Pharma: Indisches Unternehmen setzt auf kontinuierliche Produktion

Wenn man erkrankt, ist es das Wichtigste, schnell wieder gesund zu werden. Glücklicherweise gibt es heute für viele Krankheiten eine große Auswahl an Medikamenten. Um qualitativ hochwertige, bezahlbare Medikamente bereitzustellen, hat das indische Pharma-Unternehmen Cipla in seinem Werk in Kurkumbh nun auf kontinuierliche Produktion umgestellt.

Cipla produziert mehr als 75 pharmazeutische Wirkstoffe für verschiedene therapeutische Anwendungen, etwa zur Behandlung von Tumoren, Diabetes, Geschwüren, Hepatitis, HIV und Atemwegserkrankungen. Um die Zeit- und Kosteneffizienz in der Produktion zu steigern, hat Cipla in seinem Werk in Kurkumbh, westlich von Mumbai, von Chargenproduktion auf kontinuierliche Produktion umgestellt – und das bei verringertem Platzbedarf. Cipla ist dabei Vorreiter als erstes indisches Pharma-Unternehmen, das die kontinuierliche Produktion in seinen Prozessen einführt.

Leistungsstarkes Prozessleitsystem

Bei der Chargenproduktion werden Ausgangsstoffe in einem Schritt in ein Produktionssystem gegeben. Geraume Zeit später wird das fertige Produkt in einer Charge entnommen. Anders bei der kontinuierlichen Produktion: Hier erfolgt die Zugabe der Ausgangsstoffe sowie die Entnahme des Produkts fortlaufend. Anstelle eines herkömmlichen Reaktors laufen die chemischen Reaktionen dabei in Mikroreaktoren oder Röhrchen ab.

Um die kontinuierliche Produktion bei Pharma-Unternehmen umzusetzen, braucht es ein leistungsstarkes Prozessleitsystem. Dazu arbeitet Siemens mit Erstausrüstern (OEM) und Pharma-Unternehmen zusammen, um Lösungen auf Basis von Simatic PCS 7 anzubieten – so auch das System, das im Cipla-Werk in Kurkumbh installiert wurde.

Schnell auf Marktanforderungen reagieren

Die kontinuierliche Produktion in der Pharmaindustrie bietet zahlreiche Vorteile: Bei neuen Medikamenten kann die Produktion auf derselben Ausrüstungsplattform erfolgen wie die Entwicklungsphase. Engpässe durch Hochskalierung werden so vermieden. Ebenso können Engpässe bei der Produktionssteigerung bestehender Medikamente umgangen werden. Dadurch kann die Produktion im Fall von benötigtem Nachschub oder als Reaktion auf Notlagen einfacher hochgefahren und somit schneller auf Marktanforderungen reagiert werden.

Kurze Lieferketten dank lokaler Produktion

Auch die Lieferketten werden kürzer, da kleinere Mengen vor Ort produziert werden. Wirkstoffe müssen nicht mehr in einem bestimmten Werk hergestellt und zur Weiterverarbeitung zu anderen Standorten transportiert werden. Indem die Materialien von einem Prozessschritt zum nächsten fließen, wird auch der Platzbedarf für die Produktion reduziert. Zudem wird die Qualität fortlaufend kontrolliert, erforderliche Anpassungen können unverzüglich vorgenommen werden. Und schließlich dauert die Herstellung in der kontinuierlichen Produktion nur einige Stunden, verglichen mit mehreren Tagen bei der Chargenproduktion.

Wertvolle Einsparungen erzielen

Was Nutzen für die Betriebsabläufe bietet, zahlt sich auch finanziell aus. Dank kontinuierlicher Produktion können Pharma-Unternehmen gegenüber der Chargenproduktion in der Regel von Kosteneinsparungen von bis zu 20 Prozent profitieren. Die Betriebskosten sind bis zu 30 Prozent geringer, während die Auslastung der Betriebsmittel um 80 bis 90 Prozent höher liegt. Dazu kommt: Weniger Abfall und erhöhte Energieeffizienz verringern den CO2-Fußabdruck. 

Mehrfacher Kundennutzen 

Mithilfe der kontinuierlichen Produktion können Pharma-Unternehmen wie Cipla ihre Wirkstoffe schneller und entsprechend den Marktanforderungen herstellen. Für Cipla bedeutet das im Ergebnis: deutlich geringere Produktionsfläche, kürzere Produktionszeiten, weniger Abfall, niedrigere Energie- und Betriebskosten, verbesserte Arbeitssicherheit sowie optimale Produktqualität. Moderne Technologie trägt so unmittelbar dazu bei, schneller gesund zu werden. 

Cipla ist in über 80 Ländern weltweit aktiv, mit 46 Produktionswerken und einem Produktportfolio, das mehr als 1500 Produkte umfasst. Die wichtigsten Märkte des Unternehmens sind Indien, Südafrika und die Vereinigten Staaten. Ein Kernziel von Cipla besteht darin, die Gesundheitsversorgung bezahlbarer zu gestalten. So bot Cipla beispielsweise 2001 seine antiretrovirale 3-in-1-Therapie in Südafrika für weniger als einen US-Dollar am Tag an – im Vergleich dazu betrug der übliche Preis zu der Zeit 12.000 Dollar im Jahr.

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