Siemens Arts Program - Musik

"Carnegie Hall, ein Ort, der seit meiner Kindheit eine so mystische, magische Aura für mich hat." –  Fabian Müller, Gewinner des ARD-Musikwettbewerbs 2017 (Klavier), in der Carnegie Hall in New York. Dort trat der Pianist im März 2018 gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsorchester auf.

Die klassische Musik nimmt seit Beginn des Programms eine große Rolle in unserer Arbeit ein. Wir unterstützen dabei stets auch Produktionen, die sich mit zeitgenössischen Formen musikalischer Ausdrucksweisen beschäftigen. Vor diesem Hintergrund initiieren wir Tanzperformances und Klangexperimente sowie Musikproduktionen und klassische Konzertabende.
Ein wichtiges Ziel unserer Aktivitäten ist die weltweite Förderung von exzellenten Nachwuchskünstlern. Dies geschieht durch eigene Nachwuchswettbewerbe (z.B. Siemens Opera Contest) und durch die Vernetzung von Nachwuchskräften mit etablierten internationalen Kulturinstitutionen (Carnegie Hall New York, Opéra Garnier Paris, Bayerische Staatsoper, Salzburger Festspiele).

News

Mit dem Orchester im Einklang

Mit dynamischer Bühnenpräsenz und großer Leidenschaft verzauberte Delyana Lazarova das Publikum im ehemaligen Kirchenschiff von St. Peter’s in Manchester. Von Brahms 1. Sinfonie über Verdis Macht des Schicksals erschuf sie ein musikalisches Erlebnis, das Zuhörer wie Musiker in ihren Bann zog.

Delyana Lazarova gewinnt den internationalen Siemens-Hallé Dirigierwettbewerb 2020

„Diesen Wettbewerb gewonnen zu haben ist ein unglaubliches Gefühl, ich bin ausgesprochen glücklich und geehrt. Mit Sir Mark Elder und den Musikern des Hallé Orchesters arbeiten zu dürfen ist ein großes Privileg“, sagt Delyana, als ihr die Trophäe überreicht wird.

 

287 Dirigiertalente aus 55 Ländern haben sich letztes Jahr auf diese einmalige Stelle beworben. Der Gewinn ist ein Preisgeld von 15.000 britische Pfund und die einzigartige Möglichkeit, zwei Jahre lang als Assistent des renommierten Chefdirigenten Sir Mark Elder zu arbeiten, sowie die künstlerische Leitung des Hallé Youth Orchestra zu übernehmen – ein Traum für jeden aufstrebenden Nachwuchsdirigenten!

Diesen Wettbewerb in Kooperation mit dem Hallé Orchester auszurichten bedeutet für uns, neuen Talenten eine Plattform zu geben, damit sie ihre jahrelange, harte Arbeit und ihre musikalischen Fähigkeiten auf einer internationalen Bühne demonstrieren können.“ 
Stephan Frucht, künstlerischer Leiter des Siemens Arts Program

Inspirieren ist meine Aufgabe  

Die Leitung des Hallé Jugendorchesters ist ein wichtiger Teil von Delyanas zukünftiger Stelle. Doch inwiefern unterscheidet sich die Arbeit mit jugendlichen Musikerinnen und Musikern von der mit einem professionellen Orchester?

 

Die bulgarische Musikerin gibt folgende Antwort darauf:

„Ich denke, die Arbeit mit einem Jugendorchester unterscheidet sich nicht so sehr von einem professionellen Orchester. Als Dirigentin ist es meine Aufgabe zu inspirieren. Ganz egal, wer vor mir steht! Und mit jungen Menschen, jungen Seelen und jungen Geistern zu arbeiten und sie mit Musik zu inspirieren, ist etwas wirklich Lohnendes. Im Grunde genommen ist es eine Inspiration auf einer etwas reineren Ebene als bei professionellen Musikern.“

 

Auf die Frage hin, wie sie den Wettbewerbsprozess erlebte, antwortet Delyana: „Dieser Wettbewerb war definitiv etwas Bemerkenswertes. Nicht zuletzt wegen des Umfelds: das Hallé und das Siemens Team haben uns sehr herzlich willkommen geheißen. Ich habe mich sofort aufgehoben gefühlt, als wäre ich zuhause.“ 

Das Highlight einer langen Partnerschaft

Die Zusammenarbeit zwischen Siemens und dem Hallé-Orchester hat mittlerweile Tradition. Bereits seit 20 Jahren arbeiten wir zusammen mit dem renommierten Orchester, das zu den besten Symphonischen Ensembles Großbritanniens gehört. Dieser Wettbewerb begründet nun den Höhepunkt einer Reihe erfolgreicher Projekte, die Siemens und Hallé in der Zeit ihrer innovativen Kooperation auf die Beine gebracht haben.

 

Das Engagement des Siemens Arts Program hebt diese Kooperation nun mit „Siemens Hallé International Conductors Competition“ auf eine internationale Ebene mit weitaus größerer Reichweite.

Unsere Partnerschaft mit dem Hallé Orchester ist etwas Besonderes: Das Orchester teilt nicht nur unsere Leidenschaft für Exzellenz, sondern ist auch ein wichtiger Teil unseres Engagements in der Stadt Manchester. Dieser Wettbewerb mit seiner einzigartigen Digital Challenge ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie Technologie und Kunst zusammenwirken und voneinander profitieren können, um Neues und Innovatives zu schaffen.
Carl Ennis, CEO von Siemens UK

Dirigieren via Avatar

Passend zu Siemens als führender Technologiekonzern, enthielt dieser Wettbewerb auch eine innovative Komponente in Form einer „Digital Challenge“. Diese mussten die Kandidatinnen und Kandidaten erfolgreich absolvieren, um ins Finale vorrücken zu können. Getestet wurde dabei vor allem ihre Fähigkeit mit neuen, ungewohnten Elementen umzugehen – schließlich steht Digitalisierung mittlerweile nicht nur bei Siemens im Mittelpunkt, sondern findet jetzt schon ihren Weg in die Opernwelt.

 

So digital hat sich bis jetzt allerdings noch kein Dirigierwettbewerb gezeigt, was sogar die Aufmerksamkeit der London TIMES erregte. So schrieb Kulturkorrespondent David Sanderson, „das Dirigieren des Siemens-Avatar vor dem Hallé Orchester könnte die Zukunft sein, so wie es Strawinsky einst war.“

 

Auch der Veranstaltungsort sticht in seiner Einzigartigkeit hervor: die kürzlich restaurierte Kirche Hallé St. Peter’s ist ein im anglikanischen Stil gehaltener Bau, der mit neuester Siemens Technologie ausgestattet ist. Somit trifft historischer Charme auf moderne Infrastruktur und ein herausragendes Konzert mit exzellentem Klangerlebnis ist vorprogrammiert.

Eins mit der Musik – der eigentliche Gewinn

„Die Performance heute hat mir immense Freude bereitet.“, beschreibt Delyana ihren Auftritt beim Finale. „Mit den Hallé Musikern Musik zu machen – das ist etwas ganz Besonderes. Den Moment, als wir das Konzert beendet haben, empfand ich als eine solch lohnende Erfahrung, dass ich eigentlich gar nichts anderes brauchte. Der Gewinn ist fantastisch, doch auf einem solch hohen Niveau Musik machen zu können und zu spüren, dass die Musiker und ich in diesem Moment alle im Einklang sind – das ist wahrlich spektakulär!“ 

Projekte

Die Musikwelt zusammenbringen

Digital gegen das Vergessen – Würdigung für den ermordeten Komponisten Viktor Ullmann

Vor 75 Jahren wurde der Komponist Viktor Ullmann in Auschwitz ermordet. Das Siemens Arts Program will die Erinnerung an Viktor Ullmann wachhalten, stellvertretend für zahlreiche KünstlerInnen, die von den Nationalsozialisten vertrieben und ermordet wurden. Wir hoffen, dass die Musik Ullmanns von vielen Menschen auf der ganzen Welt (wieder-) entdeckt wird. Deshalb haben wir mit der Pianistin Annika Treutler und dem Medienkünstler Alexander Stublić ein audiovisuelles Kunstprojekt gestartet.

Annika Treutler über Viktor Ullmann:

„Mein Anliegen ist es, dass seine Musik gleichwertig geschätzt und bekannt wird, wie die seiner großen, nicht verfolgten Kollegen aus der Zeit. Sie hat es verdient! Ullmann hat in seiner Musik eine ganz besondere Sprache entwickelt, eine eigene Tonalität erschaffen. Obwohl er Schüler von Arnold Schönberg gewesen ist, ist seine Musik nicht atonal, sondern die Tonalität abgewandelt, indem er Intervalle vergrößert oder verkleinert. Dadurch entsteht die für ihn typische enorme Spannung, und trotzdem fühlt sich der Hörer nicht verloren. Wir meinen immer wieder Anklänge anderer Komponisten zu hören, und trotzdem spricht Ullmanns Musik eine ganz eigene, ungewohnte Sprache.“

Viktor Ullmann (1898-1944) ist ein österreichischer Komponist, Dirigent und Pianist.

Wegen der jüdischen Herkunft seiner Eltern wurde Ullmann 1942 ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo er einen großen Teil seiner Werke schuf. Er komponierte dort „Der Kaiser von Atlantis“ und „Die Weise von Liebe und Tod“. Am 18. Oktober 1944 wurde Ullmann kurz nach seiner Ankunft im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau umgebracht.

 

Über den Anlass der Veröffentlichung sagt Stephan Frucht (künstl. Leiter Siemens Arts Program): „Am 27. Januar 2020 jährt sich der Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz zum 75. Mal. Die Millionen unschuldiger Opfer des Holocausts erinnern uns immer wieder daran, dass das Gedenken niemals abgeschlossen sein kann. Es ist zugleich eine Verpflichtung, diejenigen Stimmen niemals verstummen zu lassen, die sich zu Lebzeiten nicht äußern durften oder die sich nicht mehr äußern konnten. Hierzu zählen auch zahlreiche jüdische Künstlerinnen und Künstler, die niemals ihre Kreativität voll entfalten konnten, weil ihnen ein künstlerisches Schaffen in Freiheit verwehrt blieb. Dieses Schicksal vieler großartiger KünstlerInnen aus der Bildenden Kunst, die als „verfemt“ gebrandmarkt wurden, teilten auch bedeutende Musiker und Komponisten, darunter Hans Krása, Pavel Haas, Gideon Klein oder Viktor Ullmann, die alle dem NS-Regime zum Opfer fielen.“

Das Siemens Arts Program hat gemeinsam mit der Pianistin Annika Treutler das Klavierkonzert von Viktor Ullmann Opus 25 (komponiert 1939) neu eingespielt. Es handelt sich um die erste Aufnahme des Werkes im 3D-Audioverfahren.

 

Die Produktion wurde unter der Leitung von Stephan Frucht (Künstl. Leiter Siemens Arts Program) mit dem Deutschlandfunk Kultur und dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin im großen Sendesaal des RBB in Berlin realisiert. Die Aufnahmeleitung lag bei Prof. Thorsten Weigelt (Universität der Künste Berlin) und dem 3D-Immersive Audio Spezialisten Stefan Bock (IAN München).

 

Die Neueinspielung – bestehend aus Audio-CD und Blu-ray – enthält außer dem Klavierkonzert Opus 25 auch Ullmanns Klaviersonaten Nr. 3 (1940) und Nr. 7 (1944), die Annika Treutler in der Jesus-Christus-Kirche in Berlin-Dahlem aufgenommen hat. Das Album erscheint am 31. Januar 2020 beim Label „Berlin Classics“ (Edel).