Elektronikindustrie: Nase vorn dank digitalem Zwilling

Neue Maschinen für die innovationsgetriebene Elektronikindustrie müssen besonders schnell entwickelt und in Betrieb genommen werden. Das chinesische Unternehmen Bozhon hat sich mit Siemens zusammengetan, um genau das zu realisieren.

Mal eben in der Bahn die neueste Folge der Lieblingsserie streamen: Schon längst ist dies keine Zukunftsvision mehr sondern alltägliche Realität. Egal ob Kleidung, Bücher oder sogar Lebensmittel – heutzutage ist fast alles in Windeseile mit einem Fingertipp auf dem Smartphone-Display zu beschaffen. Der Konsument von heute erwartet neue Produkte am besten sofort, in bester Qualität und ausgestattet mit der neuesten Technologie. Das gilt auch für das Smartphone selbst. Es soll immer auf dem aktuellsten Stand der Technik sein und wird meist schon nach nur kurzer Lebensdauer durch ein neues Modell ersetzt.

Verschwiegene Branche mit kurzen Zyklen

Damit die Unternehmen der Hightech- und Elektronikbranche dem starken Wettbewerbsdruck standhalten können, müssen sie ihre Innovations- und Produktionszyklen so kurz wie möglich halten, um schneller als der Wettbewerb neue Produkte auf den Markt zu bringen. Zudem gilt es, den Wettbewerber nicht in die eigenen Karten schauen zu lassen – denn jede Information zu den genutzten Maschinen lässt die Konkurrenz Rückschlüsse auf die Produktion ziehen. Die schnellen Produkt- und Innovationszyklen der Elektronikbranche führen deshalb auch bei den Maschinenbauern zu extremem Zeitdruck. Sie sind gefordert, möglichst schnell und bei absoluter Geheimhaltung hochpräzise Maschinen zur Produktion des neuen Modells zu liefern. 

Gefordert sind schnelles Engineering und vor allem Fehlerfreiheit der Maschinen. Einer, der sich auf diesem schwierigen Markt behaupten kann und die Herausforderungen seiner Kunden sehr gut kennt, ist der chinesische Maschinenbauer Bozhon Precision Industry Technology Co.Ltd. Für eines seiner zahlreichen aktuellen Projekte, für das ein digitaler Zwilling entwickelt wurde, kooperierte Bozhon mit Siemens. Das Vorhaben von Bozhon und Siemens klang zunächst etwas ungewöhnlich: Im Vorfeld der Hannover Messe erstellte Siemens in Deutschland den digitalen Zwilling einer Maschine, die parallel von Bozhon in China gefertigt wurde. Es handelte sich um eine Montagezelle mit Roboterarmen, die auf der Messe demonstriert, wie Vorder- und Rückseite eines Handygehäuses zusammengefügt werden.

Virtuelle Inbetriebnahme spart viel Zeit

Das Ziel von Bozhon: eine bis zu 30-prozentige Zeitersparnis durch eine gesteigerte Engineering-Effizienz – für eine schnellere Entwicklung, Auslieferung und Inbetriebnahme neuer Maschinen beim Kunden. Ausgehend von der Simulation des gewünschten Endprodukts wurde zunächst ein virtuelles 3D-Modell der geplanten Maschine erstellt – inklusive einer Schnittstelle mit dem offenen, cloudbasierten IoT-Betriebssystem MindSphere, um die Datenerfassung und -analyse im späteren Betrieb zu ermöglichen und so beispielsweise vorausschauende Instandhaltung oder Energieoptimierungen zu ermöglichen. 

Dieser digitale Zwilling bildete die künftige, reale Maschine detailgetreu ab und erlaubte eine Simulation ihrer Bewegungsabläufe. Somit konnte die komplette Wertschöpfungskette durchgängig digital abgebildet, getestet und optimiert werden – vom Design des Produktes über die Planung und das Design der Maschine bis zum Produktionsprozess und der Performance. Für Bozhon war die Entwicklung eines digitalen Zwillings der einzig richtige Weg, wie Karl Chen, CMO von Bozhon, erklärt: „Für uns war die Erstellung des digitalen Zwillings das Mittel der Wahl, um Simulationen umzusetzen. Wir gehen davon aus, dass digitale Zwillinge künftig noch mehr Funktionen umfassen werden und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen so weiter verbessert wird." Während die Entwickler die Maschine mithilfe des digitalen Zwillings schrittweise simulierten und sie virtuell in Betrieb nahmen, konnte sie parallel in China hergestellt werden. Eine schnelle Entwicklung und Inbetriebnahme der benötigten Maschinen bedeutet auch für die Maschinenbauer ein entscheidendes Plus im Wettlauf mit dem Wettbewerb – sie haben dank des digitalen Zwillings die Nase vorn.

26.03.2018

Picture credits: gettyimages, Publicis Pixelpark

Im Jahr 2001 gegründet, produziert der chinesische Maschinenbauer vor allem Maschinen für Kunden der Hightech- und Elektronikbranche, aber auch die Haushaltsgeräte- und Automotive-Branchen.

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden: Alles was Sie über Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung wissen müssen.