Smartes Edge Device hat Kapazitäten frei und bietet Daten 

Mit den Technologien von Web of Things (WoT) soll das IoT ähnlich komfortabel werden wie die Anwendungsentwicklung im WEB 

Der neue W3C-Standard Web of Things (WoT) macht die IoT-Konfiguration und Entwicklung von IoT- Apps deutlich einfacher, schneller und günstiger. Ein wichtiger Meilenstein für das Internet of Things (IoT).  

In Übersichtsgrafiken sieht IoT immer so einfach aus: Unterschiedliche Komponenten – kleine Endgeräte, Edge Devices und Cloud – werden flugs miteinander vernetzt, können untereinander Daten austauschen und problemlos zusammenarbeiten. Die Realität freilich ist komplizierter, insbesondere auch, weil die unterschiedlichen Hersteller in ihren IoT-Komponenten verschiedene Technologien, Datenmodelle und Befehlssätze verwenden. Ohne aufwändiges Konvertieren der unterschiedlichen Sprachen ineinander funktioniert beim Vernetzen bislang gar nichts. 

Wer schon mal ein Home-IoT mit Komponenten unterschiedlicher Hersteller installiert hat, wird jetzt wissend nicken. Doch nicht nur Privatanwender, auch die Profis in der Industrie kämpfen mit den Tücken der IoT-Konfiguration – etwa beim Vernetzten von Fabrikanlagen oder von Infrastrukturen zum Aufladen von E-Autos.  Bei Siemens schätzt man, dass aktuell rund 50% der Kosten, die zum Aufbau einer neuen IoT-Struktur nötig sind, für die Konfiguration aufgewendet werden müssen. Der neue W3C Web of Things (WoT) Standard, insbesondere die WoT Thing Description soll das verbessern. 

W3C – Autorität für Internet Standards

Verabschiedet wurde die Thing Description vom World Wide Web Consortium (W3C). Das W3C ist zwar keine offizielle Normierungs-Institution und gibt daher nur sogenannte Empfehlungen heraus, dennoch gilt das Konsortium gemeinhin als die Autorität für Internet und Web Standards. Über 400 Organisationen – Forschungseinrichtungen, namhafte Firmen und andere Gruppen – arbeiten aktuell mit. 

Sebastian Käbisch, IoT-Experte bei Siemens, Co-Chair der W3C WoT Arbeitsgruppe und Miteditor der Thing Description erklärt: „Mit den Technologien von WoT wie der Thing Description soll das IoT ähnlich komfortabel werden wie die Anwendungsentwicklung im WEB: Dort ist es selbstverständlich, dass Services unterschiedlicher Anbieter und Hersteller (z.B. Wetterdaten, Karten- und Bezahldienste)  problemlos in einer Anwendung orchestriert und plattformabhängig auf unseren alltäglichen Endgeräten ausgeführt werden können. Ganz wichtig dabei: Die Thing Description ist keine neue Einheitssprache, die die bisher üblichen IoT Technologien ersetzen soll – bei so etwas würden die meisten Firmen wohl nicht mitmachen und dann wäre die Empfehlung wertlos –  sondern eine Ergänzung, die zu den gängigen technologischen Sprachstandards passt.“

Wie ein Profil bei LinkedIn

Things im IoT sind mitunter sehr verschieden. Es gibt zum Beispiel Kleinstrechner, die nur die Daten eines Sensors in eine Cloud schicken aber auch leistungsstarke Computersysteme oder auch virtuelle Einheiten aus mehreren Komponenten. „Die Thing Description fasst in einem Standardformat Informationen über ein Thing zusammen – etwa welche Daten und Funktionalitäten es bietet, welches Kommunikationsprotokoll wie verwendet werden soll, sowie weitere wichtige Metainformationen. Also Grundinformationen, die zum Vernetzen im IoT notwendig sind und aus denen insbesondere auch hervorgeht, um was für ein Thing es sich handelt und welche Befehlssätze und Datenformate es verwendet“, sagt Käbisch.

 

Vorstellen kann man sich die Thing Description wie die Profile bei LinkedIn. In ihren Profilen (Thing Decriptions) teilen sich Experten unterschiedlichster Branchen – die alle ihre branchenspezifische Spezialterminologie haben (unterschiedliche Sprachstandards bleiben) – in standardisiertem Format mit, wer sie sind, was sie können und erreicht haben. Jeder versteht diesen einheitlichen Standard und weiß so, welche Experten, welche Branchensprache verstehen werden.

„Aufwand signifikant verringern“

„Mit der Thing Description wird sich der Aufwand, der für die IoT-Konfigurationen nötig ist, signifikant verringern“, sagt Käbisch. „Wir können so Anwendungen (Apps) entwickeln, die sich auf unterschiedliche Sprachstandards der Things anpassen können und die wir daher wiederverwenden können. Wie viel Aufwand genau wir so bei der Konfiguration sparen, hängt vom speziellen Fall ab, aber wir erwarten durchaus Reduktionen bis zu 90%.“

Mit der Thing Description ist die Arbeit des W3C noch lange nicht beendet, auch für 2020 hat sich das Konsortium ehrgeizige Ziele gesetzt. Der Fokus liegt auf Thing Description Templates, Discovery und Security, damit das Internet der Dinge in Zukunft genauso komfortabel wird, wie wir es vom Internet der Webseiten kennen. 

Aenne Barnard Juni 2020

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