Wenn der Kartoffelberg ruft
Wie Motorstarter von Siemens einen gigantischen Kartoffelberg in Bewegung versetzen.
In ihrem Werk in Hagenow veredelt die Emsland Food GmbH jährlich 290.000 Tonnen Kartoffeln. Das geht nur mit einer zuverlässigen Förderanlage, welche die angelieferten Knollen einlagert und in die Produktion bringt. Über 200 Motorstarter von Siemens tragen zum effizienten Betrieb des kilometerlangen Transportsystems bei – und machen nicht nur dem Produzenten, sondern auch dem Schaltschrankbauer das Leben leichter.
Wenn es um Kartoffeln geht, macht der Emsland Food GmbH keiner etwas vor. Allein in ihrem Werk in Hagenow, einer kleinen Stadt in Mecklenburg-Vorpommern, verarbeitet das Unternehmen jährlich 290.000 Tonnen zu Kartoffelflocken. Dieses Zwischenprodukt wird teils für die industrielle Weiterverarbeitung verkauft, teils vor Ort veredelt – zu Püree, Kartoffelklößen oder Bratkartoffeln, die für den Einzelhandel bestimmt sind.
Unlängst hat Emsland Food die Produktionskapazitäten ausgebaut und in Hagenow die größten Püreewalzen der Welt installiert. Im Zuge der Erweiterung wurden auch neue Lager nötig. Schließlich produziert das Werk rund um die Uhr. Entsprechend muss auch der Nachschub Tag und Nacht gewährleistet sein. Um die verschiedenen Produktionslinien zu beliefern, sind gut zwei Dutzend Kartoffellagerzellen neu gebaut worden, die zusammengenommen 2700 Tonnen fassen.
Kilometerlanges Fördersystem
Ein komplexes Transportsystem mit kilometerlangen Zu- und Abführungsstrecken befördert die angelieferten Kartoffeln in die Silos – und von dort in die Produktion. Konstruiert hat dieses System die Schneider Fördertechnik GmbH mit Sitz in Villingendorf. 224 Elektromotoren treiben die Anlage an, die stündlich bis zu 180 Tonnen Kartoffeln einlagern kann. Die Steuerung erfolgt über einen Simatic-S7-Controller.
Eine ausgeklügelte Schaltanlage sorgt dafür, dass die Förderbänder sicher, zuverlässig und effizient laufen. Geplant und gebaut wurde sie von den Automatisierungsexperten der Dr. Günther Schaltanlagen GmbH in Hartha. Und dabei ging das Unternehmen keine Kompromisse ein, schließlich sind in der der rauen Welt der Kartoffelverarbeitung Lösungen gefragt, die robust, langlebig und zuverlässig sind. In besonderem Maß gilt das für die 224 Motorstarter, die für einen reibungslosen Betrieb eine Schlüsselrolle spielen: „Wir haben uns für eine Lösung entschieden, die perfekt zum Rund-um-die-Uhr-Betrieb in Hagenow passt“, sagt Thomas Mielke, der Geschäftsführende Inhaber der Firma Dr. Günther Schaltanlagen.
Mit den modernen Simatic ET 200SP Motorstartern spart man viel Prüfaufwand und der Endanwender hat die Sicherheit eines leistungsfähigen, hochverfügbaren und kompakten Abzweigs.Dipl.-Ing. Thomas Mielke, Geschäftsführender Inhaber der Dr. Günther Schaltanlagen GmbH
Geringer Installationsaufwand, geringer Platzbedarf
Die Wahl fiel dabei auf ein neues Produkt von Siemens, den Motorstarter Simatic ET 200SP. Dieser schützt nicht nur zuverlässig vor Überlast und Kurzschluss, sondern bietet auch bei Installation und Wartung erhebliche Vorteile. So lässt sich der Starter mit minimalem Verdrahtungsaufwand montieren. Denn die einzelnen Starter werden auf sogenannte Base Units (Basiseinheiten) aufgesteckt. Dadurch sind sie auch gleich mit Energie versorgt und an die Steuerung angeschlossen – ohne die sonst üblichen Kabelverbindungen.
Zudem vereint der Motorstarter Simatic ET 200SP die Funktionen von Schutzgerät und konventioneller Wendeschützkombination. Das heißt: Dank Hybrid-Schalttechnik müssen nicht zwei, sondern nur ein Gerät installiert werden. Dadurch verringert sich der Verdrahtungsaufwand zusätzlich. „Durch den hier gewählten, modernen Systemaufbau wird beim Verdrahtungsaufwand bestimmt drei Viertel der Zeit gespart“, sagt Thomas Mielke. Zugleich sinkt der Platzbedarf: Die gesamte Antriebstechnik der Anlage passt in vier Schaltschränke – mit einer herkömmlichen Lösung wären bei dieser Anlagengröße doppelt so viele nötig.
Die Lebensdauer des Motorstarters liegt bei 30 Millionen Schaltspielen – bei konventionellen Lösungen sind die Hauptkontakte der Schütze erfahrungsgemäß oft bereits nach einer Million Schaltspielen verschlissen, was einen Austausch erforderlich macht. „Dieses Argument hat auch den Anlagenbetreiber überzeugt“, sagt Thomas Mielke. Und muss dennoch irgendwann ein Motorstarter ausgetauscht werden, ist das dank der stehenden Verdrahtung schnell erledigt.
Präzise Diagnosen ermöglichen präventive Wartung
In der rauen Umgebung der Kartoffellogistik, wo Erdanteile, Feuchtigkeit und Nahrungsmittelbestandteile der Fördertechnik viel abverlangen und zu erhöhtem Verschleiß führen, ist schnelle Reaktionsfähigkeit bei Störungen Gold wert. „Das war dem Endanwender sehr wichtig“, sagt Thomas Mielke. Auch diesbezüglich lässt die gewählte Lösung keine Wünsche offen: Käme es etwa aufgrund einer Überlast zu einer Unterbrechung, würde die Störung nicht nur am Gerät angezeigt, sondern auch über die Feldbusschnittstelle gemeldet – und sie könnte sowohl lokal als auch aus der Ferne zurückgesetzt werden.
„Fiel früher ein Schütz aus, war die Fehlersuche sehr aufwändig“, so Thomas Mielke. „Heute lokalisiert die Steuerung die Störung exakt und wir können über die Programmierung eine präzise Textmeldung für den Instandhalter am Monitor ausgeben.“ Dabei erkennt der Motorstarter, ob etwa ein blockierter Motor, eine Unsymmetrie oder ein Phasenausfall die Ursache ist.
Zudem überwacht der Simatic ET 200SP Motorstarter permanent den Stromfluss: Zeigen sich hier Unregelmäßigkeiten, ist das ein Hinweis darauf, dass ein Motor nicht mehr reibungslos läuft. Mit Hilfe dieser Information lassen sich Servicemaßnahmen frühzeitig planen, von der Reinigung von Anlagenteilen über das Abschmieren von Rollen bis hin zu einem kompletten Motorentausch.
„Für uns, aber auch für die Schneider Fördertechnik GmbH als Maschinenbauer sowie den Betreiber in Hagenow waren die Simatic ET 200SP Motorstarter von Siemens die perfekte Automatisierungslösung“, sagt Thomas Milke.
Auch wer Mecklenburger Kartoffelgerichte schätzt, dürfte sich darüber freuen, dass der Nachschub für die Herstellung von hochwertigen Kartoffel-Convenience-Produkten, wie sie in Hagenow produziert werden, dank moderner Automatisierungstechnik nicht so leicht ins Stocken gerät.
27.11.2020
Bilder: Siemens AG / Getty images
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