Hack and Make: Spielend in die Zukunft

Ob mit Schnuller im Mund hinterm Lenkrad eines E-Spielzeugautos oder fachsimpelnd mit einem bekannten YouTube-Star: auf der „Hack and Make 2019“ konnten die Teilnehmer erleben, wie sie ihre Ideen mit Siemens-Automatisierungsprodukten in die Tat umsetzen können.

Einen Kakao nach dem anderen brüht die kleine Kaffeemaschine auf – und zwischendurch auch mal einen Kaffee für Mami oder Papi. Ausgelegt ist sie für zehn Tassen pro Tag. Doch an diesem Wochenende geht sie an ihre Grenzen. Alle anderen Beteiligten, ob Siemens-Kollegen oder Messe-Besucher, sind hier nur , um ihre Begeisterung für Technik zu teilen und Spaß zu haben!

 

Auf der „Hack and Make 2019“ im Nürnberger Messezentrum geht Siemens mit der überwiegend jungen Maker-Szene auf Tuchfühlung. Bei den meisten Exponaten darf man selbst Hand anlegen: sich via VR-Brille und Siemens-Steuerung einen Cocktail nach Wunsch mixen, sein Auto auf der Carrerabahn gegen den automatisch gesteuerten Konkurrenten antreten lassen, einen Lego-Schaufelradbagger in Bewegung setzen, versuchen, einen mit KI ausgestatteten Roboterarm zu überlisten oder eben sich per Sprachbefehl seinen Kakao oder Kaffee zu bestellen.

Maker auf der Suche nach simplen Lösungen

„Alexa, aktiviere Siemens!“ Mehr braucht es nicht, und schon füllt sich der Pappbecher. „Frauen haben hier die höhere Trefferquote, sie betonen den Befehl instinktiv richtig“, sagt Kolja Knobloch, der die Heißgetränke an die Messebesucher ausschenkt. Und erklärt, wie der IoT Controller SIMATIC IOT2000 den Sprachbefehl an die Kaffeemaschine weitergibt. „Wir haben dafür extra die billigste Maschine genommen, die man kriegen kann, denn wir sind hier unter Hobbybastlern, da braucht es simple Lösungen, nichts was ‚fancy‘ ist“, sagt er.

100-Kilo-Skatboarder locker aussteuern

Schon etwas anspruchsvoller geht es nebenan am Stand von Corporate Technology (CT) zu. Mit TAPAS, einem frei programmierbaren Umrichter, steuern die jungen Kollegen ein Skateboard für bis zu 100 Kilogramm schwere Skater aus oder lassen Musik abspielen. „Wir erreichen sehr hohe Schaltfrequenzen und haben extrem geringe Schaltverluste“, erklärt Stefan Steinmüller. „Leistungselektronik ist ein komplexes Gebiet, auf dem man viel falsch machen kann. Die Maker haben viele gute Ideen im Kopf, für die sie allerding ordentlich Leistung benötigen“, sagt er. „Und TAPAS macht das möglich.“ Bis ein Sponsor gefunden ist, wird die Lösung von CT an Universitäten und Maker Spaces verschenkt.

Mit Freude was dazulernen

Mit Schnuller im Mund, tritt der dreijährige Tim ordentlich aufs Gas. Sein Vater kommt kaum hinter dem E-Spielzeug-Mini her. „Das Auto steht bei uns im Büro, damit wir damit für verschiedene Anbieter Ladestation, SPS-Steuerung und Kommunikationsschnittstelle prüfen können“, sagt Sven Kiebler. Ob’s für ihn anstrengend ist, zwei Tage lang auf kleine Möchtegern-Racer aufzupassen? „Nein, ganz im Gegenteil, die Maker-Messen machen deutlich mehr Spaß als die regulären Messen“, sagt er. „Das Umfeld ist viel lockerer. Hauptsache, die Kinder haben Spaß und lernen ein wenig dazu. Dann haben wir alles richtig gemacht.“

Baggern was das Zeug hält: Logo! trifft auf Lego

Wie in einer anderen Welt scheint Matts zu sein. Mit vorsichtigem Antippen der Buttons auf dem Display steuert er – mit einer Logo!-Steuerung den großen Lego-Schaufelradbagger, lässt ihn vorwärts und rückwärts fahren und baggern, wirft das Förderband an oder schaltet das Licht am Führerstand an und aus. Seine Mutter hat Mühe, ihn hier wieder loszueisen. Schließlich gibt es noch viele weitere Stationen am Siemens-Stand, auf der Hack and Make, aber auch auf der übergeordneten Erfindermesse iENA und der großen Consumenta, in die die Fachmesse eingebettet ist.

 

552 Seiten stark ist allein die Bauanleitung für den Bagger. „Hat mein Chef zusammengebaut“, erklärt Jacqueline Zuber Scott, angehende Elektrotechnik-Ingenieurin. Viel Geduld sei dafür sicherlich erforderlich. Auch der zehnjährige Valentin hat einen solchen Lego-Bagger zuhause – und hat ihn, als er sieben Jahre alt war, peu à peu selbst zusammengebaut. „Für die draufgebaute Logo! braucht man keine großen Programmierkenntnisse“, sagt Jacqueline Zuber Scott. Ideal für die Maker-Szene.

Virtuelle Carrerabahn

Die Logo! steckt auch in etlichen der anderen Ausstellungsobjekten, so auch in der Carrerabahn. In einer Masterarbeit gelang es, mit NX Mechatronic Concept Design (MCD) einen digitalen Zwilling von Rennbahn und Autos zu erstellen und auf Basis dieser Daten das Auto mit computer-gestützten Impulsen am Joystick optimal auszusteuern. Auf der „Hack and Make 2019“ können die Nachwuchs-Racer so ein spannendes, wenn auch nicht immer ganz ausgeglichenes, Rennen  gegen das von der LOGO! Gesteuerte Auto fahren.

 

Den Kindern macht’s dennoch riesigen Spaß und auch das Interesse der Maker kann mit derart anschaulichen Showcases mit Kusshand geweckt werden. „Die Logo! gibt’s schon für 100 Euro“, sagt Matthias Pohl. „In der Maker-Szene entstehen so coole Sachen und mit unserem Angebot für Einsteiger können wir unser manchmal etwas angestaubtes Image bei jungen Leuten auffrischen.“ 

Eine Nummer größer: Simatic S7-1200

Unter Makern ist er eine Koryphäe. Norbert Heinz alias HomoFaciens (ein Kunstwort, das soviel wie ‚schöpfender Mensch‘ bedeutet) präsentiert am Siemens-Stand auf der „Hack and Make“ die neue Version seiner CNC-Maschine, gesteuert von einer SIMATIC S7-1200. „In meinen YouTube-Videos sind nur meine Hände zu sehen, deshalb erkennen mich die meisten hier an der Stimme“, verrät er.

 

Eigentlich wollte er Tischtennisbälle mit Namen beschriften, wollte dann aber noch einen anderen Motor einbauen und kam somit in Zeitnot. „Die Messeaufsicht hat mich gestern noch bis 20 Uhr hier arbeiten lassen und ich habe dann im Hotel noch eifrig Kabel gelötet. Mal sehen, bis wann ich sie heute hochhandeln kann“, sagt er und grinst. Schlimm, dass seine Maschine nicht läuft? Nein! In der Maker-Szene nehme man’s gelassen. „Ich bin hier vor allem zum Ideenaustausch.“ Mit den Augen zu Klauen, so erzählt er, sei in der Szene erlaubt, wenn nicht sogar erwünscht.

KI in die Feldebene bringen

„Wir zeigen hier, wie man Künstliche Intelligenz, also KI, in die Feldebene bringt“, sagt Birgit Schöll. Ein Roboterarm greift nach ihm unbekannten Holzobjekten und verfrachtet sie auf ein Förderband. „Diese Leistung ließe sich nicht mit ‚harter‘ Programmierung erreichen“, erklärt Birgit Schöll. Und sie verrät, dass Kinder es lieben, den Roboter auszutricksen.

 

Das Exponat ist bereits um die Welt gereist, war vor Kurzem sogar in Brasilien. „Wir können Künstliche Intelligenz sehr gut damit veranschaulichen: Gehirn (die KI), Auge (die 3D-Kamera) und Arm arbeiten wie bei einem Menschen zusammen“, sagt die Siemens-Mitarbeiterin.

“Make the future yours”

Egal ob für Logo!, Simatic IoT2000, Simatic S7-1200, NX MCD oder KI: alle Kollegen legen sich mächtig ins Zeug. Sie alle sind sind einem Aufruf von Annemarie Lötzsch gefolgt und freiwillig mit dabei. „Die ‚Hack and Make‘ gibt’s jetzt das dritte Mal und wir sind auch das dritte Mal dabei“, sagt sie, nicht ohne Stolz „Wir wollen Technikinteressierte, vor allem Kinder, mit Exponaten zum Ausprobieren ansprechen. Denn wenn wir sie begeistern, dann könnten sie später einmal unsere Kunden oder auch zukünftige Kollegen werden.“

 

In die Zukunft weist auch das selbst kreierte Motto: „Make the future yours“. Es steht auf dem Rücken der schwarzen T-Shirts, die alle Kollegen tragen. Die Kaffeemaschine scheint die einzige zu sein, der die Messe wohl keinen Spaß macht. Dann haben die Kollegen ja alles richtig gemacht!

Bildergalerie:

November 2019

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