Faser der Zukunft

Der Umbruch in der Papier- und Zellstoffindustrie ist eine Chance findet Stora Enso und errichtet in Beihai, China, auf der grünen Wiese eine digitale Fabrik.
Die Herausforderung

Weg mit den Silos

Als analoge Büros plötzlich digital wurden, traf die schwindene Nachfrage nach Büropapier die Papier- und Zellstoffindustrie wie ein Schock. Stora Enso schrieb sich den digitalen Wandel auf die Fahne und hat sich als richtungsweisendes Unternehmen in der globalen Faserindustrie etabliert. Wir sprachen mit einem leidenschaftlichen Botschafter für die Neuerfindung von Stora Enso über das Ausbrechen aus den Silos im Denken, in der Organisation und in den Märkten: Dr. Heinz Felder, Senior Vice President Investments & Energy.

Was gab den Startschuss zu Stora Ensos digitaler Reise?

Wir hatten unseren Weckruf vor zehn Jahren. Zu jener Zeit waren wir in einer Wirtschaft, in der niemand an Papier vorbeikam, ausgesprochen erfolgreich. Unsere Organisation war in Silos strukturiert und stabil. Anhaltend gute Wachstumsraten hatten uns sehr selbstsicher gemacht. Dann – plötzlich – brach mit dem Umstieg auf digitale Produkte die Nachfrage nach Papier ein. Zum ersten Mal in unserer Geschichte traf uns ein Trend völlig unvorbereitet. Schlimmer noch, als unser Aktienkurs von 15 Euro auf ein Tief von 3 Euro fiel, waren wir auf einmal verwundbar.

Uns wurde klar, dass wir uns ändern mussten. Und das haben wir gemacht. Wir loteten neue Geschäftsmodelle aus, schoben den kulturellen Wandel in unserem Unternehmen an und, was am wichtigsten ist, wir änderten unsere Denkweise: 2006 sahen wir die Digitalisierung als Bedrohung, heute wissen wir, dass sie eine Chance ist.

Vor welche Herausforderungen stellt Sie die digitale Transformation von Stora Enso?

Digitalisierung selbst ist keine Herausforderung, sondern ein Enabler. Durch sie verbessrn wir den Vertrieb, die betriebliche Effizienz und unsere Geschäftsprozesse. Die Herausforderung besteht darin, unsere Organisation neu zu gestalten. Wenn wir in einem zunehmend digitalen Umfeld wettbewerbsfähig bleiben wollen, brauchen wir sehr kurze Markteinführungszeiten. Das bedeutet, unsere Organisation muss schneller, agiler und kundenorientierter werden. Wir arbeiten daran. Derzeit loten wir unsere Optionen aus: Wie können wir in Bereichen mit starkem Business Case Digitalisierung am besten priorisieren? Und wie können wir den Rollout erfolgreicher Pilotprojekte beschleunigen?

Umdenken ist keine Maßnahme. Es ist eine Geisteshaltung.
Dr. Heinz Felder, Senior Vice President Investment and Energy

Warum haben Sie sich für Siemens als Lieferant für Ihre erste digitale Fabrik entschieden?

Die kurze Antwort? Fähigkeit, Kontinuität und Engagement. Die lange Antwort? Wir bewegen uns von traditionellen Lieferantenbeziehungen weg hin zu Ökosystemen und strategischen Partnerschaften, insbesondere bei Digitalisierungsprojekten. Ein Ergebnis dieser engen Zusammenarbeit ist die größte Einzelinvestition in einem Wachstumsmarkt in der Geschichte von Stora Enso: unsere digitale Fabrik, die Greenfield Board Mill in Guangxi.

 

Siemens war von Anfang an dabei, schon als wir die Idee vor zehn Jahren entwickelten, und seit dem ersten Tag bringt sich Siemens ein und fordert uns. Wir haben einen einzigen Ansprechpartner für das gesamte Projekt: im Verkauf und beim Handling. Siemens hat das Know-how im Industrial Internet of Things, von der Automatisierung bis hin zum Prozessleitsystem, und die Unterstützung vor Ort durch Siemens China ist stark. Natürlich hilft es, dass unser Partner genau versteht, was die Faserindustrie an- und umtreibt.

Was hat das Umdenken Stora Enso gebracht?

Wir sind viel offener geworden, was unsere Märkte angeht. Der Ausbau wachsender Verbrauchermärkte, vor allem in Asien und China, hat heute Vorrang. Und wir erforschen neue Wachstumsfelder: erneuerbare Energien, Verpackungen, Textilien und, überraschenderweise, Chemikalien. Die aufkommenden Trends in der Konsumgüterindustrie und bei Lebensmittelverpackungen auf Faserbasis sind da hervorragende Beispiele. Unsere neue digitale Fabrik in China wird hauptsächlich Flüssigverpackungen produzieren. Die Nachfrage nach dieser hochwertigen Verpackungsart in Lebensmittelqualität wächst rasant. Unsere Smart Factory gibt uns die Flexibilität, die wir brauchen, um in China und in der Asien-Pazifik-Region die Nase vorn zu haben.

Lesen Sie das Interview mit Mikael Hannus, Stora Enso, über das neue Geschäft mit Lignin

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Das Team

Ein komplexes Unterfangen gemeinsam meistern

Für das Tiger-Projekt arbeitet sechs Siemens-Geschäftsbereiche nahtlos zusammen, um ein visionäres Meilensteinziel zu erreichen: den Bau der ersten volldigitalen Fabrik von Stora Enso. Auf dem Werksgelände in Beihai, China, übernahm das Siemens-Team die technische Planung, Inbetriebnahme und Montageüberwachung. Die Bereitschaft des Teams, sich über einen Zeitraum von zehn Jahren zu verpflichten, wurde zu einem Schlüsselfaktor für den Erfolg des hochkomplexen Vorhaben: Die Teammitglieder lieferten umfangreiches Know-how vor Ort ein, von der Konzeption bis hin zur Fertigstellung, und sorgten für Kontinuität im Projekt.
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Engelbert Schrapp
Key Account Manager,
Siemens Global
Als Key Account Manager bin ich in einer einzigartigen Lage. Die Rolle lässt mir die Freiheit, auf das große Ganze zu blicken, visionär und innovativ zu sein, um sowohl für meinen Kunden als auch für Siemens echten Werte zu schaffen. Dadurch sitze ich quasi auf der Seite des Kunden – und konnte Stora Enso vor zehn Jahren ermutigen, den digitalen Wandel in Angriff zu nehmen, und kann heute ihre Transformation mitgestalten. Dem Tiger-Projekt verdanke ich den Ausbruch aus eigenen Silos, persönlich wie beruflich. Ich zog mit meiner Familie nach Shanghai, um tiefer in das Projekt einzutauchen. Dort fuhr ich jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit, als einziger Nicht-Chinese.
Radfahren kann eine großartige Möglichkeit sein, die Globalisierung zu erleben
Xu Jiong Yan
Ingenieur und Projektmanager,
Siemens China
Ich kam schon früh als einheimischer Experte zu dem Tiger-Projekt, in der intensiven 6-jährigen Vorbereitungsphase. Wir mussten den Kunden Paket für Paket für uns gewinnen. Den Zuschlag erhielten wir für Stromverteilung, Turbine und Prozesselektrifizierung. Als eine Woche später Automatisierung dazukam, sah ich unsere Chance, durch eine vollintegrierte, mühlenweite Automatisierung auf einer PCS7 ungebremste Datenmacht freizusetzen. Wenn ich heute die Greenfield Board Mill sehe und mir die Datenströme vorstelle, die sie steuern, denke ich ab und zu an die nackte rote Erde, auf der sie gebaut wurde. Wir haben sie geschaffen. Wir haben Maßstäbe für künftige digitale Fabriken gesetzt, nicht nur für China, sondern weltweit – und ich habe dazu beigetragen. Das ist ein gutes Gefühl.
Wir haben geschafft, was niemandem je zuvor gelungen ist
Lars Bråten
Projektleiter DCS,
Siemens Deutschland
Unsere tägliche Arbeitsbeziehung zu Stora Enso war sehr eng. Ihr Zutrauen hat der Mühle in Beihai, die Sie heute sehen, buchstäblich gestaltet. Als wir das technische Layout entworfen haben, hatte das Automatisierungspaket einen definierten Umfang. Zur Inbetriebnahme jedoch hatte Stora Enso die ursprüngliche Beauftragung so erweitert, dass sie uns die Steuerung des gesamten Standorts durch ein einziges Prozessleitsystem anvertraut hatten. Es gibt Augenblicke, wenn ich die Leistungsdaten sehe, da möchte ich den Teams von Stora Enso und Siemens nachträglich noch einmal gratulieren. Aber im Maschinenbau ist selbst eine gut gemachte Arbeit nie zu Ende. Unsere nächste Evolutionsstufe ist MindSphere.
Wir bringen Steuerungsleistung auf die nächste Stufe – in die Cloud
Die Lösung

Eine digitale Fabrik, die neue Maßstäbe setzt

Die Greenfield Board Mill von Stora Enso in Beihai, China, ist eine Fabrik, die in vieler Hinsicht neue Wege beschreitet: Sie ist die erste volldigitale Fabrik in der Faserindustrie, die erste Smart Factory in China, die das vollständig integrierte Automatisierungssystem von Siemens nutzt, und Stora Enso setzt mit ihr neue Maßstäbe in der Investition in ein Digitalisierungsprojekt. Der Mehrwert durch die schlüsselfertige SIPAPER-Installation von Siemens unterstützt Stora Enso bei der Expansion in Asiens neue Wachstumsmärkte für nachhaltige Lebensmittelverpackungen auf Faserbasis.

Kundenzentrierung

Der Markt verlangt nach kleineren Losgrößen und erfordert beim Kunden kürzere Reaktionszeiten. Losgröße 1 ermöglicht Flexibilität und Kundenzentrierung bei bedarfsorientierter Fertigung.

Betrieb

Unser auf SIPAPER und PCS7 aufbauendes Konzept für den ferngesteuerten Betrieb umfasst einen digitalen Raum, zu dem die Turbine, Verarbeitung, Infrastruktur, Stromversorgung und die Kartonmaschine selbst gehören.

Sicherheit

Totally Integrated Automation (TIA) gibt unseren Kunden Sicherheit: Sie schützt Arbeitsplätze in der Fertigung im digitalen Zeitalter und macht sie sicherer. Das integrierte Sicherheitskonzept erhöht die Arbeits- und Ausfallsicherheit. Das integrierte Sicherheitskonzept schützt das Automatisierungssystem und das Netzwerk, gewährleistet Systemintegrität und beugt Systemangriffen vor.

Cloud-Analysen

Datenanalysen – und die Option zum Anschluss an MindSphere – stehen im Mittelpunkt dieser volldigitalen Kartonfabrik. Das System analysiert und optimiert in der Greenfield Board Mill derzeit etwa die Hälfte der 700 Regelkreise. Vor Ort arbeitet ein vom Kunden speziell zusammengestelltes Experten-Team an der Integration von Datenanalysen in den täglichen Betrieb.

Zukunftsfähig mit integrierter Automatisierung

Vier Elemente – Turbine, SCADA, Prozess und Antriebe – bilden das mühlenweite Automatisierungssystem. Das beim Bau der Anlage implementierte Automatisierungssystem ist vollintegriert und ermöglicht umfassende und detaillierte Datenanalysen über die Cloud. Es schafft eine leistungsstarke Grundlage für alle künftigen Digitalisierungsprojekte im Werk.

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MindSphere
Das Portfolio

Wir bauen die Fabriken der Zukunft

Die erste volldigitale Fabrik in der Faserindustrie ist ein gemeinsames Erfolgsprojekt der strategischen Partnerschaft von Stora Enso und Siemens. Ihre praktischen Herausforderungen spornen unsere Kreativität in der Entwicklung digitaler Lösungen an.