Weniger ist mehr ...

Sinumerik 828D im Werkstattbereich der Kamusin Metallbearbeitung GmbH

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CNC4you-Newsletter

Ende Juni 2020, die ersten Lockerungen des Corona-Ausnahmezustandes treten in Bayern in Kraft. Nachdem das CNC4you-Team monatelang nur online recherchieren durfte, führte uns der erste Vor-Ort-Termin zu Firma Kamusin Metallbearbeitung GmbH nach Schwebheim in der Nähe von Schweinfurt.  Ein wenig Verunsicherung begleitete uns bei diesem Termin: Wie wird der Kunde uns empfangen? Ist die allgemeine Stimmung vielleicht so gedrückt, dass eine gute Story sich schwierig umsetzen lässt? Aber weit gefehlt ...

Umsichtige Expansion

Obwohl natürlich auch bei Kamusin die Auftragslage besser sein könnte, ist die Stimmung positiv. Man spricht von Innovationen und der Neuausrichtung der Fertigung. Es ist überhaupt viel passiert im letzten Jahrzehnt im Hause Kamusin, deshalb vorab ein Blick zurück.

 

Um die Jahrtausendwende entscheidet sich Ingo Kamusin, gemeinsam mit seiner Frau eine kleine Lohnfertigung mit konventionellen Maschinen zu gründen. Schnell bemerken die Eheleute, dass die Geschäftsidee, als verlängerte Werkbank der metallverarbeitenden Industrie in Schweinfurt und Umgebung zu dienen, großen Erfolg verspricht. Kamusin investiert in CNC-Maschinen, um den Qualitätskriterien sowie den Terminerwartungen gerecht zu werden. Die Firma expandiert, der ursprüngliche Raum für die Maschinen wird zu klein und man zieht in eine großzügige Halle im nahen Industriegebiet in Schwebheim um.

Herausforderung Fachkräftemangel

Zwischenzeitlich war der Maschinenpark sogar auf etwa 12 Maschinen angewachsen und es wurde mit 15 Mitarbeitern produziert. Doch es war schwierig, gute Zerspanungsfacharbeiter in einer ländlichen Gegend zu finden. Viele Fachkräfte wanderten in die Großindustrie rings um Schweinfurt ab. So versuchte Ingo Kamusin selbst auszubilden. Leider ohne anhaltende Erfolge: zu wenig interessierte Bewerber. Und wenn es mal gepasst hat, dann wechselte der fertige Zerspanungsfacharbeiter nach erfolgreicher Ausbildung schnell in einen anderen Job. Ingo Kamusin kritisiert hier einen gesellschaftlichen Wandel, bei dem sich technische Berufe wie der des CNC-Zerspanungsfacharbeiters immer weniger Beliebtheit erfreuen. 

Back to the roots!

Die Konsequenz: Kamusin reduziert Schritt für Schritt die Anzahl der Mitarbeiter. Back to the roots, wie es so schön heißt. Kamusin besinnt sich auf die Kernkompetenzen, die das kleine Unternehmen so erfolgreich gemacht haben: die Entwicklung und Optimierung von Bauteilen – in enger Zusammenarbeit mit seinen Auftraggebern. Weg von dem hohen Kostendruck der reinen Lohnfertigung und hin zum Musterbau und zur Prototypenentwicklung. 

Die Familie ist der Schlüssel zum Erfolg

Das Unternehmenskonzept funktioniert, weil inzwischen die gesamte Familie in der Firma aktiv ist. Neben seiner Ehefrau, die im Büro von der Auftragsabwicklung bis zur Lohnabrechnung das Zepter führt, bringt Sohn Tim nach erfolgreicher Ausbildung zur CNC-Fachkraft und einigen Berufsjahren außerhalb des väterlichen Betriebes viel Tatkraft und neue Ideen ein. Tochter Lena hat sich ebenfalls der Zerspanungstechnik verschrieben und beendet gerade ihre Ausbildung, um dann auch in Schwebheim mitzuarbeiten.

 

Heute beschäftigt Kamusin neben der Familie nur noch drei Mitarbeiter. Gerade in der wirtschaftlichen Ausnahmesituation des Corona bedingten Lockdowns weiß Ingo Kamusin die heutige Firmenausrichtung zu schätzen. Er muss nicht an die Auslastung vieler Mitarbeiter denken, sondern hat den Spielraum, kreativ in die Zukunft zu denken. Besonders Junior Tim bringt viele neue Ideen in den Betrieb. Er hat durchgesetzt, den vorhandenen Maschinenpark schrittweise durch Sinumerik-gesteuerte Maschinen zu ersetzen: „Mit Hilfe der Sinumerik kann ich heute sowohl Großserie als auch kleine Losgrößen komfortabel und flexibel programmieren und bearbeiten. Bereits in meiner Ausbildung zum CNC-Zerspaner habe ich diese Vorzüge schätzen gelernt. Die Sinumerik ist heute die perfekte CNC für uns bei Kamusin.“

Es kann nur eine geben ….

Gerade für die typischen Kleinserien oder Einzelstücke bei Kamusin wird eine einfach verständliche Bedienung und Programmierung benötigt, die aber anderseits auch die Flexibilität bei komplexen Bauteilen oder für gelegentliche Bauteilserien bietet.

 

Die zwei Drehmaschinen von Hyundai WiA HD 2200 SY und L250Y sind beide mit der Sinumerik 828D ausgestattet. Viele Einzelteile werden direkt an der Steuerung programmiert. Dabei hilft die umfangreiche Funktionalität der grafischen Programmierung ShopTurn. Mit ShopTurn erstellt man ein Teileprogramm genau so, wie der Werker vor der Maschine denkt. Schritt für Schritt entsteht durch die Verkettung von einzelnen Arbeitsschritten das Programm. Die Arbeitsschritte werden durch Bearbeitungszyklen (Makros) repräsentiert.

 

Viele Freiheiten

Tim Kamusin fühlt sich aber durch dieses Angebot der rein grafischen Programmierung nicht eingeengt in der Umsetzung seine Bauteile. Ganz im Gegenteil. Es ist für ihn begeisternd, dass man die grafische Programmierung mit G-Code Sätzen frei mischen kann. Genial gelöst ist in seinen Augen, dass viele Eingabefelder in den Zyklen der ShopTurn-Programmieroberfläche mit R-Parametern oder auch Rechenoperationen mit R-Parametern beschrieben werden können. 

 

Das ist dann besonders wertvoll, wenn man Teilefamilien bearbeitet, in denen die Bauteile weitestgehend identisch sind, aber ein Durchmesser, eine Bohrungsposition, der Bohrungsdurchmesser, die Bauteillänge oder andere Parameter variieren. In solchen Fällen genügt ein Hauptprogramm, in dem am Programmanfang über die jeweilige Definition eines R-Parameters die richtige Bauteilausprägung ausgewählt wird. Das Programm selbst bleibt unangetastet.

Intuitiv nutzbare Gegenspindelfunktionen

Die Hyundai Wia Drehmaschine HD 2200 SY verfügt über eine Haupt- und Gegenspindel. Auch hier punktet die Sinumerik 828D mit höchstem Bedienkomfort. Der intelligente Gegenspindelzyklus in ShopTurn ermöglicht das grafisch interaktive Programmieren der Gegenspindel – vom einfachen Abstützen bis hin zum automatisierten Werkstückfluss mit Stangenladern. „Die Möglichkeiten mit Hilfe der Gegenspindelfunktionen sind enorm vielfältig und mit ShopTurn doch einfach beherrschbar“, schwärmt Tim Kamusin. „Der gesamte Ablauf der Übergabe von der Haupt- zur Gegenspindel lässt sich leicht über die grafisch unterstützen Eingabefelder steuern.“ Klemmen, Ziehen, Lösen, Synchronisieren, Fahren auf die Abstechposition, das Spiegeln der Bearbeitung und vieles mehr sind so beherrschbar. Kamusin konnte nach kurzer Zeit die neue Maschine perfekt in seine Produktion einbinden. 

Flexibel bleiben

Mit dieser technischen Ausrüstung tut sich Kamusin leicht, auch kleinere Aufträge entgegen zu nehmen. Beispielsweise die Fertigung von Verbindungsstücken für Weinregale für einen Winzer im nahen Weinanbaugebiet der Mainschleife. Das gezeigte Bauteil lässt sich perfekt mit Hilfe der Gegenspindel, der angetriebenen Werkzeuge und der Fräsoperationen sowie der Y-Achse realisieren. Aus Sicht der Arbeitsvorbereitung ist der Aufwand gering. In nur 15 Minuten hat Tim Kamusin das  Bauteil direkt an der Steuerung mit ShopTurn programmiert.

Messen im Prozess

Auch auf die Möglichkeit, eine Serienfertigung durchführen zu können, wurde bei der Auswahl der Maschine geachtet. Die Drehmaschine verfügt über einen zusätzlichen Stangenlader und ist in der Lage, Serien auch mannlos zu produzieren. Um die Prozesssicherheit und das Messen im Prozess zu garantieren, investierte Kamusin in Blum-Messtechnik. Für die Werkstückvermessung ist auf der Maschine ein Blum TC54-10 Messtaster im Einsatz. Durch das multidirektionale Messwerk mit Planverzahnung sind Messungen in X+/-, Y+/- und Z+/- mit einem Stern- oder T-Tasteinsatz möglich. 

 

Die Taster in Geräteschutzklasse IP68 eignen sich für prozesssichere Messungen auch bei laufendem Kühlmittel bis zu einer Messgeschwindigkeit von 2000 mm/min. Typische Messaufgaben auf Drehmaschinen sind die Messung einer Nut (C-Achs-Messung), Aussen-, Innendurchmesser, Länge oder Positionsbestimmung. Da die Sinumerik 828D eine ganze Auswahl von Messzyklen mitbringt, lassen sich die Messtaster auch steuerungsseitig leicht nutzen. 

 

Und: Anhand der Mess-Ergebnisse lassen sich nicht nur die Werkstücke korrigieren, sondern auch vollautomatisiert der Verschleiß der Werkzeuge bestimmen sowie die Werkzeugdaten aktualisieren. 

Es wird weiter investiert

Die Story bei Kamusin geht weiter. Im Herbst wird eine neue Fräsmaschine geliefert. Auch hier ist die Wahl der CNC bereits klar definiert: Ohne Sinumerik kommt Kamusin keine Maschine mehr ins Haus. Da die Bedienung von Fräs- oder Drehmaschinen bei der Sinumerik komplett einheitlich gelöst ist, erwartet Kamusin nur wenig Einarbeitungszeit bei der neuen Maschine. Wir freuen uns schon auf den nächsten Besuch im sympathischen Familienbetrieb. 

 

Geburtstagsgruß an Sinumerik

Zum guten Ende noch ein Geburtstagsgruß von Tim Kamusin an die in diesem Jahr 60 Jahre alte CNC-Familie Sinumerik:

 

Mit Hilfe der CNC Sinumerik kann ich heute sowohl Großserie als auch kleine Losgrößen komfortabel und flexibel programmieren und bearbeiten. Bereits in meiner Ausbildung zum CNC-Zerspaner habe ich diese Vorzüge schätzen gelernt. Die Sinumerik heute ist für mich die beste Steuerung der Welt. Weiter so!
Tim Kamusin, Juniorchef Fa. Kamusin Metallbearbeitung Schwebheim

Technik im Detail

Der Gegenspindelzyklus in ShopTurn

Verfügt eine CNC-Drehmaschine über eine Gegenspindel, können Werkstücke zeitoptimiert gefertigt werden. Ein weiterer Vorteil: Werkstücke können bezogen auf die Form und Lagetoleranzen mit zwei Spindeln exakter gefertigt werden.

 

Der Gegenspindelzyklus von ShopTurn ermöglicht in einfacher Weise das Arbeiten mit zwei Spindeln.

Spindelfutterdaten eingeben

Die Spindelfutterdaten müssen hierfür korrekt gesetzt sein.

Bei allen nachfolgenden Bearbeitungen mit dem Gegenspindelzyklus werden die hier eingegebenen Werte eingerechnet und eine exakte Übergabe und Bearbeitung ist gewährleistet.

Jetzt kann der Gegenspindelzyklus abgebildet werden.

 

G55:

  • Anhand der Geometriedaten der Maschine wird der Nullpunkt für die Gegenspindel berechnet

 

ZV:

  • Länge des Fertigteils

 

ZS2W:

  • Position der Gegenspindel im Maschinen-Koordinatensystem

 

All das zeigt das folgende Video-Tutorial noch einmal im Zusammenhang: 

SINUMERIK-Tutorial zur Gegenspindel

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