Zuverlässig vom Holz zum Papier

Condition Monitoring System schützt wertvolle Mechanik bei Estonian Cell

Im Norden Estlands betreibt Estonian Cell die einzige Zellstofffabrik des Landes, die Espen als Rohstoff für ihre Produktion nutzt. Um Ausfallzeiten der Produktionslinie zu minimieren und Service- sowie Instandhaltungskosten zu senken, entschied sich das Unternehmen für ein zuverlässiges Condition Monitoring System zur kontinuierlichen Überwachung kritischer mechanischer Komponenten.

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AS Estonian Cell

Ein Produktionsvolumen von 170.000 Tonnen Zellstoff pro Jahr, eine Exportquote von 100 Prozent und eine besonders umweltfreundliche Produktion – das zeichnet Estonian Cell aus. Das zur österreichischen Heinzel Group gehörende Unternehmen hat seinen Sitz im Norden Estlands und beschäftigt heute 94 Angestellte. Weitere 500 Mitarbeiter sind an der Wertschöpfungskette der Produkte beteiligt.

Ihren Betrieb startete die Zellstofffabrik von Estonian Cell im Jahr 2006 – bis heute ist sie die zweitgrößte Investition in die estnische Industrie.

Das Unternehmen produziert hochwertigen Zellstoff, sogenannten „Bleached Chemi-Thermo Mechanical Pulp“ (BCTMP), der speziell auf die Anforderungen der jeweiligen Kunden abgestimmt ist und zu verschiedensten Papierprodukten weiterverarbeitet wird, zum Beispiel zu Druck- oder Spezialpapieren.

 

Die Besonderheit des Zellstoffs von Estonian Cell: Er besteht überwiegend aus dem Holz lokaler Espen (Zitterpappeln). Dieses geringwertige Holz wurde früher kaum genutzt und in den Wäldern gelassen, wo es verrottete. Mit der Inbetriebnahme von Estlands einziger Espen-Zellstofffabrik greift Estonian Cell nun fast ausschließlich auf die Zitterpappel als Rohstoff zurück, statt die qualitativ hochwertigen Hölzer zu nutzen.

Das Resultat:

Hochqualitativer Zellstoff und eine besonders umweltfreundliche Produktion bei gleichzeitig hoher Effektivität und Effizienz. 

Vorausschauende Wartung optimiert

Estonian Cell exportiert 100 Prozent seines Zellstoffs, davon ca. 75 Prozent an europäische und 25 Prozent an asiatische Kunden.

Um die Produktion so flexibel wie möglich an die Bedürfnisse des Marktes anzupassen, seinen Kunden eine jederzeit zuverlässige Lieferung des Zellstoffs zu gewährleisten und die Produktionslinien rund um die Uhr hocheffizient auszulasten, begab sich Estonian Cell auf die Suche nach einem leistungsfähigen Condition Monitoring Tool für eine optimierte vorausschauende Instandhaltung.

Das System sollte automatisch Sensordaten kritischer Anlagenkomponenten überwachen und das Wartungsteam frühzeitig warnen, sollte es Abweichungen bei den Zuständen der Komponenten geben.

Fündig wurde Estonian Cell bei Siemens:

Die beiden Unternehmen verbindet eine langjährige gute Zusammenarbeit, denn bereits seit vielen Jahren sind Siemens-Produkte beim estnischen Unternehmen im Einsatz, zum Beispiel SIMATIC PCS 7 als übergeordnetes Prozessleitsystem für die Zellstoffherstellung, SIPAPER für die Prozessautomatisierung, sowie SIMATIC WinCC als Prozessvisualisierungssystem für die Wasseraufbereitung und die eigene Biogas-Produktion.

Nun sollte das Condition Monitoring System SIPLUS CMS1200 mit dem Modul SM1281 und einer SIMATIC S7-1200-Steuerung für die permanente Zustandsüberwachung wichtiger mechanischer Komponenten sorgen. 

Automatische statt manueller Kontrollen

Siiri Lahe, CFO bei Estonian Cell, hatte genaue Vorstellungen davon, was die neue Lösung hinsichtlich einer verbesserten vorausschauenden Instandhaltung erreichen sollte:

 

„Unser Ziel war es, die Ausfallzeiten unserer BCTMP-Produktionslinie und unsere Kosten aufgrund defekter Anlagenteile zu reduzieren. Erreichen wollten wir dies mithilfe einer verbesserten kontinuierlichen Überwachung der Anlagenzustände und einer effizienteren Datenanalyse.“

 

Für Estonian Cell bedeutete das:

Die an den Produktionslinien bislang unregelmäßig manuell oder visuell durchgeführten Kontrollen verschiedener kritischer Parameter, beispielsweise Schwingungen oder Temperaturen, mussten durch eine rationellere und zuverlässigere Lösung ersetzt werden. 

Im ersten Schritt wurde das Condition Monitoring System SIPLUS CMS1200 implementiert und Temperatur- und Schwingungssensoren an ausgewählten Motoren und anderen entscheidenden Anlagenkomponenten installiert. 

 

Sergei Hramtsov, Automatics Manager bei Estonian Cell, erklärt, welche Vorteile die zusätzlichen Sensoren bieten:
„Durch ein kontinuierliches Monitoring liefern uns diese Sensoren viel detailliertere Daten über die Leistung der Produktionslinie. SIPLUS CMS1200 nimmt automatisch eine erweiterte Analyse der Sensordaten vor und gibt frühzeitige Warnungen an das Wartungspersonal aus, sollte es Abweichungen von der Norm geben.“

 

Der größte Vorteil: Notwendige Wartungsmaßnahmen kann Estonian Cell so besser im Voraus organisieren und unplanmäßige Stillstände dadurch vermeiden. 

Ein System, viele Vorteile

Das kontinuierliche Monitoring und die effizientere Datenanalyse für eine vorausschauende Instandhaltung haben dazu beigetragen, die Service- und Instandhaltungskosten bei Estonian Cell zu senken. Zudem profitiert das Unternehmen von einer höheren Anlagenverfügbarkeit, da mögliche Ausfälle frühzeitig erkannt und somit vermieden werden können. Nach der Installation hat das Condition Monitoring System bereits aufgrund der Schwingungssignale entscheidende Abweichungen an einem Motor erfasst. Dank einer schnellen Reaktion konnten fatale Schäden am Motor verhindert werden.

Diese ersten Ergebnisse mit SIPLUS CMS1200 haben – im übertragenen Sinne – das Leben dieses Motors gerettet. Die Investition in das Condition Monitoring System hat sich allein dadurch schon amortisiert.
Olev Kaarlõp, Maintenance Manager