CAD Software: Eine Woche als 3D-Konstrukteur

Was muss eine CAD-Entwicklungssoftware heute mitbringen, um modernste Industrieanforderungen zu erfüllen? Laut dem ‚Predicts 2018‘ Report des Beratungsunternehmens Gartner braucht es auf jeden Fall eine gute Einbindung Additiver Fertigungsmöglichkeiten. Dass der Einstieg in das 3D-CAD-Engineering kinderleicht sein kann, zeigte sich jüngst in Nürnberg: Beim Siemens Engineering Summer Camp beschäftigten sich 30 Jugendliche eine Woche lang mit der Konstruktion eigener 3D-CAD-Spielplatz-Modelle.

Wenn es um den digitalen Zwilling von Produkten geht, macht Axel Mundhenk keiner etwas vor. Er arbeitet als Presales Manager für Siemens Industry Software und kümmert sich normalerweise um die Ausbildung der Vertriebspartner in der 3D-CAD-Software Solid Edge. Mit dieser Software können Produkte bereits vor der Fertigung in all ihren Eigenschaften und Bewegungsmustern in der virtuellen Welt konstruiert, getestet und optimiert werden – das spart Zeit, Geld und Materialien. Im Rahmen des Summer Camps betreute Mundhenk nun zur Abwechslung einmal Jugendliche. Gemeinsam mit einem Kollegen und drei Studenten, die Solid Edge unter anderem aus dem Wettbewerb Formel 1 in der Schule kannten, unterstützte er die Schüler dabei, Spielgeräte für einen Spielplatz zu entwickeln.

Intuitiv nutzbar

„Ich habe noch nie mit Solid Edge oder einer anderen CAD-Software gearbeitet und war überrascht, wie schnell ich sie in dieser Woche anwenden konnte“, sagt Aitana Sekora, eine der Teilnehmerinnen. „Das Summer Camp geht über ein reines CAD-Training weit hinaus. Hier geht es um das gesamte Engineering“, erklärt Mundhenk.
 

Und so präsentierten die Jugendlichen am Ende zu ihren CAD-Entwürfen von Piratenspielplätzen, modularen Klettergerüsten und Türmen, die aussehen wie ein riesiges Stück Käse, auch Überlegungen zur Witterungsbeständigkeit der gewählten Materialien, wiesen auf die nötigen Sicherheitsabstände am Ende der Rutsche hin, kalkulierten Fertigungskosten. Auf den zur Verfügung stehenden 3D-Druckern fertigten einige Gruppen Mini-Prototypen ihrer Modelle.

Integrierte Software von Anfang bis Ende

Für letzteres kam ihnen eine Partnerschaft mit Shining 3D zugute: Mit einem 3D-Scanner sowie einem 3D-Drucker des Hardwareanbieters ließen sich einzelne Elemente für die Spielgeräte direkt in Solid Edge importieren, um dann in die bestehende Baugruppe eingepasst zu werden. So modellierten die Jugendlichen zum Beispiel aus Knete Haltegriffe für ihre Spielgeräte, die dann eingescannt und am Computer weiter bearbeitet werden konnten. Einige der Gruppen simulierten auch Funktionen oder führten Materialbelastungstest in Solid Edge durch, wie sie im echten Leben eines Ingenieurs auf der Tagesordnung stehen. So bekamen die Jugendlichen auch ein Gefühl dafür, wie der digitale Zwilling entsteht, welche Vorteile er bietet und wie er genutzt werden kann.

 

Um sicher zu gehen, dass der finale 3D-CAD-Entwurf tatsächlich als 3D-Druck umsetzbar ist, erklärte, Bolesław Telesiński, Head of AM Services bei 3YOURMIND, den Jugendlichen, was sie bei der Konstruktion beachten müssen. 3YOURMIND bietet Software-Lösungen für 3D-Druckaufträge. Direkt in Solid Edge lässt sich der Preis für den Druck eines 3D-Modells unter Berücksichtigung verschiedener Materialoptionen errechnen und die Bestellung bei einem externen Dienstleister in Auftrag geben. Telesiński hat schon vielen Unternehmen geholfen, ihre existierenden Designdateien an die Anforderungen des 3D-Drucks anzupassen: „Es ist wichtig, dass man ein Grundverständnis dafür hat, wie 3D-Daten aussehen müssen, damit am Ende eine druckbare Datei herauskommt.“

Wachsendes Berufsfeld

„Ich unterstütze diese Initiative sehr gern“, sagte Maria Ferraro, CFO der Siemens Digital Factory, als sie den Teilnehmenden am Ende der Woche gratulierte: „Es ist toll, hier mit der nächsten Generation Ingenieure zu sein. Hoffentlich werde ich in ein paar Jahren das Vergnügen haben, einige von Ihnen bei Siemens wieder zu treffen“.
 

„Eigentlich könnten wir das jetzt in jeden Ferien machen“, sagt Mundhenk über das Summer Camp: „Wir werden versuchen, das Projekt weiter auszubauen“. Auf seiner Warteliste stehen bereits 30 weitere Jugendliche.

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