Unternehmerische Innovation am Grid Edge

Wie neue Finanzierungslösungen Investitionen am Grid Edge ermöglichen.

Das Grid Edge ist ein Brennpunkt für neue Technologien. Hier entstehen aber auch neue Geschäfts- und Finanzierungsmodelle. Sie stellen für Unternehmen den Schlüssel dar, um ihre Transformation zu finanzieren. 

 

Von Klaus Grünfelder und Holger Müller

Dort, wo Verbraucher, Prosumenten und das intelligente Stromnetz interagieren, fungiert das Grid Edge als Schnittstelle zwischen einem regulierten Netz und einem eher dezentralen, weniger stark regulierten Ökosystem traditioneller und neuer Player.

Energieverteilung und -verbrauch am Grid Edge folgen nicht mehr den alten Modellen. Vielmehr ist das Grid Edge ein wichtiger Treiber für kommende Technologiesprünge. Auch wenn es um Investitionen geht, sind neue Denkansätze gefragt. Dies gilt umso mehr, wenn in kürzester Zeit eine nachhaltige Dekarbonisierung erreicht werden soll, ohne das Geschäftswachstum zu behindern. 

Grid Edge Summit 2021
Aufzeichnung aller Vorträge verfügbar

Grid Edge Summit 2021

Der Grid Edge Summit 2021 ist vorbei, das virtuelle Event-Erlebnis geht weiter! Die Event-Plattform mit der virtuellen Ausstellung und den Videos aller Vorträge bleibt weiterhin geöffnet! Sehen Sie sich jetzt die Aufzeichnung unserer zweitägigen virtuellen Konferenz an und bleiben Sie über aktuelle Entwicklungen und Möglichkeiten am Grid Edge auf dem Laufenden. Lassen Sie sich von Redner*innen und Projekten aus aller Welt inspirieren! Wir geben Einblicke in Grid-Edge-Lösungen: von Microgrids über Elektromobilität, lokale Energielösungen, bis hin zu Batteriespeichern und der nahtlosen Verbindung zu Infrastrukturen und Industrien. 

In die Zukunft investieren

Schauen wir zunächst auf die Bereiche, die durch Grid-Edge-Technologien revolutioniert werden können: Dazu gehören Energiehandel, Energiespeicherung, netzinteraktive Gebäude, Sektorkopplung und das Laden von Elektrofahrzeugen, um nur einige Beispiele zu nennen. Diese Lösungen spielen eine wichtige Rolle, wenn es um die Verbesserung von Effizienz und Nachhaltigkeit geht: Sie ermöglichen die Integration erneuerbarer Energien, stabilisieren die Netze und optimieren die Energieeffizienz von Gebäuden, Infrastruktur und ganzen Industriekomplexen. Die potenziellen Einsparungen sind enorm, sowohl in Bezug auf die CO2-Bilanz als auch auf die Kosten. 

 

Laut einer aktuellen Studie des Weltwirtschaftsforums werden Grid-Edge-Technologien der Energiewirtschaft über die nächsten zehn Jahre einen Umsatzschub in Höhe von 2,4 Billionen Dollar bescheren. Von dieser Transformation der Energiewirtschaft werden neben der Industrie auch die Kunden und die Umwelt profitieren.

 

Dazu sind allerdings erhebliche Investitionen in die Infrastruktur erforderlich. Ein Umdenken ist dringend notwendig, damit die Transformation nicht nur für unseren Planeten, sondern auch für etablierte und neue Akteure Vorteile bringt, welche zukunftsweisende Entwicklungen vorantreiben.

Das Grid Edge befindet sich dort, wo intelligente Stromnetze, smarte Gebäude und Prosumenten auf physischer und digitaler Ebene aufeinandertreffen. Diese Interaktion schafft neuen Energiesystemen den Raum für mehr Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit. Genau hier entstehen neue Märkte mit neuen Möglichkeiten für verschiedenste Akteure, die technologische Innovationen und neue Geschäftsmodelle vorantreiben.
Holger Müller, Technologie- und Strategieexperte bei Siemens Smart Infrastructure

Das neue Finanzierungskonzept

Im Gegensatz zu herkömmlichen Investitionen in Infrastruktur schaffen Grid-Edge-Lösungen ihren Mehrwert durch die Dienstleistungen, die sie ermöglichen. Der Cashflow wird optimiert, indem materielle Investitionen in der Bilanz von den Investitionsausgaben (CAPEX) zu den Betriebsausgaben (OPEX) verschoben werden. Für Unternehmen bedeutet dies: Sie erhalten Zugang zu Innovationen, ohne dafür die Kosten für ortsfeste Einrichtungen übernehmen zu müssen. 

Wenn wir ganze Branchen transformieren und neue, stärker digitalisierte Geschäftsmodelle im Bereich digitale Stromnetze schaffen, dann ist das genau die Chance, bei der die Finanzierung eine entscheidende Rolle spielen kann und wird. Das beträchtliche Investitionsvolumen sowie der mittel- bis längerfristige Charakter flexibler Business Cases erfordern kreative Ideen für Geschäftsangebote mit maximaler Wirkung.
Klaus Grünfelder, Financing Solution Partner for Smart Infrastructure, Siemens Financial Services

Charging as-a Service

Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge gehört zu den dringendsten Investitionsfeldern. Parkplätze und komplette Elektrobus- und LKW-Depots müssen mit entsprechenden Systemen und Lösungen ausgestattet werden. Dazu gehören Ladegeräte an Ladestationen ebenso wie Netzanschluss-, Backend- und Betriebslösungen.

Siemens Financial Services (SFS) ist ideal aufgestellt, um Unternehmen bei ihren Grid-Edge-Aktivitäten zu unterstützen. Charging-as-a-Service kombiniert die Datenanalyse mit der Finanzierung und ermöglicht Flottenbetreibern so den bilanzneutralen Umstieg auf Elektrofahrzeuge. Da ihre Kreditlinie nicht in Anspruch genommen wird, können Unternehmen durch den Grid-Edge-Übergang umweltfreundlich werden und gleichzeitig zuverlässiger und sicherer planen.

Intelligente Finanzierungslösungen aus einer Hand

Im gewerblichen und industriellen Bereich ermöglicht es das Energy-as-a-Service-Modell (EaaS) Unternehmen, Grid-Edge-Technologien durch die Einsparungen zu finanzieren, die sich durch die Verbesserung ihrer Energieeffizienz ergeben. 

 

Jüngste Beispiele für solche Finanzierungslösungen im Bereich EaaS sind Calibrant Energy in den USA, ein Joint Venture zwischen Siemens Smart Infrastructure, SFS und Macquarie’s Green Investment Group sowie Berkeley Energy Commercial & Industrial Solutions (BECIS), das in Partnerschaft mit Siemens Unternehmen im asiatisch-pazifischen Raum den Zugang zu dezentralen Energielösungen ermöglicht. Das EaaS-Modell gestattet es Unternehmen, maßgeschneiderte Energieservices zu bezahlen, ohne Kapital investieren zu müssen; so können sie die Herausforderungen in Bezug auf Energiekosten und Nachhaltigkeit meistern.

Nachhaltigkeit für Planet und Unternehmen

EaaS ist nur ein Beispiel dafür, wie intelligente Finanzierungslösungen durch Berechnung des exakten Bedarfs mehr Flexibilität ermöglichen, die den technologischen Wandel fördert und zugleich finanziellen Nutzen hat. Wir erleben mitten in der Klimakrise eine Pandemie und in beiden Bereichen ist das „Abflachen der Kurve“ gleichermaßen dringend. Daher glauben wir, dass die Beschleunigung von Grid-Edge-Innovationen das Sprungbrett in eine nachhaltigere Zukunft sein kann.

Wie funktionieren intelligente Finanzierungslösungen?

„X-as-a-Service“-Modelle wie beispielsweise „Smart-Building-as-a-Service“ ermöglichen Einsparungen, mit denen die Investitionskosten gedeckt werden. Hierbei zahlt der Gebäudeeigentümer für die verbesserte technische Leistung im Rahmen eines flexiblen Zahlungsplans. Diese Serviceverträge können die Modernisierung und Wartung von technischen Einrichtungen, die Steigerung der Energieeffizienz, Ladeinfrastruktur für Elektromobilität oder die Speicherung von Ökostrom umfassen.

 

„Pay-for-Performance“-Lösungen beispielsweise auf Basis von MindSphere, dem Cloud-basierten, offenen IoT-Betriebssystem, digitalisieren den Finanzierungsprozess selbst. Die Raten korrespondieren mit der tatsächlichen Nutzung der Leistung der finanzierten Maschine, was für beispiellose Flexibilität sorgt. Diese Lösung bietet ein hohes Maß an Transparenz und ermöglicht kalkulierbare variable Kosten. Zudem kann der Nutzer die Daten auswerten, die über verschiedene MindSphere-Apps generiert werden.

 

Bei plattformbasierten Lösungen für umfangreiche Infrastrukturprojekte gibt es auch Optionen für Projektfinanzierungen und strukturierte Finanzierungen bzw. die aktive Beteiligung durch Kapitalinvestitionen, wie sie heute beispielsweise bei Flughäfen genutzt werden.

Die Verfasser

Klaus Gruenfelder ist Finanzierungsexperte bei Siemens Financial Services und Finanzierungslösungspartner für Smart Infrastructure. Mit seinem Hintergrund in den Bereichen Finanzen, Venture Capital und Private Equity kombiniert er Finanzwissen mit innovativer Business-Case-Entwicklung und kundenorientierten Lösungen.

 

Dr. Holger Müller ist Technologie- und Strategieexperte bei Siemens Smart Infrastructure. Mit seinem Hintergrund in den Bereichen Engineering, Strategie und Innovation verfügt er über langjährige Erfahrungen bei der Verknüpfung von technologischen Innovationen mit innovativen Geschäftsmodellen.

17. Februar, 2021

Picture credits: Siemens AG; Getty Images/Cultura RF

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