„Die digitale Transformation bietet uns große Möglichkeiten“

Innerhalb des Henkel-Konzerns gilt das Werk im spanischen Montornés del Vallés als eine der modernsten Anlagen. Dr. Dirk Holbach und Wolfgang Weber vom Unternehmensbereich Laundry & Home Care sprechen über die Beschleunigung der Digitalisierung bei Henkel.

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Wie sehen Ihre Zielvorstellungen im Hinblick auf Digitalisierung aus?

Wolfgang Weber: Die Digitalisierungslösung im Werk Montornés del Vallés war für uns ein strategisch wichtiger Schritt. Wir haben nicht nur unsere Produktionsmaschinen mit dem ERP-System verbunden, sondern auch die Kommunikation der Maschinen untereinander ermöglicht. Zusammen mit einer einzigartigen Lösung zur Steuerung der Linie können wir die Anlagen-Effizienz besser analysieren und sie mit Hilfe künstlicher Intelligenz in Echtzeit positiv beeinflussen. Um den Zustand der Linie zu bestimmen, nutzen wir Sensorik. Anhand von Algorithmen können simultan Verbesserungen des Betriebszustandes berechnet und angewendet werden. Die effizientere Nutzung unserer Maschinen ermöglicht es uns, Produktionskosten gering zu halten und damit die Wettbewerbsfähigkeit unserer gesamten Lieferkette zu steigern.

Wir setzen vor allem auf den Einsatz von Robotik, Sensorik sowie auf die Visualisierung von Daten und deren analytische Verarbeitung.
Dr. Dirk Holbach, Corporate Senior Vice President International Supply Chain Laundry & Home Care
Mit der “digital supply chain” wollen Sie Produkte schneller, effizienter, kostenoptimiert und maßgeschneidert entsprechend den Anforderungen der Kunden produzieren und ausliefern. Wo sehen Sie dabei die größten Hebel für Digitalisierung?

Dr. Dirk Holbach: Für die Digitalisierung der Lieferkette setzen wir auf weitere Automatisierung, vor allem mit dem Einsatz von Robotik, mit der Nutzung von Sensorik sowie mit der Visualisierung von Daten und deren analytische Verarbeitung. Unser Ziel ist es immer, konkrete Handlungsvorgaben abzuleiten und unsere KPIs bezogen auf Kosten und Service zu verbessern. Die digitale Transformation bietet uns große Möglichkeiten, diese entlang der gesamten Lieferkette zu optimieren – von der Planung über die Produktion bis hin zur Logistik.

Inwieweit sind Maschinenanbieter und Drittlieferanten bereit, die Digitalisierungsstrategie von Henkel und Siemens mitzutragen?

Weber: Es gibt heute viele Lösungen, die Systeme unterschiedlicher Anbieter zu verbinden und in Echtzeit miteinander kommunizieren zu lassen. Bei Henkel brauchen wir eine ausreichende Datenbasis, um daraus Optimierungsvorschläge abzuleiten. Daher sollen unsere OEMs das gemeinsam mit Siemens implementierte Konzept einer Henkel PackML in neuen Maschinen umsetzen. Aus unserer Sicht bietet das doppelten Mehrwert: Nicht nur Henkel kann von den Daten profitieren, sondern auch die Lieferanten. So können die Maschinendaten aus der Produktion dem Lieferanten Verbesserungspotenziale aufzeigen, die er in die Entwicklung neuer Maschinen einfließen lassen kann.

Siemens ist seit Jahren geschätzter Automatisierungspartner von Henkel. Was erwarten Sie von Siemens in punkto Digitalisierung?

Holbach: Siemens ist beim Thema Digitalisierung eine feste Größe in Deutschland und deshalb haben wir eine Vorzugslieferanten-Partnerschaft geschlossen. Wir erwarten von Siemens, uns mit aktuellen Entwicklungen im Bereich der Automatisierung und Digitalisierung auf dem Laufenden zu halten und bei der Umsetzung zu unterstützen. Wir gehen davon aus, dass Siemens weiter in Forschung und Entwicklung investiert und dadurch auch in Zukunft in der Lage sein wird, neue digitale Lösungen und Technologien zu entwickeln. Denn solche Entwicklungen ermöglichen es uns, unsere KPIs zu verbessern. Darüber hinaus erwarten wir Weiterentwicklungen des gesamten Siemens-Eco-Systems und erhoffen uns Lösungen, wie wir unsere Maschinen, deren Daten sowie externe Sensordaten in ganzheitlichen Modellen zur Abbildung unserer Produktion in Simulationsmodellen, digitalen Zwillingen und vorausschauender Wartung nutzen können. 

In unseren mehr als 30 Werken auf der ganzen Welt sammeln wir täglich Daten an über einer Milliarde Datenpunkte – Tendenz steigend.
Wolfgang Weber, Corporate Director International Engineering and Digital Transformation Laundry & Home Care
Wie verändert Digitalisierung die Arbeit des Bedienpersonals? Wie reagieren die Henkel-Mitarbeiter in den weltweiten Anlagen auf diese Initiative?

Weber: Besonders wichtig ist, dass wir alle Mitarbeiter auf die digitale Reise mitnehmen. Grundsätzlich wird die Digitalisierung unseres Unternehmensbereichs von allen Kollegen positiv aufgenommen. Sie stellen fest, dass Arbeitsabläufe nicht nur vereinfacht, sondern auch effizienter werden. Schon seit Beginn unserer Digitalisierungsinitiative legen wir großen Wert auf Weiterbildung durch verständliche Trainings unserer Mitarbeiter in Vor-Ort-Schulungen, mit einem eigenen Video-Kanal inklusive Trainingsmaterial und regelmäßigen Befragungen. Kulturelle Unterschiede beobachten wir kaum. Vielmehr spüren wir in all unseren Werken weltweit großes Interesse an digitalen Tools und Prozessen. Wir müssen uns aber auch beim Recruiting anpassen, denn in unseren mehr als 30 Werken auf der ganzen Welt sammeln wir täglich Daten an über einer Milliarde Datenpunkte – Tendenz steigend. Wir benötigen Mitarbeiter mit neuen Profilen und Qualifikationen, Ingenieure mit Affinität zu digitalen Technologien, Datenanalysten und -wissenschaftler bis hin zu IT-Experten im Bereich IIoT.

Haben Sie ein dediziertes Team für die Erarbeitung der Digitalisierungsstrategie? Was muss man sich darunter vorstellen?

Weber: In der Supply Chain unseres Bereichs Laundry & Home Care haben wir ein spezialisiertes Team dafür. Natürlich nutzen wir Synergieeffekte und sind in enger Abstimmung mit den Supply Chain-Organisationen der anderen Unternehmensbereiche von Henkel. So stellen wir sicher, dass nicht mehrere Abteilungen parallel an der Entwicklung einer Lösung für die gleiche Problemstellung arbeiten. 

Holbach: Unser Digitalisierungs-Team im Bereich Laundry & Home Care besteht aus mehr als zehn Kollegen, die unter anderem in den Niederlanden, Spanien und Singapur arbeiten. Außerdem hat jeder unserer Standorte einen Digital-Verantwortlichen, der sich um die Implementierung der Projekte vor Ort kümmert. So treiben in unserem Unternehmensbereich mindestens 30 bis 40 Mitarbeiter die Digitalisierung der Supply Chain voran.

Digitalisierung passiert nicht von heute auf morgen, es ist ein Prozess, der nie komplett abgeschlossen sein wird.“
Dr. Dirk Holbach, Corporate Senior Vice President International Supply Chain Laundry & Home Care  
Letzte Frage: Wie bewerten Sie den Stand der digitalen Innovationen bei Henkel im Vergleich zu anderen Chemie-Unternehmen?

Holbach: Das Thema Digitalisierung hat bei Henkel einen hohen Stellenwert und ist Teil unserer Strategie. Im Rahmen von Konferenzen und Tagungen nutzen wir regelmäßig die Gelegenheit, den aktuellen Stand unserer Digitalisierungsinitiative im Bereich Supply Chain vorzustellen und gleichzeitig auch die Maßnahmen anderer Unternehmen näher kennenzulernen. In den zurückliegenden Monaten und Jahren haben wir bereits einiges geschafft. Wir wissen aber auch, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben. Digitalisierung passiert nicht von heute auf morgen, es ist ein Prozess, der nie komplett abgeschlossen sein wird. Daher sind wir stolz auf unsere bisherige Leistung, arbeiten aber tagtäglich daran, unsere Position zu erhalten und noch besser zu werden. 

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