilotprojekt in der Division Faurecia Clean Mobility mit dem Ziel geplant, vergleichbare Energieeinsparungen wie in Almussafes zu erzielen.

 

Faurecia arbeitet derzeit an der Implementierung der Lösung in anderen Ländern wie Polen, der Tschechischen Republik und den USA. Diese Initiative kann für fast 40 Länder genutzt werden und stellt einen wichtigen Schritt im Kampf gegen den Klimawandel dar.

Dank der Technologie und Services von Siemens weiß Faurecia jetzt, dass sich der Energieverbrauch seiner Anlagen um bis zu 10 % senken lässt.
Miguel Aránega Fernández,  Equipment Care & Energy Efficiency Manager am Faurecia-Produktionsstandort Almussafes

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