Der eigene CNC-Zyklus

Die Königsdisziplin in der CNC-Programmierung

Eine Bearbeitungsaufgabe, bei der das Zyklenangebot der SINUMERIK nur bedingt hilft oder die effiziente Zusammenfassung von wiederkehrenden Aufgaben: Dies sind nur zwei Beispiele, bei denen die Erstellung eigener Makros – im Fachjargon CNC-Zyklen – eine Lösung bietet.

SINUMERIK-Technologiezyklen

SINUMERIK Operate bietet bereits ein sehr breites und leistungsfähiges Spektrum an Technologiefunktionen für Bohr-, Fräs-, Dreh-, aber auch Messfunktionen an. Die Bandbreite der technologischen Möglichkeiten dieser CNC-Zyklen ist aber stets eine Gradwanderung. Jede technologische Finesse darin abzubilden ist zwar grundsätzlich wünschenswert, führt aber zwangsweise zu einer steigenden Komplexität. Daher muss die Anzahl der Bearbeitungs-Parameter dieser CNC-Technologiezyklen begrenzt werden, um die CNC-Programmierung für ein möglichst breites Spektrum von Anwendern überschau- und vor allem handhabbar zu halten. Um dieses Dilemma zu umgehen, steht auch CNC-Anwendern die Möglichkeit offen, eigene CNC-Bearbeitungszyklen zu erstellen. CNC-Programmierern steht somit ein leistungsfähiges Medium zur Individualisierung und somit Rationalisierung der eigenen CNC-Programmierumgebung zur Verfügung.

Das Dateisystem

Hierzu muss man als erstes das Dateisystem einer SINUMERIK verstehen: CNC-Zyklen müssen immer an einer zentralen Stelle abgelegt sein, damit sie aus jedem CNC-Programm in jedem beliebigen Werkstückordner auch gefunden werden. An dieser zentralen Stelle hat das Dateisystem drei Schubladen. Eine für die SINUMERIK-Standard-Zyklen selbst. Die zweite ist für den Maschinenhersteller. Dort finden sich also maschinenspezifische CNC-Zyklen. Beispielsweise ist der Werkzeugwechsel in einer Fräsmaschine in der Regel in einem individuellen Werkzeugwechselzyklus abgebildet. Die dritte Schublade gehört dem Anwender. Dort können die eigenen Bearbeitungszyklen des CNC-Bedieners abgelegt werden.

Die Übergabeschnittstelle

Ein zentraler Punkt bei der Nutzung von CNC-Zyklen ist die Parameterübergabe. Natürlich kann man Bearbeitungsparameter im aufrufenden CNC-Programm in R-Parameter schreiben und diese im CNC-Zyklus auslesen. Dies ist aber umständlich und vor allem fehleranfällig, besonders wenn unterschiedliche Personen an einer CNC arbeiten und nicht eindeutig geklärt ist, welcher R-Parameter in wessen Hoheit liegt. Die Nutzung der in der CNC-Systemsoftware für Zyklen vorgesehenen Übergabeschnittstelle ist daher zweifelsfrei die bessere Alternative.

Die CNC-Hochsprache

Innerhalb der Bearbeitungszyklen steht dem CNC-Programmierer dann der volle Funktionsumfang der SINUMERIK-CNC-Programmiersprache zur Verfügung. Neben den typischen CNC-Befehlen wie G01, G02, F1000, S1000 etc. rückt sehr schnell die Nutzung der SINUMERIK-CNC-Hochsprache in den Vordergrund. Die Stärke der eigenen CNC-Bearbeitungszyklen hängt nämlich stark davon ab, wie individuell sich die Bearbeitung an die jeweiligen Anforderungen – also die übergebenen Parameter anpasst.
Die Nutzung von selbst definierten Variablen (DEF) ist dabei fast unumgänglich. Durch die Nutzung von Kontrollstrukturen wie IF-ELSE, REPEAT-UNTIL oder FOR-ENDFOR können Bearbeitungsabläufe systematisch und vor allem strukturiert abgebildet werden. Last, but not least ermöglichen mathematische Operationen wie SIN() oder ROUND() Werkzeugbahnen sehr individuell und effizient aus den Übergabeparametern abzuleiten.

Fazit

Eigene CNC-Bearbeitungszyklen sind zweifelsfrei ein wichtiges Hilfsmittel, um die Anwendung von Werkzeugmaschinen weiter zu rationalisieren. Sicherlich ist die Programmierung solcher Bearbeitungszyklen kein Thema für Anfänger. Hat man aber das Prinzip der Handhabung von „Procedures“ in der SINUMERIK-Systemsoftware einmal verstanden und sich mit den Vorzügen der SINUMERIK-CNC-Hochsprachenprogrammierung auseinandergesetzt, dann bietet sich eine unschlagbare Plattform, um das letzte Quäntchen Produktivität im Bearbeitungsprozess an der Werkzeugmaschine zu heben.

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