Mikrobrauereien: Rezeptur für Erfolg

Mit nostalgischem Flair und modernster Technologie erobern kleine, lokale Bierbrauereien den US-Markt. Dank zweistelliger Wachstumsraten haben die Mikrobrauereien bereits einen Marktanteil von mehr als zehn Prozent.

Die alte Fabrikhalle in Stratford, Connecticut steht voller glänzender Stahlkessel. Überall sind Rohre, es dampft und zischt. Früher stellte das Unternehmen U.S. Baird hier Maschinen her. Heute wird Bier gebraut.

Die Two Roads Brewing Company ist eine Mikrobrauerei, wie sie seit einigen Jahren im ganzen Land aufblühen. Mehr als 200 Millionen Hektoliter Bier werden jährlich in den USA gebraut, Platz 2 weltweit hinter China und vor Brasilien. Quantitativ bestimmen zwar wenige Großbrauereien wie Weltmarktführer Anheuser Busch In Bev das Geschäft. Doch kleine und mittlere Brauereien mit hohen Wachstumsraten sind seit einigen Jahren stark im Kommen.

Existierten in den USA in den 80er Jahren keine 100 Brauereien, sind es heute rund 3.400 – viele davon kleine lokale Anbieter. Die sogenannten Craft Breweries verfolgen handwerkliche Produktionsmethoden, setzen auf Kundennähe, kreative Marketingideen, nostalgisches Flair und regionalen Vertrieb. „Die Leute haben Freude am Experimentieren und am Entdecken neuer Geschmäcker“, sagt Brad Hittle, Gründer von Two Roads: „Wir sind keine Eintagsfliege, sondern Trend.“

Erfolg dank modernster Anlagen

Ohne modernste Technologie wäre der Nostalgie-Trend jedoch kaum wirtschaftlich realisierbar. Vielerorts helfen Siemens-Braumat-Automatisierungssysteme den neuen Braumeistern bei der Arbeit. Im US-Markt für Brauereitechnologien besitzt Siemens einen Marktanteil von rund 20 Prozent. Den Löwenanteil machen zwar Umsätze mit Großbrauereien aus. Doch auch an amerikanische Mikrobrauhäuser hat Siemens bereits schlüsselfertige Systeme ausgeliefert.

So wird seit Herbst 2012 auch bei Two Roads mit dem Braumat-Compact-System gebraut. „Der wichtigste Erfolgsfaktor ist ein qualitativ gleichbleibend hochwertiges Bier“, sagt Hittle. 2011 kündigte er seinen sicheren Job als Marketingchef in der Getränkeindustrie, um das Start-up zu gründen.

Um ihre Braukapazitäten optimal auszuschöpfen, arbeitet die Mikrobrauerei auch als Auftragshersteller für andere Brauereien mit Produktionsengpässen. „Um solche Aufträge gewinnen und flexibel bewältigen zu können, sind beste und modernste Anlagen der entscheidende Schlüssel“, sagt Hittle. Eine „Augenweide“ nennt er seine glänzenden Brauanlagen, gebaut vom deutschen Spezialisten Rolec. Der legte ihm auch die Steuerungssysteme von Siemens ans Herz.

Vielfalt im Griff

Auf der Kundenliste von Two Roads stehen rund ein Dutzend Markenunternehmen, die von Hittle 40 verschiedene Biersorten brauen lassen. Aber auch das eigene Bier läuft hervorragend. Je nach Saison hat Two Roads bis zu 30 Biersorten im Angebot.

Die Vielzahl an Rezepturen würde einen Braumeister ohne Steuerungssoftware zur Verzweiflung bringen. Mit der Braumat-Technologie ist Vielfalt hingegen kein Problem. Es können nahezu grenzenlos viele Biersorten produziert werden, limitiert lediglich durch die Leistungsfähigkeit des angeschlossenen Computers. „Auch das Ausprobieren neuer Rezepturen ist sehr anwenderfreundlich, weil Braumat Compact jeden Schritt nachhält und reproduzierbar macht“, lobt Hittle.

Das Ausprobieren neuer Rezepturen ist sehr anwenderfreundlich, weil Braumat Compact jeden Schritt nachhält und reproduzierbar macht
Brad Hittle, Gründer und CEO von Two Roads

Braumat ist ein System, das Siemens ähnlich auch in anderen Branchen der Prozessindustrie einsetzt. Mit der schlüsselfertigen Lösung Braumat Compact betragen die Einstiegskosten für die Automatisierung einer Brauerei deutlich weniger als 50.000 US-Dollar – eine Summe, die auch Start-ups stemmen können. Die Investition lohnt sich bereits ab einer jährlichen Produktionsmenge von rund 5.000 Hektolitern Bier.

Den Brauprozess stets im Blick

Viele der Mikrobrauereien werden sprichwörtlich in der Garage gegründet. Kommt das Bier bei den Kunden gut an, kann die manuelle Produktion jedoch oft nicht lange mit der steigenden Nachfrage schritthalten. So wie bei Schlafly Bottleworks: Sechs Jahre nach dem Start stieß die 2002 gegründete Craft Brewery aus St. Louis an ihre Kapazitätsgrenze. Braumeister James Ottolini und sein Team legten regelmäßig Überstunden und Nachtschichten ein.

 

 

Zusammen mit der Anschaffung eines fünften Braukessels automatisierte Ottolini 2009 den Brauprozess mit Braumat Compact. Noch im selben Jahr stieg die Produktionsmenge von 24.000 auf 30.000 Barrel – ohne Zusatzschichten. Dank Braumat Compact sei der Brauprozess heute um 30 Prozent produktiver, sagt Ottolini: „Wir arbeiten weniger und schaffen mehr.“

 

 

Pluspunkt Sicherheit

 

Weiterer Pluspunkt ist die Sicherheit: Fällt beispielsweise die Kühlung in den Gär- und Lagertanks aus, schickt Braumat in Verbindung mit einem Alarm-Control-System automatisch eine Warnmeldung aufs Mobiltelefon des Braumeisters. Ein rein manuell gesteuerter Braubetrieb riskiert dagegen, dass die ganze Charge verdirbt. „Das ist ein hohes finanzielles Risiko“, sagt Edward Montgomery, verantwortlich für das Geschäft mit US-Brauereien bei Siemens.

 

 

Braumat ist ein schlüsselfertiges Standardprodukt mit einheitlichen Qualitätsregularien, Support und Trainings-Hotline. Wettbewerber am US-Markt liefern hingegen meist nur Komponenten, welche die Kunden individuell zusammenbauen müssen. Eine Schwachstelle individueller Systeme sei oft die Wartung, weil diese nur der spezifische Anlagenbauer leisten kann, so Montgomery: „Siemens dagegen bietet nicht nur überzeugende Hardware, sondern auch einen unvergleichlichen Kundendienst.“

Wir arbeiten weniger und schaffen mehr.
James Ottolini, Schlafly Bottleworks

07.11.2016

Industry Journal 2/2013

Bildquellen: Two Roads Brewing Company, Siemens AG, Thinkstock (2x)

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