Digitale Transformation: Durchblick dank Daten

Im Jahr 2015 verkündete John Chambers, Chairman und CEO von Cisco Systems, sein Credo: „Disrupt or be disrupted“. Wer keine Innovation hervorbringen könne, die bestehende Technologien, Produkte oder Dienstleistungen verdrängt, der würde selbst verdrängt werden. Der Schlüssel, um das eigene Unternehmen vor dem Verschwinden in der Versenkung zu schützen: die digitale Transformation und künstliche Intelligenz.

Chambers’ Prognose zeichnet sich heute bereits deutlich ab. „Die Digitalisierung ist der Hauptgrund, warum über die Hälfte der Forbes-500-Unternehmen des Jahres 2000 mittlerweile verschwunden sind“, meint Pierre Nanterme, CEO der Unternehmensberatung Accenture, vor dem Weltwirtschaftsforum. Pfiffige Ideen und disruptive Technologien können längst ganze Geschäftsmodelle in kürzester Zeit in Bedrängnis bringen, wie man es beispielsweise an Uber und der Taxibranche oder Airbnb und dem Hotelgewerbe gesehen hat.

Mittelstand im Hintertreffen?

Betroffen sind nicht nur die Global Player, sondern immer mehr auch die mittelständischen und kleinen Betriebe. Denn der moderne Kunde verlangt viel und wartet nicht gern. Deshalb müssen nicht nur die Produkte für den Endkunden immer intelligenter, individueller und schneller verfügbar sein – bei gleichbleibender Qualität und möglichst günstigem Preis –,  sondern auch die dahinterliegenden Produk­tionsprozesse. Der Druck ist also hoch, und dennoch zögern viele Mittelständler noch, die digitale Transformation ihres Unternehmens konsequent umzusetzen oder überhaupt erst zu initiieren. Die vermeintlich hohen Investitionskosten, mögliche Probleme bei der Datensicherheit und der Mangel an quali­fizierten Fachkräften schrecken sie ab. Auf längere Sicht könnte dies dazu führen, dass der Mittelstand ins Hintertreffen gerät.

Gleichzeitig steigen aber auch die Gewinnmargen derer, die bereit sind, gezielte Investitionen vorzunehmen und ihr Geschäft zu transformieren. Die Unternehmensberatung McKinsey kommt in einer aktuellen Studie zu dem Schluss, dass „eine konsequente Digi­talisierung des deutschen Mittelstands das deutsche Wirtschaftswachstum bis 2025 um 0,3 Prozentpunkte pro Jahr erhöht“ – das entspricht einem zusätzlichen Wertschöpfungspotenzial von 126 Milliarden Euro. Die größten Chancen liegen dabei für den Mittelstand vor allem in der Produktionsoptimierung durch die Datenerfassung und -analyse sowie in der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und einer Erweiterung des eigenen Portfolios (die Chancen und „Baustellen" des Mittelstands zeigt die Grafik zu Beginn des Artikels).

Die Stunde der Anwender

Um diese Chancen auch zu nutzen und wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Mittelständler ihr Unternehmen der inneren und äußeren Transformation unterziehen: Zum einen sollten sie ihr Portfolio um digitale Lösungen und Services erweitern. Nur so können sie auf längere Sicht mit den Kundenwünschen mithalten. Zum anderen müssen sie aber auch ihre internen Prozesse den Anforderungen des digitalen Wandels anpassen. Das heißt nicht, dass jeder Unternehmer diese Transformation zum Digital Enterprise für Unsummen im Schnelldurchlauf durchexerzieren muss, wie ­Siemens-Vorstandsmitglied Klaus Helmrich im Interview erklärt. Wichtig ist allerdings ein klares Bekenntnis des Unternehmens, eine Digi­talisierungsstrategie.

Wie schnell sich ein Bekenntnis zur Digitalisierung auszahlt, zeigen etwa die Beispiele der Gebr. Heller Maschinenfabrik GmbH und des Reinigungs- und Desinfek­tionsmittelherstellers Calvatis. Beide Unternehmen haben sich für den Zugang zur MindSphere, dem cloud­basierten, offenen IoT-Betriebssystem von Siemens, entschieden und können so Maschinen und die physische Infrastruktur mit der digitalen Welt verbinden. Ihnen eröffnen sich nun neue Möglichkeiten, um Daten aus der Produktion und dem Betrieb zu analysieren, auszuwerten – und wichtige Schlüsse daraus zu ziehen. Dadurch steigern die beiden Unternehmen die Produktionseffizienz ihrer Kunden und minimieren Stillstandszeiten, beispielsweise durch vorausschauende Wartung. Gleichzeitig können sie ganz neue, gewinnbringende Geschäftsmodelle entwickeln.

 

Diese Beispiele liegen voll im Trend dessen, was renommierte Institute und Unternehmensberatungen in Studien über den Mittelstand ermittelt haben: Die Digitalisierung ist primär keine Bedrohung, sie ist eine Chance für den Mittelstand, seine Erfolgsgeschichte weiterzuschreiben und sich neu zu erfinden. Dafür braucht es aber das klare Bekenntnis der Unternehmer zur Digitalisierung. Es liegt in ihren Händen, wie sie diese Chance nutzen.

13.11.2017

Bildquellen: Publicis Pixelpark

Die Digitalisierung betrifft alle Unternehmen – auch die des Mittelstands. Doch bei ihnen die Digitalisierung umzusetzen, ist nicht immer einfach. Denn es gibt noch einige Baustellen, die der Mittelstand für sich sieht: Für 41 Prozent der mittelständischen Unternehmen ist eine zuverlässige Datensicherheit eine große Hürde, 40 Prozent sehen eine Schwierigkeit darin, qualifizierte Fachkräfte zu finden und 35 Prozent schrecken vor den hohen Investitionskosten zurück. Wird die Digitalisierung optimal genutzt, ergeben sich jedoch etliche Chancen für mittelständische Unternehmen: 79 Prozent von ihnen sehen hier das Potenzial für eine Optimierung der Produktion, 50 Prozent wollen durch Digitalisierung neue Geschäftsmodelle entwickeln und 38 Prozent der Mittelständler sehen die Chance, ihre Kundenbetreuung zu verbessern.

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