LNG Station Hammerfest, Norwegen

Eine Zustandsüberwachung sorgt dafür, dass das LNG auf der Insel Melkøya zuverlässig fließt
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Digitale Zustandsüberwachung

Erdgas zuverlässig verflüssigen

Erdgas aus der Barentssee auf minus 160 Grad Celsius kühlen, in Spezialtanks füllen und an Häfen in alle Welt liefern – bei dieser Arbeit nutzt die Flüssigerdgas-Anlage von Equinor auf der norwegischen Insel Melkøya unter anderem auf digitale Tools von Siemens.

Verdichtete Energie

Fallen Industrieanlagen teilweise oder insgesamt aus, können die Folgekosten in die Millionen gehen. Um dem vorzubeugen, wird die Leistung der Kompressorenstränge in der Flüssigerdgas-Anlage von Equinor auf Melkøya mit Unterstützung von Siemens kontinuierlich überwacht. Die Folge: höhere Anlagenverfügbarkeit und niedrigere Kosten. Das Erdgas erreicht Melkøya über eine 160 km lange Gaspipeline aus dem Erdgasfeld Snøhvit in der Barentssee. Auf der Insel werden Wasser und CO2 aus dem Förderstrom separiert, bevor das Erdgas auf minus 160°C gekühlt und in flüssigem Zustand (Flüssigerdgas; LNG, engl. liquefied natural gas) kondensiert und in Spezialtanks gespeichert wird. Auch das separierte CO2 wird dabei durch Abkühlung verflüssigt und anschließend in das Gasfeld Snøhvit zurücktransportiert, wo es in einem Endlager unter dem Meeresgrund gespeichert wird.

 

Das LNG wird von der Insel dann auf Spezialschiffen zu den Bestimmungshäfen in aller Welt transportiert. Nach dem Transport wird es wieder in seinen gasförmigen Zustand zurückversetzt und strömt in die Pipelines.

 

Absolute Zuverlässigkeit gefragt

Der Betriebsschwerpunkt auf Melkøya liegt auf dem Verflüssigungsprozess. Die dafür erforderlichen Hochleistungs-Verdichterstränge müssen zuverlässig laufen, vor allem aufgrund des abgelegenen Standorts am nördlichen Polarkreis.

Die Betreiber und Serviceingenieure sind permanent auf der Suche nach optimierten Lösungen, um eine effiziente Produktion aufrechtzuerhalten. Etwa Wartungsintervalle zu verringern, den Zustand der Anlagenkomponenten zu untersuchen oder Servicemaßnahmen zügig einzuleiten – eben alles, was erforderlich ist, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden.
Anders Dirdal, Corporate Account Manager bei Siemens

Integrierte Zustandsüberwachung

Ausgerüstet wurden die elektrischen Kompressorenstränge mit den weltweit größten Simotics-Hochspannungs- und Hochgeschwindigkeits-Synchronmotoren mit einer Leistung von 65 MW sowie mit Sinamics GL-Umrichtern. Dies führt zu einem hohen Wirkungsgrad und hoher Verfügbarkeit. Mit Zustandsüberwachungs- und Datenerfassungsfunktionen kann der Zustand der elektrischen Anlagenkomponenten des gesamten Systems lückenlos überwacht werden. Anhand dieser Daten sind die Mitarbeiter von Equinor in der Lage, präzise Analysen der Komponentenleistung durchführen und können so den Anlagenwirkungsgrad durch gezielte Feinjustierungen weiter steigern.

 

Denn Störungen oder Ausfälle von Motoren und Umrichtern ziehen kostspielige Folgen nach sich. Daher führte Equinor 2013 ein neues Zustandsüberwachungssystem für den Kompressorantriebsstrang der LNG-Anlage ein. Heute sorgt die Sidrive IQ Plattform für die Zustands-Überwachung, Analyse und Optimierung des Antriebsstrangs. Denn nach der Inbetriebnahme der Anlage kam das Expertenteam zu der Erkenntnis, dass sich maximale Anlagenverfügbarkeit nur durch ein ganzheitliches Konzept für den gesamten Antriebsstrang erreichen lässt – ähnlich wie die Strategien, mit denen siegreiche Mannschaften die Leistung ihrer Sportler aufrechterhalten. Zusammen mit Ingenieuren von Siemens wurden zudem zusätzliche Sensoren an weiteren Komponenten des Verarbeitungsstrangs installiert, mit denen Daten zu Parametern wie Staubbelastung, Magnetfelddichte und Vibrationsbelastung erfasst werden.

 

Mithilfe dieser Daten können die Siemens-Servicespezialisten wertvolle Hilfestellung geben und die Wartungsstrategien bereits vorab noch präziser festlegen. Ungeplante Ausfälle sind somit vermeidbar, geplante Stillstandzeiten lassen sich verkürzen.

 

SINAMICS PERFECT HARMONY GH180

Produktinformation

Mit Daten Fehler beheben

Die Ingenieure von Equinor konnten mithilfe von Sidrive IQ bereits ein Problem beheben, bevor es zu einem längeren Ausfall der Anlage kam: Siemens-Experten in Deutschland analysierten die kritische Situation anhand der von Sidrive IQ übermittelten Daten und konnten dabei nicht nur die schadhaften Bauteile lokalisieren und die eigentliche Fehlerursache ermitteln; sie entwickelten außerdem eine Lösung für das Problem und erstellten eine Liste der benötigten Ersatzteile. Statt innerhalb der üblichen Tage oder gar Wochen lief dies alles innerhalb weniger Stunden ab.

 

Grundsätzlich können durch Sidrive IQ die Ausfallzeiten um bis zu 70 Prozent und die Wartungskosten um bis zu 20 Prozent verringert werden.

Equinor

Equinor ist ein internationales Energieunternehmen, Europas zweitgrößter Gaslieferant und der größte Betreiber von Gas- und Ölproduktionsanlagen auf hoher See. In Deutschland kommen circa 25-30 Prozent des Erdgases von Equinor. Aktuell ist Equinor in über 30 Ländern präsent und produziert täglich zwei Millionen Barrel Öl. Seit über 40 Jahren fördert Equinor Erdöl und Erdgas auf dem norwegischen Kontinentalschelf und zunehmend weltweit. Knapp 70 Prozent der Produktion findet in Norwegen statt.

 

Equinor wurde 1972 als Staatsunternehmen gegründet. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Stavanger und beschäftigt weltweit rund 20.000 Mitarbeiter. Im Mai 2018 hat das Unternehmen seinen Namen von vormals Statoil zu Equinor geändert, um seiner Neuausrichtung zu einem breitaufgestellten Energieunternehmen Rechnung zu tragen.

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