Produktentwicklung: Eine Radlänge voraus

Vor sechs Jahren nahm Pyga Industries langsam Fahrt auf, jetzt „biked“ der Mountainbikehersteller ganz vorne mit. Was ihn antreibt? Die Leidenschaft fürs schnelle Rad und die richtige Software für noch schnelleres Design.

Die Gründung von Pyga Industries begann vor sechs Jahren. Patrick Morewood, dreifacher südafrikanischer Downhill-Meister und Gründer von Morewood Bikes, sehnte sich nach einer neuen Herausforderung. Er wollte seine Leidenschaft für die Entwicklung von Bikes wiederentdecken, die alle Fahrradfahrer in den Genuss von Freiheit, Geschwindigkeit und Spaß kommen lassen – nicht nur ungebremste Schnellfahrer, die die Trails Südafrikas hinunter preschen.

 

Morewood teilte diese Vision mit seinem Kollegen, dem südafrikanischen Wegbereiter Oliver Burnett. Als leidenschaftlicher Mountainbiker und sportlicher Allrounder wollte Burnett – einer der Inhaber von John Burnett Insurance –Teil von etwas völlig Neuem werden. Karen Morewood, Pats Frau, wurde ebenfalls Gründungspartnerin und kümmert sich seitdem um alle wichtigen Angelegenheiten im Hintergrund. Zusammen bildeten sie das perfekte Team, um ein kleines Fahrradgeschäft aus Südafrika in eine globale Marke zu verwandeln. 

 

Die Fahrräder von Pyga Industries zählen mittlerweile zu den besten fünf Prozent der Welt und ihr Vorzeigeprodukt „One Ten“ wird von der Mountainbike-Zeitschrift SingleTrack als ein „wirklich großartiger Alleskönner“ beschrieben. Das Sponsoring von African MTB – einem Profiteam aus der südafrikanischen Heimat, das mit den Stage-Fahrrädern von Pyga mittlerweile Podiumsplätze erzielt –, hilft der Marke dabei, zu wachsen.

Ein Lächeln in die Gesichter der Fahrer zaubern

„Die meisten Fahrradhersteller richten die Entwicklung ihrer Fahrräder ganz auf Leistung und Geschwindigkeit aus“, so Morewood. „Doch bei Pyga soll Radfahren einfach Spaß machen und bequem sein – schneller fahren möchte man dann ganz automatisch. Unser größter Antrieb ist das Lächeln im Gesicht des Kunden, nachdem er eine Runde auf einem unserer Bikes gedreht hat.“

Neue Materialien, neue Herausforderungen

Die Fahrradindustrie entwickelt sich in einer Geschwindigkeit, die der der Fahrer in nichts nachsteht Ständig werden neue Materialien entwickelt, durch welche die Fahrräder hinsichtlich Geschwindigkeit und Verlässlichkeit noch einen Zahn zulegen. Pyga wusste: Es musste ein Weg gefunden werden, die neuesten Kohlenstoffverbundmaterialien zu nutzen und gleichzeitig die Zeit zur Markteinführung zu verkürzen, um mit größeren Herstellern bei knapper werdenden Ressourcen konkurrieren zu können. 

 

Klar war auch, dass die neuen Materialien nicht einfach in den Herstellungsprozess integriert und dann sofort bessere Resultate erwartet werden konnten. Um neue Designs möglichst schnell und flexibel zu verwirklichen, benötigten die Konstrukteure fortschrittliche Produktentwicklungstools.

Schnell, praktisch und funktionsreich

Mit der CAD-Software, die Pyga im Einsatz hatte, waren Änderungen in der Konstruktion schwierig und langsam. Jedes Mal, wenn eine Bauform an eine neue Rahmengröße angepasst wurde, mussten die Konstrukteure von vorne beginnen.

 

Nach Prüfung der Möglichkeiten entschloss sich Pyga, auf Solid Edge umzurüsten, der Product Lifecycle Management (PLM) Software von Siemens. Dadurch wurden die Konstrukteure mit einem Komplettpaket an Softwaretools für die Produktentwicklung ausgestattet, das von der 3D-Konstruktion über die Simulation bis hin zur Herstellung und zum Datenmanagement reicht. 

 

„Solid Edge ist ein sehr intuitives und bedienerfreundliches Produkt im Vergleich zu vielen anderen CAD-Software-Lösungen“, so Heiko Redecker, CAD-Konstrukteur bei Pyga. „Das macht es sehr einfach, sich an die Funktionalität zu gewöhnen und neue Funktionen zu erlernen. Es umfasst einfache und doch leistungsstarke Möglichkeiten der Oberflächengestaltung, die ideal sind, um ästhetisch ansprechende Konsumgüter zu entwerfen.“

Eine Top-Down-Konstruktionsmethode

Normalerweise beginnt die Entwicklung eines vollgefederten Fahrrads damit, die Kinematik der Radaufhängung zu definieren. Sie bestimmt die Verbindungsstellen zwischen den verschiedenen Gestängen der Radaufhängung. Erst wenn diese bestimmt sind, kann der dreidimensionale CAD-Konstruktionsvorgang beginnen.

 

Doch mit den parametrischen Konstruktionstools und der synchronisierten Technologie der neuen Software kann Pyga einen Top-Down-Ansatz verfolgen. Die Konstrukteure bei Pyga beginnen mit einer Skizze des Aufbaus, die die grundlegende Form des Fahrrads definiert und Teilschnittstellen miteinander verbindet. Dann werden die Einzelteile innerhalb der Konstruktion angepasst und miteinander verbunden. 

 

Die schnelle Möglichkeit Designs zu verändern und die Skalierbarkeit auf neue Rahmengrößen ermöglichen es Pyga, neue Fahrräder mit weniger Prototypen und Komplikationen auf den Markt zu bringen. „Früher benötigten wir drei bis vier Monate für die Entwicklung neuer Rahmendesigns“, erklärt Morewood. „Dank Solid Edge konnten wir diese Zeitspanne auf zweieinhalb bis drei Monate verkürzen. Die höhere Produktivität half uns dabei, die Markteinführungszeit zu verkürzen, was in einer sich schnell wandelnden Mountainbike-Industrie essentiell ist.“

 

Dies beschert Pyga den unbezahlbaren Vorteil, nachdem das Unternehmen gesucht hatte, um es mit größeren Konkurrenten auf dem Weltmarkt aufzunehmen – und so die Reise in Richtung Weltspitze fortzuführen.

09.06.2017

Picture credits: Siemens AG, PYGA Industries

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