Im Interview: Yürki-Erik Voss

Vertriebsleiter des Siemens Geschäftsbereichs MTS (Steuerungstechnik für Werkzeugmaschinen)

Ein Interview von Katherina Lamsa für die CNC4you 

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Der Weg in die Digitalisierung wird von Menschen und für Menschen bereitet 

Falls Sie das Interview lieber nachlesen wollen: 

(Transskription zum Video)

Katharina Lamsa: Herr Voss, in diesem Jahr feiert Siemens 60 Jahre CNC-Steuerung. Was hat sich in dieser Zeit bei Siemens im Bereich CNC-Steuerungen verändert?

 

Yürki-Erik Voss: Alles und nichts. Zum einen rüsten wir natürlich immer noch CNC-Maschinen aus, und es geht immer noch um das Gleiche, nämlich den Zerspanprozess zu steuern.

 

Auf der anderen Seite, wenn man sich die Entwicklung anschaut, von der ersten, von den Funktionen her doch einigermaßen eingeschränkten Werkzeugmaschinen, über die ersten digitalen Steuerungen,  in den 90er Jahren die Einführung von ShopMill/ShopTurn, die es ermöglichen, auf einmal ganz einfach die Maschinen vor Ort zu programmieren, bis hin zu unserer letzten Neuerung, der SINUMERIK ONE – „The first digital native CNC“, die aus unserer Sicht bahnbrechende Möglichkeiten eröffnet.

K. L.: Stichwort Digitalisierung: „CNC“ steht für Computerized Numerical Control. Es sind nach meinem Verständnis also Computer, die programmiert werden. Außerdem sind unsere Maschine vernetzt und Produktdaten können auch digital über Schnittstellen übernommen werden.  Eigentlich sind wir ja digital. Warum braucht es also eine neue CNC, oder anders gefragt: Was ist bei der SINUMERIK ONE anders?

 

Y.-E. V.: Zum einen haben sich einige fundamentale Sachen nicht geändert. Natürlich ist die SINUMERIK ONE wieder die neueste, schnellste, flexibelste Steuerung die angeboten wird am Markt, auf der anderen auch die erste Steuerung die wir – darum „The first digital native CNC“ – die wir voll digital von Grund auf entwickelt haben, so dass das Konzept des digitalen Zwillings fest im Produkt verankert ist und damit ganz andere Simulationsmöglichkeiten und eine Simulationspräzision ermöglicht wird, als das in der Vergangenheit möglich gewesen wäre.

K. L.: Wenn Sie von der DIgitalisierung in der Werkzeugmaschinenindustrie sprechen: Können Sie ein paar Beispiele nennen, welche konkrete Vorteile das für den Fertiger und den Maschinenbetreiber bringt? 

Y.-E. V.: Also, wenn wir konkret über SINUMERIK ONE reden, dann ist es natürlich die Möglichkeit zu simulieren – der digitale Zwilling. Das heißt, ich kann meine Programme am PC nicht nur erstellen, sondern ich kann sie wie an der Maschine komplett durchsimulieren. Damit erreiche ich zum einen, dass die Programme, wenn Sie erstmals auf die Maschine treffen, bereits zeitlich optimiert sind, aber auch hinsichtlich der Qualität schon optimiert sind. Und damit kann ich den nächsten Quantensprung in der Produktivität erreichen. Und über die SINUMERIK ONE hinaus gibt es natürlich auch weitere Möglichkeiten zum Beispiel mit unseren Ansätzen rund um die EDGE, wo wir es ermöglichen, zum Beispiel die Oberflächen zu simulieren und zu überwachen, ohne sie "angeschaut" zu haben.

Damit kann ich den nächsten Quantensprung in der Produktivität erreichen!
Yürki-Erik Voss, Siemens Machine Tool Systems zur SINUMERIK ONE

Also insofern gibt die Digitalisierung völlig neue Möglichkeiten das fertige Werkstück zu optimieren, bevor man, das erste eigentlich machen kann. Und: Wir erproben das in unseren eigenen Fertigungen, sowohl in Tübingen als auch in Bad Neustadt/Saale, um sicherzustellen, dass das, was wir unseren Kunden anbieten, auch die nötige Wirkung hat. Und da kann ich nur sagen: Wir haben hervorragende Erfahrungen gemacht, wir laden regelmäßig Kunden ein, um denen zu zeigen, wie wir die Digitalisierung erleben, was funktioniert, was vielleicht auch nicht funktioniert, um mit denen gemeinsam den Weg zu gehen.

 

Ich kann auch nur allen Kunden sagen: Sie sind herzlich eingeladen, wir zeigen gern, was wir gelernt haben und geben das weiter.

 

K. L.: Trotz dieser Möglichkeiten und Vorteile, die Sie gerade aufgeführt haben, gibt es aber immer noch genügend Anwender, die mit der Digitalisierung hadern. Welche Hürden sehen Sie denn im Gespräch mit Kunden und wie helfen Sie ihnen?  

 

Y.-E. V.: Das hat mehrere Aspekte. Zum einen den ganz menschlichen. Es ist eine Veränderung, zu sehen, wie man bisher gearbeitet hat. Und da muss der Mensch mitgenommen werden. Es ist wichtig – das ist auch die Erfahrung, die wir gemacht haben – Teams zu bilden, die Mitarbeiter einzubinden, ihnen die Möglichkeiten zu zeigen, ihnen bis zu einem gewissen Grade auch den Freiraum zu geben, den Weg zu gestalten in die Digitalisierung zu kommen. Zum anderen gibt es aber auch immer wieder, gerade wenn es um Vernetzung geht, Vorbehalte, weil man Sorgen hat, dass Daten irgendwie abgezogen werden oder sonst etwas. Das als Beispiel. Und da kann ich nur sagen: Wir bemühen uns als Siemens sehr, genau das zu verhindern. Wir bieten sichere Produkte an, zum einen in Hinblick auf Zugriffe von außen, die nicht erlaubt sind, zum anderen aber auch, um das Know-how unserer Kunden zu schützen. 

 

K. L.: Ich würde gern noch einmal auf das Stichwort „Menschen“, was Sie gerade gesagt haben, zurückgehen. Viele Betriebe tun sich nämlich sehr schwer damit, ihre CNC-Fertigungen mit Fachpersonal zu besetzen. Wer ist denn Ihrer Meinung nach für die Digitalisierung als Anwender besser geeignet oder vorbereitet? Der junge, digital vorgebildete Mensch, oder eben der erfahrene Maschinenbediener? 

Y.-E. V.: Ich würde sagen: Beide gleich gut. Der erfahrene Maschinenbediener bringt - wie es heißt - die Erfahrung mit. Er weiß, wie das Werkstück zu bearbeiten ist, wie die Maschine reagiert, was da zu beachten ist, und hat damit ein ganz anders Fundament, und der junge, „digital“ vorgebildete Mitarbeiter der bringt die Neugier mit, die Affinität zur Digitalisierung, um hier auch einfach Neues auszuprobieren. Insofern ist es aus meiner Sicht wichtig, den richtigen Mix zu haben, ein richtiges Team. Und das ist auch das, wo wir uns als Siemens sehen, genau hier die Kunden zu unterstützen, gemeinsam die richtigen Wege zu finden und Wege aufzuzeigen, wie man das Thema Digitalisierung passgenau zugeschnitten bei jedem einzelnen Kunden zum Fliegen bringen können. 

Es ist wichtig, den richtigen Mix zu haben, ein richtiges Team! 
Yürki-Erik Voss, Siemens Machine Tool Systems

K. L.: Ich kann mir vorstellen, dass gerade das „Nah am Kunden bleiben“ wahrscheinlich einer der wichtigsten Aspekte auch ist, damit beide Seiten erfolgreich die Digitalisierung bewältigen. Was genau tut den Siemens, um eben nah am Kunden zu blieben?

 

Y.-E. V.: Das ist natürlich für einen Großkonzern immer eine Herausforderung. Wir haben eine ganz starke Seite, das ist die Beziehung zu „unseren“ Maschinenbauern. Das sind Beziehungen, die teilweise über die anfangs angesprochenen 60 Jahre andauern. Wo die Herausforderung für uns beginnt, ist wirklich der Maschinenbediener. Und dort arbeiten wir täglich daran, besser zu werden. Wir haben natürlich Möglichkeiten: das eine sind unser „Train the Trainer“-Programme, um das, was wir an Erfahrungen, an Produkten haben, in den Markt hinein zu multiplizieren. Wir haben natürlich die CNC4you, das Medium, in dem wir uns hier heute treffen, und unsere Digital Experience Center - das Wichtigste in Erlangen! – und in dem wir uns heute befinden, das es uns ermöglicht, selbst zu erfahren, wie bedient man eine Werkzeugmaschine, was ist der Stand der Technik und wie können wir besser werden. Und das ist auch das, wo ich mir wünsche für die Zunkunft, dass wir als Siemens beweglich bleiben, neugierig bleiben, die nächste große Innovation nach der SINUMERIK ONE andenken und dann auch bringen zu können. 

 

K. L.: Wunderbar! Vielen Dank für das Interview, Herr Voss! 

 

Y.-E. V: Vielen Dank von meiner Seite! 

Ich kann auch nur allen Kunden sagen: Sie sind herzlich eingeladen! Wir zeigen gern, was wir gelernt haben, und geben das weiter.
Yürki-Erik Voss, Siemens Machine Tool Systems

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