Cloud-basierte App für Mikrobrauereien

Craft-Bierbrauer haben eine Leidenschaftlich fürs Brauen, nicht für die Technik ihres Betriebes. Dennoch konnte Siemens in Australien, einige von ihnen von MindSphere, dem cloudbasierten, offenen IoT-Betriebssystem überzeugen.

Wenn die Hefe den Zucker in Alkohol umwandelt, entsteht der fürs Bier so wichtige Geschmack. Das ist der Moment, in dem das Bier zum Bier wird. Auch wenn sich australische Craft-Bierbrauer nur für das Brauen begeistern, nicht jedoch so sehr für die Technik begeistern können, so haben es Leonie Wong und Rex Chen vom MindSphere-Team dennoch geschafft, sie zu überzeugen: Etliche Brauer nutzen inzwischen Daten aus der Cloud, um den perfekten Sud herzustellen und dabei nicht einen einzigen Tropfen zu verschwenden.

 

Das Unternehmen Deacam hatte sich zum Ziel gesetzt, sich im australischen Markt für Craft-Bier-Brauereien mit automatisierten Brauanlangen und -lösungen zu profilieren. Leonie Wong, Vertriebsverantwortliche für Kunden der Lebensmittel- und Getränkeindustrie von Siemens in Australien, und Softwarearchitekt Rex Chen setzten sich deshalb mit Deacam und einigen seiner Kundenunternehmen zusammen.

Bier von gleichbleibendem Geschmack

„Bier ist während des Brauprozesses über mehrere Wochen verschiedenen Temperaturen ausgesetzt. Für eine Brauerei ist es wichtig, dass sie diese warmen und kalten Phasen immer wieder reproduzieren kann, denn das ist es, was den gewünschten Geschmack erzeugt“, erklärt Leonie Wong. Abweichungen könnten dazu führen, dass der gesamte Sud von mehreren tausend Litern entsorgt werden muss. „In den Augen der Brauer käme das einem Verbrechen gleich“, sagt sie.

 

Da also Daten über die Fermentation äußerst wichtig sind, so Leonie Wong, bot sich MindSphere bestens dafür an, eine Lösung zu erstellen, die den Anforderungen der Craft-Bierbrauer gerecht wird. 

Die perfekte Brautemperatur 

Das Problem: Die bisher eingesetzten Systeme zur Temperaturerfassung waren zu ungenau. Die Idee: Mit MindSphere könnten die Daten direkt digitalisiert und einer App zugeführt werden. So sollte es den Brauern ermöglicht werden, die Temperatur des Fermentationsgefäßes genauer zu verfolgen und sie exakt zu steuern.

 

Die Lösung sollte zudem Daten vergangener Brauvorgänge zur Verfügung stellen. Der Brauer sollte ein Temperaturprofil historischer Chargen erhalten, sodass er die perfekte Charge ausmachen und reproduzieren kann. Außerdem sollte die App die Daten in den Kontext mit anderen Daten stellen, damit der Brauer den Fermentationsprozess genau analysieren und bessere Entscheidungen treffen kann. Und schließlich sollte eine Plug-and-Play-Funktionalität garantieren, dass eine Produktionserweiterung um neue Ausrüstungsteile oder Biertanks jederzeit problemlos möglich ist.

 

„Deacam hat uns viel Vertrauen entgegengebracht und uns in den Kontakt mit seinen Kunden gebracht, beispielsweise mit KAIJU! Beer“, sagt Leonie Wong. „Diese Gespräche zu dritt – mit dem OEM, den Brauereien als Nutzer und Siemens – waren sehr wertvoll.“

MindSphere-App für die Fermentation

Basierend auf dem Feedback, das Deacam vom Kunden auf den ersten Prototypen erhielt, konnte das Team eine komplette MindSphere-Anwendung für den Fermentationsprozess namens Fermecraft erstellen. Deacam setzt zudem auch beim Schaltschrankdesign auf Siemens. Die App hat sich seither zudem weiterentwickelt und umfasst nun Funktionen, die über die Fermentation hinausgehen.

„In den letzten neun oder zehn Jahren ist der hiesige Markt von etwa 12 Craft-Bier-Brauereien auf rund 600 gewachsen, und es gibt eine Reihe von OEMs, die diese Unternehmen beliefern“, sagt Leonie Wong. „Der Ansatz, den jungen Unternehmen maßgeschneiderte Lösungen, gepaart mit Innovationen anzubieten, ist der vielversprechendste.“

 

Um erfolgreich zu sein, müsse man die richtigen Fragen stellen, so Leonie Wong. Manchmal waren sowohl Deacam als auch die Brauereien selbst nicht sicher, was genau sie benötigen. In diesen Situationen kam es verstärkt auf die Fähigkeit des Teams an, allen Beteiligten genau die richtigen Fragen zu stellen.

Agilität auch für große Brauereien

„Das Projekt wurde immer agiler. Wir haben immer wieder Neues ausprobiert, solange es finanzierbar war und niemandem Bauchschmerzen bereitet hat. So wussten wir stets, dass dabei etwas herauskommt, das einen Mehrwert hat und dass der Kunde bekommt, was er braucht. Auf dieser Basis haben wir die Lösung dann skaliert“, ergänzt Rex Chen. „Aber: Auch für größere, etablierte Kundenunternehmen müssen wir schnell denken und handeln.“

Deacam ist Spezialist für modernes Engineering von Elektrotechnik. Das Unternehmen hat sich einen Namen gemacht durch die Automatisierung von Brennereien, Brauereien und Weingütern im australischen Yarra Valley im Bundesstaat Victoria. Die einzigartigen Lösungen werden mittlerweile in ganz Australien und sogar in Übersee eingesetzt.

 

Die Brüder Nat und Callum Reeves brauten 2013 ihre ersten Biere im australischen Melbourne. Sie rühmen sich damit, dass ihr erstes Bier, das Aftermath Double IPA, einen landesweiten Mangel an Simcoe-Hopfen ausgelöst hat. Die Biere zeichnen sich durch ihren starken Hopfengeschmack aus und sind – zusammen mit dem unverwechselbaren Branding – für das starke Wachstum der familiengeführten Brauerei verantwortlich. Kaiju ist Japanisch und bedeutet so viel wie „außergewöhnliche Kreatur“. Der Stamm der Kaijus der Brauerei umfasst die Marken Diatamatic Hopzilla, Cthulhu, Behemoth, Betelgeuse und Hopped Out Red.

Basierend auf den neuesten Siemens-Technologien, erfasst und digitalisiert Fermecraft die für den Fermentationsprozess entscheidende Temperatur des Bieres und speichert die Daten in der cloudbasierten Plattform MindSphere.

 

Auch den Brauern von KAIJU! Beer hilft die Kombination aus Siemens-Bedienoberfläche, Steuerung und MindSphere, die Temperatur des Fermentationsprozess durch die Steuerung der Kühlung zu optimieren. Die Produktionsbedingungen können so unmittelbar optimiert werden; Entscheidungen werden erleichtert. Das Resultat ist die gleichbleibende Qualität des Craft-Biers auf hohem Niveau. Mit der neuen Lösung können Mikrobrauereien sämtliche relevanten Variablen korrekt erfassen und analysieren und damit die Abläufe und die Automatisierung laufend verbessern.

Mai 2020

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