Viktor Ullmann - Audiovisual project

Digital gegen das Vergessen 

Würdigung für den ermordeten Komponisten Viktor Ullmann 

Digital gegen das Vergessen – Würdigung für den ermordeten Komponisten Viktor Ullmann

Vor 75 Jahren wurde der Komponist Viktor Ullmann in Auschwitz ermordet. Das Siemens Arts Program will die Erinnerung an Viktor Ullmann wachhalten, stellvertretend für zahlreiche KünstlerInnen, die von den Nationalsozialisten vertrieben und ermordet wurden. Wir hoffen, dass die Musik Ullmanns von vielen Menschen auf der ganzen Welt (wieder-) entdeckt wird. Deshalb haben wir mit der Pianistin Annika Treutler und dem Medienkünstler Alexander Stublić ein audiovisuelles Kunstprojekt gestartet.

Annika Treutler über Viktor Ullmann:

„Mein Anliegen ist es, dass seine Musik gleichwertig geschätzt und bekannt wird, wie die seiner großen, nicht verfolgten Kollegen aus der Zeit. Sie hat es verdient! Ullmann hat in seiner Musik eine ganz besondere Sprache entwickelt, eine eigene Tonalität erschaffen. Obwohl er Schüler von Arnold Schönberg gewesen ist, ist seine Musik nicht atonal, sondern die Tonalität abgewandelt, indem er Intervalle vergrößert oder verkleinert. Dadurch entsteht die für ihn typische enorme Spannung, und trotzdem fühlt sich der Hörer nicht verloren. Wir meinen immer wieder Anklänge anderer Komponisten zu hören, und trotzdem spricht Ullmanns Musik eine ganz eigene, ungewohnte Sprache.“

Viktor Ullmann (1898-1944) ist ein österreichischer Komponist, Dirigent und Pianist.

Wegen der jüdischen Herkunft seiner Eltern wurde Ullmann 1942 ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo er einen großen Teil seiner Werke schuf. Er komponierte dort „Der Kaiser von Atlantis“ und „Die Weise von Liebe und Tod“. Am 18. Oktober 1944 wurde Ullmann kurz nach seiner Ankunft im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau umgebracht.

 

Über den Anlass der Veröffentlichung sagt Stephan Frucht (künstl. Leiter Siemens Arts Program): „Am 27. Januar 2020 jährt sich der Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz zum 75. Mal. Die Millionen unschuldiger Opfer des Holocausts erinnern uns immer wieder daran, dass das Gedenken niemals abgeschlossen sein kann. Es ist zugleich eine Verpflichtung, diejenigen Stimmen niemals verstummen zu lassen, die sich zu Lebzeiten nicht äußern durften oder die sich nicht mehr äußern konnten. Hierzu zählen auch zahlreiche jüdische Künstlerinnen und Künstler, die niemals ihre Kreativität voll entfalten konnten, weil ihnen ein künstlerisches Schaffen in Freiheit verwehrt blieb. Dieses Schicksal vieler großartiger KünstlerInnen aus der Bildenden Kunst, die als „verfemt“ gebrandmarkt wurden, teilten auch bedeutende Musiker und Komponisten, darunter Hans Krása, Pavel Haas, Gideon Klein oder Viktor Ullmann, die alle dem NS-Regime zum Opfer fielen.“

Das Siemens Arts Program hat gemeinsam mit der Pianistin Annika Treutler das Klavierkonzert von Viktor Ullmann Opus 25 (komponiert 1939) neu eingespielt. Es handelt sich um die erste Aufnahme des Werkes im 3D-Audioverfahren.

 

Die Produktion wurde unter der Leitung von Stephan Frucht (Künstl. Leiter Siemens Arts Program) mit dem Deutschlandfunk Kultur und dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin im großen Sendesaal des RBB in Berlin realisiert. Die Aufnahmeleitung lag bei Prof. Thorsten Weigelt (Universität der Künste Berlin) und dem 3D-Immersive Audio Spezialisten Stefan Bock (IAN München).

 

Die Neueinspielung – bestehend aus Audio-CD und Blu-ray – enthält außer dem Klavierkonzert Opus 25 auch Ullmanns Klaviersonaten Nr. 3 (1940) und Nr. 7 (1944), die Annika Treutler in der Jesus-Christus-Kirche in Berlin-Dahlem aufgenommen hat. Das Album erscheint am 31. Januar 2020 beim Label „Berlin Classics“ (Edel).