CNC4you

Die Ruhe vor dem Sturm nutzen

Fünf Monate im Jahr läuft die Zuckerproduktion am Standort Rain der Südzucker AG auf Hochtouren. Die restlichen sieben Monate des Jahres werden in der Zuckerfabrik für die Wartung der Anlagen genutzt. Dabei setzen die Verantwortlichen bei verschiedenen Instandhaltungsmaßnahmen auch auf Steuerungstechnik von Siemens.

Akribische Vorbereitung auf die Kampagne

Mit großem Engagement unterstützt Thomas Jaumann das Instandhaltungsteam des Südzuckerwerkes in Rain am Lech, um die Zuckerfabrik auf die alljährliche Rübenkampagne vorzubereiten. Anfang September geht es hier richtig los: Eng getaktet liefern zahlreiche LKWs die Zuckerrüben aus der Region in der Fabrik an. Auf mehreren riesigen Lagerflächen türmen sich haushohe Berge der süßen Früchte, aus denen in den kommenden fünf Monaten feinster Kristallzucker produziert wird. 

 

Bei unserem Besuch im August ist Thomas Jaumann noch entspannt. Der Zerspanungstechniker ist mit seiner Arbeit in diesem Jahr fast fertig. „Im Frühjahr und Sommer steht die Produktion. In diesen knapp sieben Monaten wird die komplette Produktionsanlage mit ihren kilometerlangen Förderwegen und Rohrleitungen,  ihren zahlreichen Antrieben, Pumpen und Armaturen sowie den vielen Tanks für die unterschiedlichsten Prozessschritte gewartet, erneuert, verändert und erweitert“, erläutert er uns bei einem Rundgang durch die Anlage. 

 

Eines fällt schnell auf: Die riesigen Hallen sind fast menschenleer. Von den insgesamt 220 Mitarbeitern sind nur wenige zu sehen. Thomas Jaumann erklärt: „Ab Juli holt die Belegschaft quasi Luft, nimmt Urlaub

und bereitet sich auf die Anfang September startende Zuckerrüben-Kampagne vor. Dann wird es hier sehr

hektisch. Wir arbeiten dann im Vier-Schicht-Betrieb rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Bis zu 12.000

Tonnen Zuckerrüben werden hier dann pro Tag verarbeitet.“

Interne Instandhaltung schafft Flexibilität

Sieben Monate für die Instandhaltung mögen lang erscheinen – doch wer die riesige Anlage in Rain sieht, erahnt den Umfang dieser anspruchsvollen Aufgabe. Allein mehr als 3.000 Antriebe verschiedenster Größe und Leistungskraft müssen inspiziert und gewartet werden. Schon die Inspektion der Anlage kurz nach der Kampagne dauert Wochen und ohne eigene Instandhaltung und Werkstatt wäre man mit der Wartung nie bis zum nächsten September fertig. „Wir fahren hier einen Mix. Komplexere, besonders schwierige oder große Teile lassen wir extern fertigen oder reparieren. Aber vieles können unsere Elektriker und Schlosser intern viel schneller und flexibler erledigen. Oberste Priorität ist eben, dass im September wieder alles bereit ist. Und dank der eigenen Werkstatt sind wir auch während der Kampagne noch handlungsfähig“, so Jaumann.

 

Neben vielen manuellen Drehbänken steht ein neues Schmuckstück in der großen Werkstatthalle der Zuckerfabrik: eine ROMI C510 mit SINUMERIK 828D und ShopTurn. Den gelernten Zerspanungstechniker Jaumann haben an der ROMI besonders das sehr solide Maschinenbett und die robuste Mechanik überzeugt. Und die SINUMERIK 828D ist nach seiner Erfahrung die perfekte Steuerung dazu: „Wir arbeiten hier wie ein Lohnfertiger: Werkstattprogrammierung auf der Maschine auf Basis von Werkstückmessungen oder Datenblättern, Einzelstücke oder Kleinstserien mit hoher Varianz in unterschiedlicher Größe und Komplexität. In der Wartung kann man ja auch viel kaputtmachen und Fehler kosten Zeit, die wir nicht haben. Daher bestehe ich auf einer vernünftigen, zuverlässigen Steuerung an der Maschine.“ 

Wir haben hier eigentlich zwei Jobs: Instandhaltung in der Zwischensaison, Prozess- bzw. Anlagensteuerung während der Kampagne.
Thomas Jaumann, Zerspanungstechniker der Südzucker AG in Rain am Lech

Alljährliche Aufgabenwechsel

In der Produktionsanlage setzt Südzucker ebenfalls auf Steuerungstechnik von Siemens. Einen wesentlichen Grund dafür nennt Jaumann, als er von seinen Aufgaben während der laufenden Zuckerrübenernte berichtet. Dann verwandeln sich viele der Elektriker und Schlosser im Werk plötzlich in Prozesstechniker, die die Anlage und Zuckerproduktion an Monitoren in einem speziellen, zentralen Steuerungsraum überwachen und per Computer steuern. „Wir haben hier eigentlich zwei Jobs: Instandhaltung in der Zwischensaison, Prozess- bzw. Anlagensteuerung während der Kampagne. Als ich hier anfing, wurde ich als Zerspanungstechniker erstmal in die Prozesse der Zuckerproduktion und die Anlagensteuerung eingeführt. Anfangs hat mich das irritiert, inzwischen empfinde ich diesen saisonalen Aufgabenwechsel als Bereicherung und interessante Abwechslung. Außerdem ist es während der Kampagne von Vorteil, wenn man ein Antriebsaggregat, das eine Störmeldung auf den Monitor sendet, aus der Instandhaltung im Detail kennt.“

 

Für das Ausbildungskonzept im Werk hat das Konsequenzen: „Wir geben unseren Schlossern in der Ausbildung CNC als Zusatzqualifikation mit. Das ist für uns ein dicker Pluspunkt beim Wettbewerb um Talente und ein großer Vorteil für unsere drei bis fünf Auszubildenden im Bereich der Industriemechaniker pro Ausbildungsjahr. Dafür haben wir jetzt Rechner im Schulungsraum mit SinuTrain ausgestattet – so bleibt in der Werkstatt mehr Zeit für produktives Arbeiten.“

Tipps vom freien SINUMERIK -Trainer

Unterstützung an der Maschine erhielten die Mitarbeiter von Hans-Peter Moser, einem von Siemens zertifizierten freien CNC-Trainer für SINUMERIK. Er führte mit etlichen praxisnahen Tipps und Tricks in die Programmierung der Maschine und den effizienten Einsatz von SinuTrain ein. Dabei zeigte er dem Team auch, wie man mit der ROMI und SINUMERIK eine Laufrolle aus Kunststoff neu fertigen und eine gebrauchte Zentrifugenkalotte mit Einlaufspuren und Unwucht wieder zentrieren kann. „Den Tipp und den Kontakt zu Herrn Moser bekam ich von einem Betrieb aus der Nachbarschaft. Ich finde dieses Konzept der freien Trainer sehr sinnvoll. Das sind erfahrene Praktiker, die die Anwendungen und viele Kniffe kennen. Von Herrn Moser haben wir viel gelernt. Die CNC-Drehmaschine mit SINUMERIK-Steuerung eröffnet uns so neue Möglichkeiten und schafft zuverlässig mehr Flexibilität“, fasst Thomas Jaumann abschließend die Vorteile zusammen.

Feedback

Haben Sie Fragen zum Thema oder einen Themenvorschlag?

Schreiben Sie uns!