Für höhere Verfügbarkeit und Effizienz 

Digitalisierung ist gegenwärtig das Schlagwort in nahezu jeder Industrie-Branche – Zement bildet da keine Ausnahme. Ömer Oydaşik, Leiter Siemens Cement, spricht im Interview über digitale Lösungen für die Zementindustrie und ihre Bedeutung für die Zukunft der Branche. 

Welches Ziel verfolgt Siemens bei der Digitalisierung in der Zementindustrie?

 

Ömer Oydaşik: Wir möchten Kunden dabei unterstützen, die Verfügbarkeit und Effizienz ihrer Anlagen zu erhöhen. Das bedeutet zum Beispiel den Betrieb der Anlagen zu verbessern, das Produktionsvolumen zu steigern und natürlich auch Geld zu sparen. Darüber hinaus bieten wir Lösungen für die gesamte Lebensdauer einer Anlage.

 

 

Apropos Lebensdauer – wo beginnt Digitalisierung?

 

Ömer Oydaşik: Nun, wir setzen beim allgemeinen Engineering an, das sich in den letzten Jahren sehr verändert hat. Intelligente Engineering-Werkzeuge sind heute selbstverständlich und sie erstrecken sich über die verschiedensten Disziplinen. In Maschinenbau, Elektrotechnik und Chemieingenieurwesen, um nur drei zu nennen, kann in einer kombinierten Datenbank oder Engineering-Plattform gearbeitet werden. Eine Änderung in einem dieser Bereiche wirkt sich automatisch auch auf alle anderen Disziplinen aus.

 

In diesem Zusammenhang wird unsere Plattform Comos auch in der Zementindustrie bereits gut angenommen. Das Beste daran ist, dass die Module von Comos dem Betreiber im Anschluss an die Konstruktionsphase alle technischen Daten der Anlage zur Verfügung stellen. Das hilft bei der Planung – und im Falle einer Überarbeitung können die Daten entsprechend angepasst werden.

Und im täglichen Betrieb kommt das Prozessautomatisierungsystem Cemat ins Spiel?

 

Ömer Oydaşik: Genau. Cemat ist das erste Produkt, das wir exklusiv für die Zementindustrie entwickelt haben. Angefangen hat alles vor 45 Jahren mit ersten Installationen in Deutschland – und schon bald eroberte es als Prozessautomatisierungssystem den Markt. Heute nutzen mehr als 30 Prozent der Akteure in der Zementindustrie Cemat. Als starke Prozessautomatisierung ist das System für uns die Basis für die Digitalisierung in Zementwerken. Darüber hinaus erschließen wir im täglichen Betrieb auch andere Bereiche der Digitalisierung.

 

Zum Beispiel?

 

Ömer Oydaşik: Wir optimieren verschiedene Anwendungen, indem wir „Internet of Things“ (IoT) -Werkzeuge nutzen, wie zum Beispiel MindSphere. MindSphere ist unser cloudbasiertes, offenes IoT Betriebssystem. Auf dieser Basis können unterschiedliche Applikationen erstellt werden, etwa für die Zustandsüberwachung. Sensoren auf Motoren, Antrieben und Getrieben erfassen Daten und liefern sie in die Cloud. Diese Daten werden von Algorithmen analysiert, die wiederum automatisch Warnungen ausgeben, bevor ein Fehler wahrscheinlich wird.

 

Nun gehen wir noch einen Schritt weiter: MindSphere kann auch Daten von Cemat beziehen. Wenn man beides kombiniert, profitieren die Kunden von zusätzlichem Mehrwert. So können die daraus resultierenden Daten wiederum helfen, Empfehlungen für Anpassungen während eines geplanten Anlagenstillstands abzugeben.

Digitalisierung ist Technologie, um Daten zum Vorteil der Kunden zu sammeln, zu speichern, zu analysieren und zu nutzen
Ömer Oydaşik, Leiter Siemens Cement

Wie gelingt es dabei die Sicherheit der Daten zu gewährleisten?

 

Ömer Oydaşik: Sie sprechen hier einen wichtigen Punkt an. Industrielle Sicherheit gewinnt durch das Internet der Dinge und zunehmender Datenströme stark an Bedeutung. Um die Daten und Kommunikationsstrukturen in einer Anlage abzusichern, unterstützen wir unsere Kunden dabei, ihre IT-Sicherheit zu verbessern. Entsprechende Maßnahmen erstrecken sich sowohl auf allgemeine IT Themen als auch auf industrielle Automatisierungs- und Prozessleitsysteme.

 

Einige Zementfirmen betreiben weltweit mehrere Standorte. Welches Potenzial eröffnen digitale Lösungen in solchen Fällen?

 

Ömer Oydaşik: Das Stichwort lautet hier „digitale Transparenz“. Das betrifft viele unserer Kunden – nicht nur Betreiber mit Anlagen in verschiedenen Ländern, sondern auch lokale Akteure mit mehreren Anlagen. Hier kommt es darauf an zu verstehen, was in den jeweiligen Anlagen vor sich geht und die umfassende Kontrolle von einem einzelnen Standort aus zu ermöglichen.

 

Aus diesem Grund haben wir eine digitale Architektur geschaffen, mit der sich die erforderlichen Daten gewinnen lassen, zum Beispiel aus Automatisierungssystemen, Datentransfers, Leistungskennzahlen oder dem Anlagenmanagement. Somit erhält das Management ein klares Bild etwa zum Energieverbrauch oder zur Produktionsmenge – und damit letztlich die Kontrolle über die gesamte Wertschöpfungskette. 

Wie weit ist die Zementindustrie in dieser Hinsicht?

 

Ömer Oydaşik: Aktuell haben wir einige Pilotprojekte mit Zement-Kunden gestartet. Letztlich ist Digitalisierung Technologie, um Daten zum Vorteil der Kunden zu sammeln, zu speichern, zu analysieren und zu nutzen. Aber das kann nur in enger Zusammenarbeit geschehen. Deshalb setzen wir uns mit unseren Kunden zusammen, besprechen ihre Herausforderungen und bieten dann maßgeschneiderte digitale Lösungen an, die ihrem Betrieb nutzen.

 

 

Welche Möglichkeiten kann Digitalisierung in Zukunft noch für die Branche eröffnen?

 

Ömer Oydaşik: Der Markt verändert sich regional unterschiedlich. Industrieländer sind geprägt von Überkapazität. Zementhersteller in diesen Teilen der Welt müssen deshalb ihre Kosten optimieren: Digitalisierung bietet ihnen bessere Transparenz für mehr Effizienz. Wenn Modernisierungen anstehen, vereinfacht die Automatisierung die entsprechenden Abläufe und es bedarf keiner riesigen Investitionen mehr in Sachen Engineering. In anderen Teilen der Welt hingegen werden moderne Neuanlagen gebaut.

 

Und in Regionen wie etwa Afrika wird Technologie benötigt, da es hier tendenziell schwierig ist, Fachpersonal zum Betrieb der Anlagen zu finden. Dabei gewinnen zum Beispiel zentralisierte Kontrollräume an Bedeutung, mit denen sich Zementanlagen an verschiedenen Standorten überwachen und steuern lassen. Cemat bietet dafür bereits ideale Voraussetzungen, da dessen grundlegende Topographie auch den Fernzugriff ermöglicht. Sie sehen: Digitalisierung spielt überall eine entscheidende Rolle, und die Zukunft wird hier noch viele weitere, spannende Möglichkeiten hervorbringen.

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