Cloud Anbindung: Globalisierung für Maschinen

Die digitale Vernetzung von Maschinen minimiert Ausfallzeiten und erhöht die Effizienz – sichert also nachhaltig die Wettbewerbsfähigkeit. Das hat der Maschinenbauer Kampf erkannt und bietet seinen Kunden eine eigens hierfür entwickelte Plattformlösung an – seit Sommer 2018 inklusive Anbindung an eine Cloud. Für beide Projekte setzte er auf starke Partner.

 

„Früher war die Eastman Kodak Company ein wichtiger Kunde von uns. Circa 20 Prozent unserer Entwicklungsingenieure haben nur für den Fotografie-Ausrüster gearbeitet“, erinnert sich Donatus Weber, Head of Innovation & Industry 4.0 bei Kampf Schneid- und Wickeltechnik GmbH & Co. KG. „Dann hat Kodak die Digitalkamera entwickelt und innerhalb kürzester Zeit liefen kein Film mehr über unsere Maschinen.“

 

Herausforderung Digitalisierung

Weber versteht, dass so eine Erfahrung beängstigend sein kann, sieht aber auch die Chancen, die in dem digitalen Wandel stecken: „Disruption durch Digitalisierung betrifft uns alle, daran müssen wir immer denken. Sie bietet aber auch eine Riesenchance. 2016 haben wir realisiert, dass wir die Digitalisierung nutzen können, um für unsere Kunden einen digitalen Mehrwert zu schaffen und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern“. Im Fokus stand dabei die Effizienzsteigerung der Maschinen. Man startete mit Unterstützung von Softwareentwicklern der codecentric eine digitale Industrie 4.0 Plattform für die Kampf-Kunden aufzubauen, es entstand the@vanced als integrative Plattform.

 

Nils Wloka von codecentric, seinerseits dort ebenfalls Head of Industry 4.0., berät seit einiger Zeit Industrieunternehmen aller Größen in Digitalisierungsfragen. „Viele sind auf externes Software-Knowhow angewiesen, um digitale Ideen für ihr Unternehmen ins Rollen zu bringen. Das bedeutet nicht, sich von codecentric abhängig zu machen. Wir entwickeln zusammen auf Augenhöhe, so dass das Unternehmen im Anschluss die Pflege ihrer neuen Software-Anwendung selbst übernehmen kann.“

 

Integration der Plattform in MindSphere

 

 

Bei Kampf und codecentric stand am Anfang der Zusammenarbeit die Erkenntnis, dass viele der Kampf-Kunden noch keinen Bedarf an Cloud-Lösungen sehen, aber dennoch von den Vorteilen der Digitalisierung profitieren möchten. Man entschied sich daher dazu, im ersten Schritt eine lokale Lösung auf Basis von Cloud Technologien umzusetzen. „Wir entwickelten the@vanced als sogenannte On-Premise Plattform, die also mitsamt aller Daten auf einem Server beim Kunden vor Ort betrieben wird“, erklärt Weber den ersten Schritt dieser Zusammenarbeit.

 

„Auf dieser Plattform kann der ständige Datenfluß aller vernetzten Maschinen automatisiert überwacht, analysiert und in Handlungsempfehlungen interpretiert werden“, fügt er hinzu. Dadurch können beispielsweise Instandhaltungsmaßnahmen vorausschauend vorgenommen, Ausfallzeiten verhindert und Auslastungen optimiert werden. Allerdings hat diese Vor-Ort-Lösung den Nachteil, dass nur Maschinen innerhalb eines Fertigungsortes vernetzt werden können. Möchte man die Maschinendaten ortsübergreifend auswerten, braucht es eine Cloud-Lösung.

 

Zusammenarbeit ist der Schlüssel zum Erfolg

Weber erinnert sich noch daran, wie dann MindSphere, das offene, cloud-basierte IoT System in Version 3 von Siemens auf den Markt kam: „Ich habe mir gedacht: das ist genau das Richtige. Wir müssen gar nicht umständlich eine eigene Cloud entwickeln, stattdessen können wir einfach unsere Plattform, so wie sie ist, mit der MindSphere koppeln“.

Wloka war seinerseits durch den Siemens Open Space (siehe Infobox rechts) in der Factory Berlin mit MindSphere in Kontakt gekommen. Er arbeitet dort öfter, um im Austausch mit Branchenkollegen zu bleiben. Als Kampf im Rahmen der MindSphere Open Space Challenge zu Lösungsvorschlägen für eine Cloud-Integration aufrief, entwickelte Wloka gemeinsam mit Kollegen ein Konzept und setzte es innerhalb weniger Tage um.

Das Resultat: MindSphere als generische Plattform auf einer IAAS (Infrastructure as a Service) Cloud ermöglicht es Kampf-Kunden nun die Produktions- und Effizienzdaten von all ihren verschiedenen Fertigungsstandorten in die MindSphere einzuspeisen und zu vergleichen. Eine von codecentric entwickelte Applikation bereitet diese auf. Wloka erklärt: „Wir haben eine maßgeschneiderte Auswertung ergänzend zur MindSphere Applikation Manage MyMachines gebaut, so dass die Kunden von Kampf auf einen Blick visualisieren können, was für sie am wichtigsten ist.“

Vertrauen in MindSphere

„Die Nachfrage nach  Cloud-Anwendungen kommt jetzt erst langsam ins Rollen, aber in der Auswertung so großer Datenpools liegt ein ungeheures Potential! Das kann man lokal im Kleinen so nie hinbekommen“, denkt Weber. „Ein einfaches Beispiel: Unser Kunde hat drei Produktionsstandorte, einen in Amerika, einen in Südostasien und einen in Europa. Jetzt könnte er alle drei Produktionsstandorte aufwändig vor Ort analysieren lassen, hoffen, dass einheitliche Standards dabei korrekt genutzt werden und anschließend die dabei gewonnenen Daten mühsam vergleichen um herauszufinden, welche Produktion am effizientesten läuft“, führt Weber aus. Eine zeitraubende, fehleranfällige Methode. „Oder aber er setzt auf eine Cloud-Lösung wie MindSphere – und bekommt alle Daten nahezu in Echtzeit auf einen Knopfdruck, inklusive an seinen Bedarf angepasster Analysemethoden“.

Weber glaubt außerdem, dass der gleiche Grund, warum sie sich für MindSphere als Cloud-Plattform entschieden haben, auch der ist, der seine Kunden überzeugt: „Siemens verbürgt sich dafür, dass niemand anderes Zugriff auf die Daten in MindSphere hat (mehr zum Thema Datensicherheit bei MindSphere lesen Sie hier). Und Siemens vertraut man, das Unternehmen ist ein langjähriger Partner im Maschinenbau: von Siemens ist in unseren Maschinen schon die Steuerungs- und Antriebstechnik verbaut. Da ist gleich mehr Akzeptanz da und bald werden nicht mehr nur unsere innovativeren Kunden in die Cloud wollen.“

Zukunftsaussicht: Anwendungen bauen

Sowohl Kampf wie auch codecentric möchten zukünftig auf dieser Grundlage weiterarbeiten. „Wir wollen Applikationen bauen und damit Kundenmehrwert schaffen – das ist unser Ziel!“, sagt Weber und Wloka pflichtet ihm bei: „Nach der Integration, freuen wir uns nun darauf mit Kampf und anderen Industrieunternehmen in weiteren Projekten Anwendungen in der MindSphere zu realisieren“.

 

Kampf Schneid- und Wickeltechnik GmbH & Co. KG , codecentric, Siemens AG

Picture credits: Siemens AG 

Im Siemens Open Space, Teil der Factory Berlin, entstehen neue digitale Geschäftsmodelle, Anwendungen und Services mit dem offenen cloud-basierten IoT System MindSphere. Auch die zwei Protagonisten dieser Geschichte nutzten diese Austauschplattform für ihre Zusammenarbeit. 

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